Grundschullehrer sind weiter Mangelware

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Auch in der Sporthalle zu Hause: Lehrer Edmund Lasarzik von der Grundschule Mühlendorf.

ALTENA - Weniger als zehn Prozent aller Grundschul-Pädagogen in Nordrhein-Westfalen sind Männer. Das besagt eine neue Statistik von Information und Technik NRW. Etwas höher liegt die Quote an der Grundschule Mühlendorf.

Dort unterrichten mit Schulleiter Wolfgang Wilbers, Frank Loska und Edmund Lasarzik gleich drei Herren. Diese erklärten im AK-Gespräch warum aus ihrer Sicht so wenige junge Männer an Grundschulen arbeiten wollen und warben aber auch für mehr Männer im Schulbereich.

„Mit kleinen Kindern, das kann ja jeder“, nennt Frank Loska (48) gleich zu Beginn des Gesprächs ein Vorurteil über den Beruf Grundschullehrer. Tom Slejfir (17), derzeit Praktikant an der Schule, widerlegt es direkt: „Auch ich habe mir das hier einfacher vorgestellt. Aber es ist sehr schwer sich zu behaupten.“

Neben bekannten Vorurteilen über den Lehrerberuf sehen Frank Loska und Edmund Lasarzik (60) vor allem fehlende Aufstiegschancen und das aus ihrer Sicht geringe Einstiegsgehalt als Blockade für junge Männer. „Wir konkurrieren mit Siemens oder Daimler“, überspitzt es Loska. Auch die Länge der Ausbildung könnte eine Rolle spielen, vermuten die beiden Pädagogen, denn auch ein Lehrer absolviert zwei Staatsexamen und steigt häufig erst mit dem 27. Lebensjahr nach Studium und Referendariat ins Berufsleben ein.

Für Edmund Lasarzik und Frank Loska spielten diese Dinge bei ihrer Berufswahl keine Rolle. Lasarzik wollte zunächst Elektro-Ingeniuer werden. „Das war aber nichts für mich“, weiß er heute und ist froh darüber noch den Beruf gewechselt zu haben. „Bei Lehrern habe ich gedacht: Das ist was Gutes.“ Lange Zeit war der 60-Jährige dann zunächst an einer Hauptschule beschäftigt, ehe nach einer Jobpause der Wechsel an die Grundschule im Mühlendorf folgte.

Bei Frank Loska lag die Berufswahl in der Familie. Die Mutter war Grundschullehrerin, der Vater unterrichte an einem Gymnasium und die Schwester an einer Hauptschule. „Da hatte ich eigentlich keine Wahl“, so Loska pragmatisch.

Beiden Lehrern ist trotz gestiegener Belastungen, die Liebe zu ihrem Beruf nicht abhanden gekommen. „Es gibt keine Kundschaft die so dankbar ist wie unsere“. sagt Loska. Lasarzik ergänzt, dass vor allem die Lebenswege ehemaliger Schüler für ein gutes Gefühl sorgen. „Wir gehen ja vier Jahre mit den Kindern mit“, so Lasarzik, „da legen wir ja auch eine Basis.“

Tom Slejfir will trotzdem kein Grundschullehrer werden. Der Waldorfschüler musste dieses Sozialpraktikum absolvieren. Trotzdem hat er viel dabei gelernt. „Ich musste mir zum Beispiel den Respekt der Kinder erarbeiten. Am Anfang war ich noch der Kumpeltyp“, erzählt Tom. Auch die Vorurteile über die vermeintlich leichte Arbeit der Lehrer haben sich für den Schüler relativiert: „Ich bin häufig total erschöpft nach Hause.“ Ein bißchen Stolz schwingt in seiner Stimme aber auch mit wenn er sagt: „Es ist schon toll, wenn man sein Wissen an die Kleinen weitergeben kann.“ Aus seiner Klasse will trotzdem nur ein einziger Schüler später mal Lehrer werden.

Zum Abschluss des Gesprächs gibt Lasarzik noch seinen Traum vom perfekten Unterricht an einer Grundschule preis: „Normalerweise müssten ein Mann und eine Frau eine Klasse gemeinsam unterrichten. Das wäre Gleichberechtigung und man könnte den Kindern die Parität der Geschlechter in der Gesellschaft näher bringen.“

von David Schröder

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