145 Stufen bis zum Nordpol: Stadt der Treppenwege

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Die Treppe zum Nordpol hat 145 Stufen.

Altena –  145 Stufen sind es bis zum Nordpol, 32 Höhenmeter über den Zickzack. Die vielen Treppen- und Verbindungswege Altenas erzählen spannende Geschichten.

Früher hatten die Mädchen vom Breitenhagen stramme Waden und die Jungen auch. Das lag am Zickzack, der kürzesten Verbindung zur Innenstadt. Der Weg beginnt in Höhe des Hauses Südstraße 6 und schraubt sich dann hinauf zur Mozartstraße. 

Auf einer Länge von 220 Metern überwindet er 32 Höhenmeter. Das ist etwa die Höhe eines zehnstöckigen Hauses. Früher war viel los am Zickzack. Inzwischen ist er weniger stark frequentiert, viele fahren lieber mit Bus oder Auto zum Breitenhagen. Trotzdem spiele er noch eine Rolle, meint Volker Richter, der als Kind des Breitenhagens den Zickzack in seiner Jugend „sicher über 1000 Mal benutzt hat“. 

Der Zickzack ist knackig: 32 Höhenmeter auf 220 Metern Länge.

Weil der Weg nach wie vor ein ganz offizieller ist, muss er in Ordnung gehalten werden. Eine Aufgabe des Bauhofs und gerade im Winter nicht ganz einfach, weil der Verbindungsweg dann von Eis und Schnee freigehalten werden muss. Oben Treppen, unten Treppen und zwischendrin auch noch welche – mit Maschinen geht da nichts, Winterdienst am Zickzack ist reine Handarbeit. 

23 „Verbindungs- und Treppenwege“ sind auf einer noch mit Schreibmaschine geschriebenen Liste des Bauhofs aufgeführt. Die meisten Treppenwege gibt es in der Innenstadt. Für Dahle sind drei aufgeführt, für Evingsen zwei, für die Rahmede nur einer. Hinter jedem Weg ist handschriftlich vermerkt, ob dort Winterdienst anfällt oder nicht. 

Sechs Treppenwege müssen bei Schnee und Eis geräumt werden. Sicher könne man darüber nachdenken, ob das auf Dauer so bleiben müsse, räumt der Leiter des Bauhofs auch mit Blick auf den treppenreichsten Verbindungsweg der Stadt ein. Er führt zum sogenannten Nordpol: Genau 145 Treppenstufen muss überwinden, wer die Treppe zwischen Hembergstraße und Am Hartenstein benutzt. Auch dort wird geschoben und gestreut, wenn’s glatt ist – ein alles andere als beneidenswerter Job. 

Ein Ortstermin bringt an den Tag, dass das nicht alles ist, was den Bauhof an dieser Treppe auf Trab hält. Mehrere Stufen sind im Laufe der Jahre erneuert worden. Was bedeutet, dass zentnerschwere Betonfertigteile von Hand bewegt werden mussten. „Da muss man sich dann was überlegen, mit einer Sackkarre arbeiten oder so“, meint Richter und erinnert an die Sanierung von Wegen am Burgberg, mit der vor etwa zehn Jahren mehrere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes zwei Jahre lang beschäftigt waren. 

Auch an der Treppe zum Nordpol zeichnet sich Handlungsbedarf ab: Einige Stufen haben sich verschoben, die vorgeschriebene Tiefe von 26 Zentimetern – natürlich gibt es eine Treppen-Norm – wird deutlich unterschritten. Ein paar hundert Meter weiter, zwischen Grünem Weg und Gehegde, sieht es noch viel schlimmer aus: Dort sind die Stufen eines Verbindungsweges sogar gekippt. Dort herzugehen ist gefährlich. 

„In solchen Fällen muss man darüber nachdenken, ob ein solcher Weg noch benötigt wird“, räumt Richter ein. Das gilt umso mehr, als dass es in diesem Teil der Stadt ungewöhnlich viele Verbindungswege gibt. Dass sich die Stadt von einem ihrer Verbindungswege trennt, ist bisher eher selten. Vor vielen Jahren wurde eine Treppe zwischen Bahnhof- und Freiherr-vom-Stein-Straße aufgegeben. Sie war in einem schlechten Zustand. Es habe sich auch herausgestellt, dass sie wenig genutzt worden sei, erinnert sich Richter. 

Etwas anders war die Sachlage, als 2014 die Pilatustreppe zwischen Nettestraße und Kohlhagener Weg „eingezogen“ wurde, wie der Fachbegriff lautet. Einzelne Parzellen des Wegs befinden sich seit jeher im Eigentum angrenzender Firmen, durch deren Betriebsgebäude die Treppe tunnelartig führte. Diese Firmen meldeten jetzt Eigenbedarf an. Die Einziehung wurde daraufhin öffentlich bekannt gemacht. Drei Monate lang hatten Bürger Zeit, sich dagegen auszusprechen, was aber nicht passierte. Deshalb wurde die Treppe per Ratsbeschluss offiziell eingezogen.

Auf dem Papier ist sie damit verschwunden, in der Realität existiert sie noch. Das war auch gut so, als der Kohlhagener Weg im Jahr 2016 saniert wurde: Die Anwohner mussten in der Nette parken, die Pilatustreppe wurde plötzlich wieder wichtig. 

Die Pilatustreppe ist nicht der einzige Verbindungsweg mit Namen. „An der Stange“ heißt ein Weg in Evingsen, die Nonnengasse führt von St. Matthäus zum ehemaligen katholischen Krankenhaus, den Susenbergweg findet man am Burgberg, und die Abegunst verbindet die Lüdenscheider- mit der Bismarckstraße. 

Übrigens: Es gibt mehr Treppen und Verbindungswege als die 23 auf Volker Richters Liste. Die Treppenwege am Knerling sind nicht aufgeführt. Sie sind Sache der Baugesellschaft. Auch Burgweg und Nalshof fehlen, weil sie bebaute Grundstücke erschließen und damit einen anderen Status haben

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