810 Schüler lernen Leben retten - Trauriger Hintergrund

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Die stabile Seitenlage ist ganz einfach. Die Schulsanis brachten sie gestern auch den Sechstklässlern des Burggymnasiums bei.

Altena – Alle 810 Schüler des Burggymnasiums lernen gerade das Leben retten. Das hat einen traurigen Hintergrund.

Bis heute Mittag sollen alle 810 Burggymnasiasten der Klassen fünf bis elf wissen, wie sie Menschenleben retten können. An zwei „Reanimationstagen“ bringen die Schulsanitäter ihnen stabile Seitenlage, Herzdruckmassage und künstliche Beatmung bei. Sie haben dazu sogar einen kleinen Lehrfilm gedreht. 

Menschen sterben, weil keiner helfen kann

Die Idee zu der Aktion hatten BGA-Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper und seine Kollegin Eva Sickinger. Beide sind nicht nur Lehrer, sondern auch ausgebildete Rettungsassistenten und unterstützen ehrenamtlich den Rettungsdienst in Dortmund. „Dabei erleben wir es leider immer wieder, dass Menschen sterben, weil ihnen keiner geholfen hat“, berichtet Holtkemper aus seinen Einsätzen. 

Dabei ist es doch so einfach: „Ihr müsst ihn ansprechen. Schüttelt ihn, wenn er nicht antwortet. Reagiert er auch darauf nicht, müsst ihr seine Atmung überprüfen.“ Ganz professionell erklärt Sara Melissa Vareskia auf der Bühne der Zentralen Raumgruppe den Schülern aus zwei sechsten Klassen, was sie tun müssen, wenn sie auf eine leblose Person treffen. Dann gibt es ein Video. Die Schulsanitäter haben es selbst gedreht, es zeigt die stabile Seitenlage.

Schulsanis zeigen großen Einsatz

„Es ist unglaublich beeindruckend, mit welchem Einsatz unsere Schulsanis sich hier engagieren“, sagt Sickinger. Die Jugendlichen seien sofort Feuer und Flamme gewesen, als die Schulleitung die Idee der Reanimationstage an sie herangetragen habe. 

Retten auf Syrisch: Schulsanitäter Michel spricht Arabisch und erklärt Mohamad, worum es geht.

Während der Fortbildungen, die Sickinger und Holtkemper regelmäßig für die Schulsanitäter anbieten, wurden Einzelheiten besprochen, gestern morgen ging es dann los. Immer zwei Klassen gleichzeitig werden in der Zentralen Raumgruppe eine Schulstunde lang in Erster Hilfe unterrichtet. Gut ein Dutzend Übungspuppen (Sickinger: „Ich habe die aus ganz Dortmund zusammengesammelt.“) liegen auf dem Boden, damit die Herzdruckmassage von allen Kindern geübt werden kann. 

Künstliche Beatmung light

Die künstliche Beatmung wird anschließend nur angedeutet. Ansonsten müsste jedes Mal die Maske der Puppen ausgewechselt und desinfiziert werden. „Das ist bei über 800 Schülern einfach nicht zu leisten“, sagt die Lehrerin und erklärt auch, dass die Herzdruckmassage ohnehin viel wichtiger sei. Man gehe heute davon aus, dass im Blut relativ lange genug Sauerstoff gebunden ist.

 „Mit der Herzdruckmassage wird dafür gesorgt, dass der dahin kommt, wo er gebraucht wird.“ „Die Arme müssen durch gedrückt sein.“ Die Schulsanitäter schauen den Sechstklässlern genau auf die Finger und korrigieren Fehler ihrer Mitschüler sofort. „Es ist schön, wie nett und freundlich es hier zugeht“, sagt die Lehrerin, die die Aktion begleitet. 

Retten auf Arabisch

Zu den Schulsanis gehört auch der syrischstämmige Michel, der auch als Dolmetscher gebraucht wird. Mohamad geht nämlich erst seit einigen Tagen in die Integrationsklasse des BGA und spricht kaum Deutsch. Michel erklärte ihm auf Arabisch, wie auch er im Notfall helfen kann.

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