Interview mit Nedschroef-Chef Karlheinz Munz

Ein Elektromotor benötigt weniger Schrauben als ein Verbrennungsmotor

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Diplom-Ingenieur Karlheinz Munz ist Chef von Nedschroef Altena. Hier werden pro Jahr 3 Milliarden Schrauben gefertigt.

Altena - Ein Elektromotor benötigt weniger Schrauben als ein Verbrennungsmotor. Das schlägt auch auf die Automobilzulieferindustrie im Lennetal durch. Beispiel: Nedschroef. Geschäftsführer Karlheinz Munz gibt eine Einschätzung ab, wohin die Reise der Zukunft geht.

Stellen Sie bitte zunächst kurz Ihr Werk vor

Karlheinz Munz: An unserem Unternehmensstandort in der Nette werden im Jahr drei Milliarden Schrauben für die Fahrzeug-Industrie weltweit gefertigt. Wir entwickeln und produzieren Schrauben, Kaltformteile und komplexe Befestigungssysteme. Dabei haben wir die 100 Mio. Euro-Umsatz-Grenze bereits überschritten.  

Wie viele Mitarbeiter sind in Altena tätig?  

Munz: Aktuell beschäftigen wir rund 300 Mitarbeiter. Die in Altena produzierten Schrauben werden zum größten Teil in Autokarosserien und weiterem Komponenten-Interieur verbaut. Das Unternehmen selbst gehört seit 1964 zur holländischen Nedschroef-Gruppe. Das ist ein weltweit führender Hersteller von Befestigungssystemen und steht für hochtechnologische Produkte.  

Im vergangenen Jahr investierte Nedschroef am Standort Altena Millionen. Zurzeit wird die Straßenfassade des Anbaus neu gestaltet.

Was bedeutet der Wechsel vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität für Sie als Schraubenhersteller?

Munz: Lassen Sie es mich so sagen: Der klassische Verbrennungsmotor bietet aus anwendungstechnischer Sicht ein großes Marktpotenzial. Heutige Motorentechnik benötigt, so über den großen Daumen, etwa 1 500 Befestigungselemente, das Getriebe noch einmal circa 1 000 Befestigungselemente dazu. Mit Blick in Richtung E-Auto-Technik und die Elektromobilität insgesamt sowie der damit einher eingehenden Veränderung bei den Antriebstechniken wird in diesem Bereich die Nachfrage in den kommenden Jahren rückläufig  sein.

Wie reagieren Sie als Unternehmen darauf?

Munz: Wir werden, das ist doch ganz klar, deshalb neue Anwendungsfälle für unsere Befestigungslösungen, beispielsweise im Bereich der Batterie und des Elektromotors, suchen. Der Lkw-Markt wird sicher fast unverändert bestehen bleiben. Sonst gilt: Schrauben werden generell kleiner gefertigt und vielleicht noch besser gehärtet werden müssen. Machen wir uns nichts vor: Salopp gesagt, etwa 1/3 der ,Löcher’ am Auto sind nun einmal bei einem E-Auto nicht mehr da.

Sind deswegen möglicherweise Arbeitsplätze in Altena gefährdet?

Munz: Ganz ehrlich: Vor Ort können wir die Situation eher ganz entspannt betrachten. Gesamt-Konzernmäßig muss man das vielleicht anders bewerten, das weiß ich heute nicht. Zudem gibt es zumindest für die Übergangszeit, bis sich E-Autos vollständig durchgesetzt haben, ja noch den Hybrid-Antrieb. Da sehe ich schon zusätzliche Bedarfsquellen. 

In der neuen Betriebshalle stehen Maschinen an Maschinen. Im Foto: Karlheinz Munz am PC-Bedienfeld einer modernen Ziehpresse.

Nedschroef Altena entwickelt, haben Sie gesagt. Benötigen Sie als Unternehmen also neben neuen Anwendungsfällen auch ganz neue Produkte für die Mobilität der Zukunft?

Munz: Wie gesagt: Wir stehen vor einem massiven Wandel der Antriebstechnik von mechanischen zu elektronischen Komponenten. Software und Sensorik gewinnen dabei immer stärker an Bedeutung. Deshalb brauchen wir nach meiner Ansicht sehr wohl künftig Befestigungslösungen oder Baugruppen, die bei elektronischen Antrieben weitere Funktionen übernehmen. Beispiel: Befestigungen müssten dann sowohl isolierende als auch leitende Funktionen sicherstellen.

Woher bekommen Sie die für die neuen Anforderungen benötigten Fachkräfte?   

Munz: Wir investieren ständig in die Qualifizierung unserer eigenen Mitarbeiter. Die Nedschroef-Gruppe hat im Übrigen kürzlich ein Unternehmen im Raum Paderborn zugekauft, das sich mit der Prototypenentwicklung im Fahrzeugbau beschäftigt. Das brachte auf einen Schlag viele neue Ingenieure. Wir verfügen dadurch auch frühzeitig über Informationen darüber, welche Verbindungslösungen im Fahrzeug der Zukunft gefragt sein werden.

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