Alexander Grass und Sebastian Resch bilden Flüchtlinge aus

Altena: Auszubildende im Handwerk zu finden ist sehr schwer

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Handwerksmeister Alexander Grass (Heizung-Sanitär-Klima) mit seinem neuen Auszubildenden Alpha Khalidu Ba aus Guinea hinten links. Maler-und Lackierermeister Sebastian Resch stellte bereits zum 1. August 2018 Adama Diakit als Azubi ein. (r.) Mit im Bild Geselle Markus Schäfer.

Altena - „Es gefällt mir gut, sehr gut!“, sagt noch in etwas gebrochenem Deutsch Alpha Khalidu Bah. Der 18-Jährige lebt seit drei Jahren in Altena und hat „endlich eine Perspektive“. Gas-, Wasser- sowie Installateur-Handwerksmeister Alexander Grass stellt den jungen Mann aus Guinea als neuen Auszubildenden zum 1. August 2018 ein.

Diesen Schritt hat Sebastian Resch vom alteingesessenen Familienbetrieb Paul Resch schon hinter sich. Der Maler- und Lackierermeister bildet bereits seit dem vergangenen August Adama Diakite zum Maler- und Lackierer aus. Der 19-jährige stammt, wie der künftige Grass-Azubi, aus Guinea in Afrika.

Wir kannten uns nicht

„Wir kannten uns nicht“, sagen die jungen Leute. „Wir sind uns erst hier, in Altena, begegnet.“ Über ein Frühstück, ausgerichtet von der Altenaer Baugesellschaft, ABG, an dem Sebastian Resch teilnahm, wurde der Kontakt zu seinem Lehrling geknüpft. Es folgte ein Praktikum über drei Monate und ein Jahrespraktikum. Erst dann konnte der Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden. Ähnlich die Hürden bei Grass. „Alpha geht zwar schon zur Berufsschule nach Lüdenscheid, ist aber erst kurz im Jahres-Praktikum. Die zweite, vom Gesetzgeber geforderte Zeit von einem zusätzlichen Jahrespraktikum hat er noch nicht um. Deshalb starten wir zum 1. August in die Ausbildung.“

Unglaubliche Hürden

Sowohl Resch als auch Grass beklagen „unglaubliche Hürden und Probleme“, vor die Handwerksmeister gestellt würden, sollten sie sich für die Ausbildung von Flüchtlingen entscheiden. „Wir bemängeln einfach, dass wir uns als Selbstständige mit wenig Zeit durch so viel Bürokratie kämpfen müssen.“ Grass und Resch nennen bespielhaft einige beteiligten Behörden wie die Agentur für Arbeit, das Sozialamt, Ausländeramt, den Märkischer Kreis, die Stadt und die eigene Handwerkskammer. Das sei ganz schön happig und nur wer wirklich dran bleibe, könne sich durch diesen Dschungel an Vorschriften kämpfen und sie bewältigen. Beide Handwerksmeister wünschten sich „eine Person, eine Institution, die Interessierte an die Hand nimmt und ihnen zeigt, wie so etwas geht. Das gibt es leider nicht.“ Und sie lenken den Blick auf Stammtischparolen, das doch kein Flüchtling wirklich arbeiten wolle und so weiter.

Motiviert und fleißig

Wer ihre Erfahrungen gemacht habe, wie motiviert die Männer seien, könne das nicht mittragen. Zudem sei es sehr, sehr schwer wenn nicht fast unmöglich, überhaupt Nachwuchs im Handwerk zu bekommen. Das Suchen nach Azubis gestalte sich schon seit Jahren als ausgesprochen schwierig. Da sei man froh, interessierte Männer gefunden zu haben. Und noch mit einem Vorurteil räumt Sebastian Resch auf: „Selbstverständlich bezahlen wir unsere Mitarbeiter aus der Firmenkasse. Da gibt es keine Zuschüsse oder öffentliche Mittel.“ Kurz nach seiner Stellungnahme in einer TV-Sendung zum Umbau des Mythos zur Begegnungsstätte wurde er diesbezüglich schon arg in den sozialen Medien angegangen. Der angehende Installateur und Klempner Alpha verbessert im Arbeitsalltag seine deutschen Sprachkenntnisse, die er in den Jahren seines Aufenthaltes in Altena erworben hat.

Sprachkenntnisse steigern

Und auch Adama, zwei Jahre vor Ort, sagt, „ich lerne täglich und gerne.“ Und wie werden die beiden Afrikaner am Ort oder im Kundenalltag aufgenommen? Beide lachen breit in die Kamera und sagen: „Die Leute sind nett, sehr nett. Es gibt keine Probleme.“ Grass und Resch möchten beide gut durch die Gesellen-Prüfungen bringen und freuen sich, dass sie auch im eigenen Firmen-Team Anschluss gefunden haben. Warum sich beide Männer aus Guinea ausgerechnet Deutschland als Zufluchtsort ausgesucht haben?

In Deutschland ist alles gut organisiert

Einer gibt an, vor der Diktatur in seiner Heimat geflohen zu sein. Der andere, seine Mutter habe ihm geraten, Deutschland, da könne er viel und gut lernen. Da sei immer alles bestens organisiert. Beide Azubis verstehen ihr Hiersein als „Chance, persönlich weiterzukommen“ und mit dem Salär eigener Arbeit gut zu leben.

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