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Totalschaden für 300.000 Euro: So kurios wird versucht, das Bankgebäude zu vermarkten

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Von: Thomas Krumm

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Das ehemalige Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße 32 wird nach der Zwangsversteigerung zum Verkauf angeboten.
Das ehemalige Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße 32 wird nach der Zwangsversteigerung zum Verkauf angeboten. © Krumm, Thomas

Wie schafft man es, einen Totalschaden zu verkaufen? Na klar, die Schwächen irgendwie positiv verkaufen. Das Bankgebäude in Altena wird kurios beworben.

Altena – Die Chancen für eine neue Nutzung oder den Abriss eines ehemaligen Bankgebäudes an der Lüdenscheider Straße stehen weiterhin äußerst schlecht. Derzeit wirbt das Immobilienunternehmen, das im Amtsgericht Altena den Zuschlag für das Gebäude bei 185.001 Euro bekommen hatte, auch auf dem Internet-Portal „Ebay Kleinanzeigen“ um Käufer.

Totalschaden für 300.000 Euro: Kurioser Vermarktungsversuch für Bankgebäude

Der Werbetext lockt Käufer ausgerechnet mit dem Hinweis auf einen wirtschaftlichen Totalschaden. Dieser soll – oh Wunder – zum Ausgangspunkt für das freudige Erwachen eines Erwerbers werden, der vor keiner Herausforderung zurückschreckt. Der Text in der Anzeige kommt etwas holprig daher: „Da es vermehrt aufkommt, dass sich Objekte angeschaut werden und dann gesagt wird: ‘Das ist aber in einem schlechten Zustand.’ Ja ist es, es ist ein Totalschaden. Gehen Sie einfach vom Schlechtesten aus und wenn es dann besser ist, können Sie sich freuen.“

Auf insgesamt 16
Auf insgesamt 16 © macht die Immobilien-Anzeige den komplett sanierungsbedürftigen Zustand des früheren Bankgebäudes an der Lüdenscheider Straße deutlich.

Dass die neuen Besitzer keinerlei Interesse an einer Entwicklung der Immobilie haben, machte schon eine erste Immobilien-Anzeige deutlich: Sie präsentierte das Angebot einer Staffelmiete, die von 99 Euro im ersten Monat in Hundert-Euro-Schritten auf 1000 Euro steigen sollte. Dem Mieter wurden alle Sanierungsarbeiten auferlegt, und zum Dank dafür sollte er ein Vorkaufsrecht für die Immobilie bekommen. Der Preis sollte bei 333 333 Euro liegen. Dazu wären astronomische Nebenkostenrechnungen gekommen – wenn Heizung und Versorgungsleitungen denn funktioniert hätten.

Davon kann auch in der neusten Ebay-Kleinanzeige natürlich nicht die Rede sein. Dort heißt es: „Ob dieses Objekt zu Wohnzwecken umgebaut werden kann, muss der Käufer selbstständig erfragen. Das Objekt bietet mit seiner Größe ein großes Potenzial und könnte für verschiedene Gewerbe geeignet sein. An sich wartet es nur auf einen Macher. Es muss alles erneuert werden. Das heißt, Wasser, Abwasser und Elektrik müssen neu verlegt und beantragt werden. Hier ist eine Komplettsanierung notwendig.“

So kurios wird versucht, das Bankgebäude in Altena zu vermarkten

16 Bilder aus den Räumen der ehemaligen Bank unterstreichen diese Einschätzung. Sie zeigen herumliegende Heizkörper, großflächig abblätternden Putz, rohe Ziegel, fehlende Türen, offen stehende Fenster und Türen auf der Hangseite. Flecken an den Wänden deuten auf Wasserschäden hin.

Immerhin scheinen die Geländer an den Treppenaufgängen noch weitgehend vorhanden zu sein. Auch ein Schachspiel auf einem auf 64 Felder begrenzten Fliesenmuster wäre möglich. Ein vergleichsweise interessantes Foto zeigt eine massive Metalltür: Dort befand sich vermutlich ein Tresor.

Der vom Amtsgericht beauftragte Gutachter hatte die Kosten für eine Komplettsanierung des Gebäudes auf rund 1,63 Millionen Euro geschätzt. Alles müsse erneuert werden: Heizung, Elektroinstallationen, Sanitäranlagen, Bodenbeläge, Maler- und Schreinerarbeiten, Fliesen, Trockenbau, Fenster und Türen.

Auch ein Abriss sei keine Option, errechnete er: Abrisskosten von 175.000 Euro stünde ein Grundstückswert von lediglich 54.400 Euro gegenüber. Das Mindestgebot lag im Amtsgericht deshalb bei einem Euro, für den sich ein Bieter bereits atemberaubende Herausforderungen gekauft hätte. Der aktuelle Preis – allerdings als Verhandlungsbasis deklariert – liegt übrigens bei 300.000 Euro.

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