Seniorentag beim Netzwerk Demenz

In Altena fehlt barrierearmer Wohnraum

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Anja Bräuniger-Calitri (l.) und Simone Kuhl stellten Ideen und Hilfsmittel vor.

Altena - In puncto barrierearmer Wohnraum ist Altena eine eindeutig benachteiligte Region. „Das ist allein der topografischen Lage geschuldet“, erklärte Simone Kuhl von der Pflegeberatung MK am Samstag im Lutherhaus. Dorthin hatte das Netzwerk Demenz eingeladen. Der Seniorentag beschäftigte sich mit dem Thema „Damit Pflege zuhause gelingen kann.“

Pflege zuhause gelingt allerdings nur schwierig, wenn 86 Prozent aller Haushalte mit Badewannen statt einstiegserleichterten Duschen ausgestattet sind und bei nur 50 Prozent aller Haushalte überhaupt ein Rollstuhl durch die Badezimmertür passt. „Das sind Zahlen aus dem Märkischen Kreis“, erläuterte Kuhl in ihrem Vortrag.

Unüberwindbar

In ihrem Berufsalltag hört sie oft von unüberwindbaren Hürden in Haushalten. „Manche Leute kommen nicht mehr in ihr Schlafzimmer, wenn das im Obergeschoss liegt. Und das schicke Wohnzimmer, das mit zwei Stufen abgeteilt wurde, damit ein schöner Panoramablick entsteht, ist für die Frau im Rollstuhl nicht mehr nutzbar.“ Über solche Aspekte sollte nicht erst im Alter bei zunehmender Gebrechlichkeit nachgedacht werden. „Wer baut und saniert, kann sich durchaus Gedanken über Barrierearmut machen, auch in jungen Jahren schon“, so Kuhl. Wer die Möglichkeiten nicht hat, kann mit geschickter Wohnraum-Umgestaltung seinen Alltag erleichtern: Platz schaffen für den großen Aktionsradius eines Rollstuhls, indem die Staubfänger-Kommode verräumt wird. Wohnung, Flur und Eingangsbereich gut ausleuchten.

Kleinigkeiten ändern

Steckdosen auf eine bequeme Griffhöhe verlegen lassen. Sitzflächen erhöhen und Kontraste nutzen. „Benutzen Sie doch mal Einlegeböden aus bruchfestem Glas für ihren Küchenschrank. Da müssen Sie nie wieder Kletter-Experimente machen, um die Schüsseln in den oberen Etagen zu finden.“ Unterstützt wurde Simone Kuhl von Anja Bräuniger-Calitri, gerontopsychiatrische Fachkraft der örtlichen Perthes-Häuser. Sie hatte alltagserleichternde Hilfsmittel mitgebracht: Gepolsterte Hosen für stolpergefährdete Menschen, Heim-Liftgeräte und griffige Trinkbecher können das Leben in den eigenen vier Wänden auch mit Einschränkungen enorm erleichtern.

Außenstehende helfen

Auch die schwierige Situation für Angehörige wurde beleuchtet: Die eigenen Eltern davon zu überzeugen, lieb gewonnene Gewohnheiten zugunsten von Barrierearmut aufzugeben, kann sehr nervenaufreibend sein. Simone Kuhl rät in solchen Fällen, neutrale dritte Personen in die Gespräche einzubeziehen: „Auch wir von der Pflegeberatung kommen ins Haus und sehen uns die Stolperfallen im häuslichen Umfeld an. Auf andere wird oft mehr gehört, als auf die eigenen Kinder. Das ist auch verständlich, denn Eltern sind es immer gewohnt gewesen, ihren Kindern etwas zu sagen und nicht umgekehrt.

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