Feuerwehr brachte Anwohner in Schlauchbooten in ihre Häuser

Altena: Früher war mehr Hochwasser

Als das Finanzamt noch in Altenas Innenstadt untergebracht war, konnten es Mitarbeiter und Kunden bei Hochwasser nur über Stege erreichen. Auch Boote waren damals mehr oder weniger regelmäßig in der Innenstadt unterwegs.

Altena - Das Silikon muss Zeit zum Trocknen haben – Dorothee Behrendt-Bartels, Raumausstatterin mit Sitz an der Lennestraße, weiß ganz genau, was bei steigendem Wasserstand zu tun ist. Seit 40 Jahren existiert das Geschäft, Behrendt-Bartels hat im Laufe der Zeit viele Hochwasser kommen und auch wieder gehen sehen.

Der Keller der Raumausstatterin wird so geschützt, wie man das von den Abschottungen des Bauhofs kennt; U-Eisen, passende Bohlen und als Abdichtung eben Silikon. „Und was wir im Keller lagern, ist natürlich aufgebockt“, erklärt die Geschäftsfrau.

Radio, Fernsehen, Nachrichtenagenturen – das Mini-Hochwasser, das die Burgstadt in diesen Tagen erlebt, lockt zahlreiche Medien an. Früher war das anders: Als 1960 die Lenne so sehr über die Ufer trat, dass weite Teile der Innenstadt überflutet wurden, da berichtete nur das AK. Uli Hücking, der ein Jahr zuvor seine Metzgerei im Haus Lennestraße 13 eröffnet hatte, kann sich noch daran erinnern, wie das Wasser gut zwei Meter hoch im Laden stand und die Theke zerstört wurde. „Die nächste war dann wasserfest“, schmunzelt er. Kühlkompressoren und andere elektrische Geräte hängen heute noch hochwassersicher unter der Decke.

Wasser stand zwei Meter hoch im Laden

Auch später stand das Wasser immer mal wieder im Geschäft: Das sei normal gewesen, erklärt Hücking. Das Wasser sei auch gar nicht direkt aus der Lenne gekommen, sondern durch die Kanäle in die Häuser gedrückt worden. Mit dem Bau der Lenneuferstraße wurde auch die Entwässerungssituation geändert. Seitdem sei eigentlich Ruhe, berichtet der Metzgermeister – und folgt trotzdem nicht der Empfehlung von Jutta Gruß-Rinck. Die Stadtplanerin beschäftigte sich bei ihren Untersuchungen zur Altenaer Innenstadt auch mit Fassaden und brandmarkte Hückings geflieste Front als eher hässlich. „Die Fliesen bleiben“, stellt Hücking klar. Sollte das Wasser doch irgendwann einmal in die Lennestraße laufen, dann seien dessen Folgen anschließend schnell beseitigt: „Abspritzen, fertig.“

Sicher ist sicher: An Ulrich Hückings Kühltechnik reicht so schnell kein Hochwasser heran.

Seit 62 Jahren existiert die Firma Zetzmann und Bröer – obwohl mehrere Stufen in den Laden führen, stand auch dort schon das Wasser. „Meine Eltern haben damals die Waschmaschinen nach oben geräumt“, erinnert sich Friederike Haar. Waschmaschinen verkauft das Haushalts- und Eisenwarengeschäft schon lange nicht mehr und das Hochwasser wird heutzutage erst dann zum Problem, wenn es etwa einen Meter hoch auf der Lenneuferstraße steht. „Dann drückt Grundwasser in den Keller“, berichtet die heutige Inhaberin des Ladens.

Mithilfe einer Pumpe hat sie dieses Problem allerdings gut im Griff. Wenn das Wasser steigt, muss auch ein kleiner Durchgang zwischen ihrem Haus und dem Café Talstation verschlossen werden: „Ich sag’ da rechtzeitig dem Nachbarn Bescheid, der kümmert sich dann“.

Mit der Zinkbadewanne durch die Lennestraße gepaddelt

Klaus Bönncken hat in zweierlei Hinsicht Hochwassererfahrung: Seine Eltern hatten ein Café in der Lennestraße, in dem das Hochwasser oft meterhoch stand. Er und sein Zwillingsbruder holten dann die Zinkbadewanne vom Dachboden und paddelten durch die Lennestraße. 1968 trat Bönnecken dann als Hauptamtlicher in den Dienst der Altenaer Feuerwehr und hatte

Solche Marken erinnern an mehreren Stellen der Stadt an besonders verheerende Hochwasserereignisse.

danach 30 Jahre lang beruflich mit dem Thema Hochwasser zu tun: „Wenn das Wasser wieder in der Stadt stand, haben wir die Passanten mit dem Schlauchboot zu den Häusern gebracht", erinnert er sich. In einem Jahr habe er sogar den damaligen Bürgermeister Günter Topmann und Stadtdirektor Reinhard Riechert durch die Fluten gezogen.

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