„Die Drehscheibe“ interviewt Bürgermeister Hollstein und AK-Chef:

Aufgeregte Berichterstattung nach Angriff auf Hollstein

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Die Drehscheibe - von und für Lokalredaktionen gemacht.

Altena - Redakteure suchen den ständigen Themen-Austausch und nutzen natürlich auch Ideen-Plattformen. Eine Möglichkeit das zu tun ist das Periodikum „Die Drehscheibe“. Diese Fachzeitung „Aus Lokalredaktionen für Lokalredaktionen“ erscheint monatlich und wird von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, als Handreichung und Ideen-Börse interessierten Redaktionen zur Verfügung gestellt.

Stefan Wirner, Redaktionsleiter der Drehscheibe, entschied sich mit seinem Team, den Messerangriff vom 27. November 2017 auf Dr. Andreas Hollstein als besonderes lokales Thema zu thematisieren und befragte dazu neben dem Betroffenen auch AK-Redaktionsleiter Thomas Bender. Wirner in seinem Leitartikel: „...es kursierten jede Menge Verschwörungstheorien im Internet. Manch einer glaubte, der Angriff sei nur inszeniert worden.“ Unter der Überschrift „Medialer Tsunami in Altena“ kommt dann AK-Redaktionsleiter Thomas Bender ausführlich zu Wort. Sein Interview wird mit den Worten „...Das Altenaer Kreisblatt (AK) in Westfalen berichtete sachlich über den Angriff auf Hollstein - anders als manche überregionale Medien“ eingeleitet. Zuvor hatte Wirner schon in seinem Eingangsbeitrag zum Dossier „an die lieben Kolleginnen und Kollegen“, von reißerischer Berichterstattung überregionaler Medien gesprochen.

Unter dem Dossier „Verschwörungstheorien“ und „Medialer Tsunami in Altena“ interviewt „Die Drehscheibe“ AK-Lokalchef Thomas Bender.

Für den auf einer Seite ebenfalls in Interview-Form selbst zu Wort kommenden Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein ist es „die im Internet gewährleistete Anonymität, die vieles kaputtgemacht hat.“ Der Verwaltungschef beklagt in seiner Stellungnahme eine Verrohung unserer Streitkultur und einen allzu laxen Umgang mit der Wahrheit. „Wir verlieren eine Kultur des Respekts.“ AK-Lokalchef Thomas Bender beschriebt, wie er spät in der Nacht von dem Angriff erfuhr und wie es zur ersten, aktuellen Meldung im AK kam. Deutlich kritisiert der mehr als zwei Jahrzehnte Führungsverantwortung tragende Redakteur, die „aufgeregte Berichterstattung“ vieler überregionaler Medien. „Ich bin immer noch fassungslos über das, was da passiert ist.“ Hart geht der 1960 Geborene zum Beispiel mit dem Medium „Der Spiegel“ um, insbesondere der dortigen Berichterstattung auf Spiegel Online. Konkret nennt er die Schlagzeile „Angreifer rammt Bürgermeister Messer in den Hals.“ Bender: „Wenn ich das lese, muss ich davon ausgehen: Der Mann ist tot.“ Deutlich sagt der 58-Jährige im Interview aber natürlich auch, „....dass überhaupt nichts an dem Angriff relativiert werden soll, aber die mediale Berichterstattung darüber war schlecht.“ Bender rät, jegliche Aufgeregtheit bei der Berichterstattung über solche Vorfälle zu vermeiden.

Altenas Verwaltungchef selbst kommt ebenfalls ausführlich zu Wort und beklagt im Interview unter anderem „anonymisierten Hass im Internet.“

Und dies auch besonders unter dem Hintergrund, dass in zahlreichen Medien sehr schnell die Rede von einem rechtsextremen Hintergrund des Täters aufkam. „Bei allem, was wir heute über ihn wissen, bin ich sehr gespannt, ob sich diese These aufrechterhalten lässt.“ Die Entwicklung der Medien sieht Hollstein in seiner Meinungsäußerung übrigens sehr kritisch. „Schnell, pointiert und leicht verdaubar - das ist das, was heute zählt.“ Und doch gibt es auch einen deutlichen Seitenhieb, nämlich den, dass er am Tag nach dem Attentat bei TV-Talkerin Anne Will mit Alice Weidel von der AfD diskutiert habe. „Obwohl ich ja weiß, dass Teile ihrer Klientel diese Tat mindestens goutieren.“

www.drehscheibe.org

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