Schul-Entscheidung schon in 14 Tagen

Vier der fünf Ratsfraktioen stellen den Antrag, die Grundschule Evingsen Mitte 2016 zu schließen.

ALTENA -  Der Rat soll noch vor der Wahl über die Schließung der Grundschule Evingsen entscheiden. Das schlagen vier der fünf Fraktionen vor. Bisher hatten sie sich für einen Bürgerentscheid zu diesem Thema ausgesprochen.

Kommentar                                   
       

 Der Wähler weiß, woran er ist

Unpopuläre Beschlüsse fällen Kommunalpolitiker gerne nach der Wahl – um so erstaunlicher, dass sich in Altena gleich vier der fünf Ratsfraktionen sehr deutlich positionieren und schon im Februar die Schließung des Schulstandortes Evingsen beschließen wollen. Das verdient Respekt: Wenn es in zwei Wochen tatsächlich zu diesem Beschluss kommt (woran kein Zweifel bestehen kann), wissen die Bürger am 25. Mai genau, woran sie sind. Dass das der CDU und ihren Verbündeten vor allem in Evingsen keine Zugewinne bescheren wird, liegt auf der Hand – interessant ist lediglich die Frage, wie sehr sie bei der Wahl für diese Entscheidung abgestraft werden. Inhaltlich ist nicht auszusetzen am Beschlussvorschlag der Grundschul-Allianz aus CDU, Grünen, FDP und SDA: Vier Grundschulen sind einfach zu viel für die knapp 120 Kinder, die es zukünftig pro Jahrgang geben wird. Die Schließung einer Schule ist zwingend erforderlich. Dass das weder die im Mühlendorf noch die Grundschule Breitenhagen sein kann, liegt auf der Hand. Bleibt das Geschmäckle, das mit dem Vorschlag verbunden ist, quasi sofort einen Schulverbund Dahle/Evingsen/Mühlendorf zu bilden, dessen Rektor dann quasi automatisch Wolfgang Wilbers werden wird. Der ist bekanntlich gerade erst von der SPD zur CDU gewechselt. Das sieht nach Filz und Parteibuch-Gemauschel aus. Bei näherer Betrachtung ist an diesem Vorwurf (der mit Sicherheit kommen wird) nichts dran: Grundschulleiter werden landesweit händeringend und oft vergeblich gesucht, kaum einer will diesen Job – schon deshalb braucht man heutzutage längst kein Parteibuch mehr, um Grundschulleiter zu werden oder sich in dieser Position zu verbessern.  

von Thomas Bender

Von Thomas Bender

Bei einer Pressekonferenz im Rathaus nannten Uwe Scholz (CDU), Oliver Held (Grüne), Bernhard Diel (FDP) und Ulrich Biroth (soziale und demokratische Alternative) am Montag die Gründe für ihre Kehrtwende: Bei einer Schulbegehung in Evingsen sei von den dortigen Bürgern klar gesagt worden, dass sie auf diese basisdemokratische Abstimmung keinen Wert legen. Deshalb werde die Entscheidung jetzt durch den Rat getroffen – und zwar am 10. Februar und damit deutlich vor der Kommunalwahl. Das sei „ein Gebot der Fairness“, sagte Scholz.

Sechs Punkte umfasst ein gemeinsamer Antrag der vier Ratsfraktionen. Sie wollen den Schulstandort Evingsen zum 1. August 2016 auflösen – die Kinder, die dort für das kommende Schuljahr aufgenommen werden, können also noch zwei Jahre dort zur Schule gehen. Überraschend ist, dass die Fraktionen den Schulverbund Dahle/Evingsen schon zu Beginn des kommenden Schuljahres auflösen und als Teilstandort der Grundschule Mühlendorf weiterführen möchten. Hintergrund sei der plötzliche und dauerhafte Ausfall des bisherigen Schulleiters Karl-Heinz Zündorf, erklärte Oliver Held. Das schaffe Handlungsdruck, weil die Schule nicht zu lange führungslos bleiben dürfe.

Die vier Fraktionen machten deutlich, dass an der Schließung eines Schulstandortes wegen der Entwicklung der Schülerzahlen kein Weg vorbei führe. Dass man nicht in Dahle/Evingsen zwei Grundschulen vorhalten könne und für den Rest der Stadt nur eine, liege auf der Hand, sagte Oliver Held. Die Entscheidung gegen Evingsen begründe sich allein aus dem besseren Raumangebot in Dahle. „Evingsen hat die schönere Schule. Aber die bessere ist die in Dahle“, pflichtete ihm FDP-Sprecher Diel – selbst Evingser – bei.

Uwe Scholz erinnerte daran, dass die Schließung einer Grundschule auch Bestandteil des Haushaltssicherungskonzepts sei, das die SPD stets mitgetragen habe – zuletzt im Dezember bei der Verabschiedung des Haushalts 2014. Jetzige Äußerungen der SPD-Fraktionsvorsitzenden Irmgard Ibrom seien „der Versuch, Menschen Sand in die Augen zu streuen“. Ihre „nebulösen Andeutungen“, es gebe offene Fragen und womöglich andere Lösungen, seien so lange unglaubwürdig, wie die SPD diese Fragen nicht stelle und keine Alternativen aufzeige. Held warf Ibrom vor, sie habe einen interfraktionellen Arbeitskreis zur Grundschulproblematik „vorsätzlich geschwänzt“.

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