„Ankündigungspolitik war niemals mein Ding“

Christel Voßbeck-Kayser gibt Amt als CDU-Stadtverbandsvorsitzende ab

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Das ist Schnee von gestern: Christel Voßbeck-Kayser (hier mit dem ehemaligen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe) wird sich nach dem Verlust ihres Bundestagsmandats komplett aus der Politik zurückziehen.

Altena - Der CDU-Stadtverband Altena bekommt eine neue Führungsspitze. Christel Voßbeck-Kayser wird am 12. Juni nicht erneut als Vorsitzende kandidieren. Mit ihr werden weitere Vorstandsmitglieder ihre Posten räumen. Das sagte die 56-Jährige auf Anfrage.

Zwar widerstrebt es ihr, ihre mehr als 130 Partei-Mitglieder über die Zeitung über diesen Schritt zu informieren. „Aber es war so schwer, überhaupt einen Sitzungs-Termin zu bekommen, weil zurzeit in Altena alles Richtung Schützenfest und -Vorbereitung läuft.“

Was macht Christel Voßbeck-Kayser heute, acht Monate nach dem Verlust ihres CDU-Bundestagsmandats? „Bis zum 23. Oktober 2017 war ich offiziell noch im Amt. Dann habe ich mich sofort um einen Wiedereinstieg in meinen Beruf bemüht“, sagt die dreifache Mutter.

Zum 1. März 2018 wies ihr der Märkische Kreis, der vor ihrer vierjährigen Abgeordnetentätigkeit bereits 28 Jahre Arbeitgeber der diplomierten Sozialpädagogin war, eine neue Stelle zu. Wieder in Menden. Wieder in dem Haus Brückstraße 9, in dem sie für den sozialpysiatrischen Dienst gearbeitet hatte. Voßbeck-Kayser wirkt heute im Fachdienst 75 – der sogenannten Betreuungsstelle – und bearbeitet selbstständig das Gebiet der Stadt Hemer.

Vielfältig, interessant und abwechslungsreich sei das Aufgabengebiet. Zu ihm gehören sowohl die Betreuung und Beurteilung sowie Hilfestellungen für Suchtkranke, alte Menschen und psychiatrisch erkrankte Menschen. Immer dann, wenn Missstände auftreten, Familien, Polizei oder Nachbarn um Hilfe bitten, ist die Betreuungsstelle gefragt, inclusive einer engen Zusammenarbeit mit den Gerichten. Der Kreis wird gehört, dann wird entschieden, ob ein Berufsbetreuer oder etwa eine andere Vertrauensperson damit beauftragt werden, zu helfen.

"In der Politik gibt es Weggefährten, aber keine Freunde" - Christel Voßbeck-Kayser

Zieht Christel Voßbeck-Kayser, die erst 2001 CDU-Mitglied wurde, in der Politik eine Art Reißleine? „Nein“, sagt sie kurz. „Ich möchte mehr Zeit für meine Familie, Hobbys und vieles mehr haben. Das Arbeiten in der Politik war spannend und informativ. Es hat mir viel gegeben. Aber jetzt möchte ich mich zudem auf meinen Beruf konzentrieren und einmal ganz andere Dinge tun.“

2009 trat sie erstmals für den Bundestag an. 2013 und 2017 noch einmal. Jedes Mal scheiterte die Evingserin als Direktkandidatin denkbar knapp. 2013 zog sie über die Liste in den Bundestag ein.

Was ärgert sie heute am Politikbetrieb? „Der Bürger darf Ergebnisse erwarten, nicht immer nur Problembeschreibungen.“ Alles sei nach wie vor viel zu bürokratisch. Und: „Viel wird angekündigt, selten etwas umgesetzt. Das nenne ich Ankündigungspolitik. Die Medien lieben das aber offenbar.“

Nach wie vor hält sie den Einsatz für die Bezuschussung des Breitbandausbaus für ihren größten politischen Erfolg. Auch wenn sich später der Minister bei Dagmar Freitag, SPD, dafür entschuldigte, dass Voßbeck die Bewilligungsbescheide persönlich übergab. Kritik an der Iserlohnerin kommt ihr nicht über die Lippen. Kritik an Parteifreunden aus dem engeren und weiteren Umfeld (Stadt, Land und Bund) auch nicht.

"Problembeschreibungen liefern, aber keine Lösung. Wer will das?" - Christel Voßbeck-Kayser

Sie zieht nur die Schultern hoch, gestikuliert und lächelt irgendwie tapfer, als das Thema auf den CDU-Wahlverlierer Paul Ziemiak (JU-Vorsitzender aus Iserlohn), der in Herne nur 23,5 Prozent der Stimmen holte oder den langjährigen heimischen Weggefährten Thorsten Schick (MdL) kommt. Ziemiak bezeichnet sich heute selbst als MdB-Mandatsstatthalter in ihrem ehemaligen Wahlkreis. Sie sagt nur, sie sei mal gefragt worden, ob es wirklich von allen Stadtverbänden ihres Wahlkreises eine faire Unterstützung gegeben hätte. Was die Partei gegen die fulminante Erststimmen-Kampagne des FDP-Kandidaten getan habe oder warum sie ganz offenbar beim Kampf um einen besseren Listenplatz so wenig Rückenwind aus Südwestfalen verspürte. „Da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden...“ Christel Voßbeck-Kayser resümiert: „Es war eine tolle Zeit, alles in allem. Ich sage mal: Politiker einer Partei verbinden gemeinsame Ziele und Projekte. Mehr aber nicht.“

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