Die Memeler Straße verschwindet

Zehn Mietshäuser werden bis 2020 komplett abgebrochen, anschließend kann die Memeler Straße in diesem Bereich ganz aufgegeben werden. Das Land fördert die bis 2020 vorgesehenen Abbrüche der Baugesellschaft mit 400000 Euro.

Altena - Schock für die Mieter an der Memeler Straße: Sie erfuhren am Donnerstag, dass bis 2020 alle Mehrfamilienhäuser an ihrer Straße verschwinden werden. „Wir haben dort die Chance eines echten Stadtrückbaus“, erklärte dazu Joachim Effertz, Vorstand der Altenaer Baugesellschaft (ABG).

Die Memeler Straße am Breitenhagen liegt direkt am Waldrand. Nach dem Abbruch sei es denkbar, die Grundstücke in Wald umzuwandeln und zumindest einen Teil der Straße zu „entwidmen“, sagte Effertz. Entsprechende Gespräche mit der Stadt seien geführt worden. Das würde Kosten für Winterdienst, Straßenbeleuchtung und Kanalunterhaltung sparen. Abbrüche, die die ABG in der Vergangenheit in Auftrag gab, hatten geringere Einspareffekte. So muss das Unternehmen zum Beispiel an den Baulücken an der Wilhelmstraße die Bürgersteige weiterhin schnee- und eisfrei halten.

Etwa die Hälfte der Wohnungen an der Memeler Straße steht bereits leer, so dass von den Abbrüchen etwa 30 Mietparteien betroffen sind – darunter auch einige, die schon Jahrzehnte dort wohnen wie zum Beispiel eine 95-Jährige, die von den Nachbarn liebevoll „Holzoma“ gerufen wird, weil ihre Wohnung noch mit Öfen geheizt wird. Das Holz dafür sammelt die Frau im Wald.

In solchen Fällen sei es natürlich schwierig, den Mietern gleichartigen Wohnraum anzubieten, sagte ABG-Kundenbetreuer Stefan Bartsch gestern: „Wir haben im Bestand keine Wohnungen mehr mit Ofenheizungen“. Grundsätzlich werde sich das Unternehmen aber bemühen, den Mieter so weit wie möglich entgegen zu kommen. Dazu würden in Kürze erste Gespräche geführt.

Die ABG reduziert ihren Wohnungsbestand seit Jahren - auch durch Abbrüche. Effertz spricht von einer „Marktbereinigung“, die durch den Einwohnerverlust erforderlich sei. In diesem Zusammenhang mussten dutzende von Mietern ausziehen. Dabei sei das Unternehmen natürlich behilflich, sagte Effertz: Es zahlt eine Umzugspauschale oder übernimmt, wenn gewünscht, die Kosten eines Umzugsunternehmens. Es habe in all den Jahren genau einmal eine gerichtliche Auseinandersetzung wegen einer solchen Kündigung gegeben – „und da haben wir Recht bekommen“.

Neben den zehn Häusern an der Memeler Straße werden in den nächsten vier Jahren am Breitenhagen, in der Nette und am Drescheider Berg zehn weitere abgerissen, insgesamt verschwinden über 100 Wohnungen. Effertz sprach von einer mittelfristigen Strategie zur Marktbereinigung: „Wir gehen davon aus, dass wir 2020 mit diesem Thema im Großen und Ganzen durch sind“.

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