Uwe Kober 100 Tage im Amt

Im Rathaus schnell heimsich geworden

Uwe Kober Bürgermeister Altena
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Da muss man erstmal drauf kommen: So geht die Lampe an

Bürgermeister sein macht schlank: „In den ersten Tagen habe ich fünf Kilo abgenommen“, berichtet Uwe Kober (CDU), der seit dem 1. November und damit seit ziemlich genau 100 Tagen an der Spitze der Stadtverwaltung steht. Er habe anfangs einfach keine Zeit zum Essen gefunden, sagt er.

Altena - Vielleicht liegt es daran, dass auf dem Tisch der Besprechungsecke in seinem Amtszimmer neuerdings stets eine Etagere mit Süßigkeiten steht. Ansonsten hat sich dort nicht viel geändert, kann auch eigentlich nicht: „Selbst der Kronleuchter ist denkmalgeschützt und muss hängen bleiben“, erklärt Kober. Immerhin durfte er sich einen neuen Schreibtischstuhl zulegen und das eine oder andere neue Bild aufhängen – immer da, wo Amtsgänger Dr. Andreas Hollstein bei seinem Auszug Privates abgehängt und mitgenommen hat. Renoviert wurde nämlich nicht, bevor Kober sein Amt antrat. „Und dann sah es da, wo vorher Bilder hingen, halt komisch aus“, sagt der Neue.

Viel hat sich nicht verändert

Ansonsten hat Kober ein paar Familienbilder auf seinen Schreibtisch gestellt – auch ein altes, massives Teil. Den überdimensionalen Tagesabriss-Wandkalender hat hat er noch nicht aufgehängt, ein letzter Umzugskarton steht noch unausgepackt in einer Ecke des Büros. „Ich habe aber auch nicht unbedingt das Bedürfnis, hier etwas umzuräumen. Mir gefällt es“, sagt er. Nur eins stört ihn: Es zieht. Die schmuckvollen Fenster sind nur einfachverglast, auch das lässt sich wegen des Denkmalschutzes nicht so ohne weiteres ändern, was man natürlich gerade jetzt merkt. Deshalb sitzt Kober meistens mit Strickjacke an seinem Schreibtisch.

E-Mails zum Frühstück

Und das ab 8 Uhr morgens. Anfangs kam er früher, „aber dann habe ich gemerkt, dass es manche Leute nervös macht, wenn ich vor denen im Haus bin“. Immerhin hat er seine E-Mails schon am Frühstückstisch gelesen. Im Büro wartet dann zunächst die Post auf ihn: „Man wird von allen Seiten mit Informationen zugeworfen“, berichtet der neue Bürgermeister und zeigt auf Fachzeitschriften, die sich neben seinem Schreibtisch stapeln. Anfangs sei es für ihn nicht ganz einfach gewesen, alle Informationen zu sichten und dorthin weiterzuleiten, wo sie hin gehören. Seine Arbeitstage dauern bis 18 Uhr, manchmal auch länger. Und bisher sei keiner so gelaufen wie geplant: „Irgendetwas Unvorhergesehenes ist immer.“

Ohne Süßes geht es nicht

In solchen Fällen kann er auf sein Team bauen: „Ich bin hier wirklich herzlich aufgenommen worden“, lobt Kober. Das habe ihm den Start sehr erleichtert. Der hatte es in sich, auch wegen Corona. Der 1. November war ein Sonntag, der Montag darauf also Kobers erster Arbeitstag im neuen Amt. Der Corona-Krisenstab war der erste offizielle Termin, direkt daran anschließend tagte der Verwaltungsvorstand. Anfangs habe er die Leitung solcher Sitzungen oft Stefan Kemper überlassen, weil der als langjähriger stellvertretender Verwaltungschef vieles einfach besser wisse als er. Auch die Sache mit der Schreibtischleuchte ließ sich erst mit Kemper Hilfe klären. Design stand da vor Funktion, Kober fand den Schalter nicht. Kemper wusste schließlich, wie es geht.

Im Moment kaum repräsentative Pflichten

Der Bürgermeister ist nicht nur Verwaltungschef, sondern auch Repräsentant der Stadt. In dieser Funktion hat Kober gerade nicht viel zu tun. Persönliche Gratuation zur Goldhochzeit, mit Blumen im Gepäck zum 90. Geburtstag: Das fällt im Moment flach. Einerseits verschafft das dem Bürgermeister etwas mehr Luft, andererseits legt Kober aber auch Wert auf den persönlichen Kontakt zu Menschen. Deshalb bemüht er sich, jeden Donnerstag auf den Markt zu gehen, „das habe ich vor 20 Jahren schon so gehalten“, sagt er. Der Unterschied: Was früher in einer Viertelstunde erledigt war, dauert heute gerne dreimal so lange. Selbst beim Tanken werde er immer mal wieder angesprochen, erfahre so von großen und kleinen Problemen der Menschen.

Ich habe wirklich das Gefühl, dass man mir hier im Haus von Anfang eine Chance gegeben hat.

Uwe Kober

Nervt es nicht, wenn man so überhaupt kein Privatleben mehr hat? „Würde ich so denken, wäre ich auf diesem Posten definitiv der falsche Mann“, sagt Kober. Sicher gebe es Menschen, die schmerzfrei seien und ihn samstags um 21 Uhr anriefen – inzwischen habe er aber auch gelernt, auch mal nicht ans Handy zu gehen. Was ihn bisher am meisten freut? „Ich habe wirklich das Gefühl, dass man mir hier im Haus von Anfang eine Chance gegeben hat. Und das macht Spaß“, sagt Kober. Weniger schöne Dinge gebe es natürlich auch. „Sehr herausfordernd“ sei der coronabedingte Ausfall von zwei der drei Schichten bei den Hauptamtlichen der Feuer- und Rettungswache gewesen. Das Gute: „Da haben alle an einem Strang gezogen, um zu einer Lösung zu kommen.“ Dafür, dass neben der Wehr auch der komplette Verwaltungsvorstand in Quarantäne musste, macht der Bürgermeister sich selbst mitverantwortlich: Seitdem werde darauf geachtet, dass ein Gremium nie komplett tage, damit wenigstens einer nicht in Quarantäne müsse.

Hier ist im Rathaus der neue Platz für Andreas Hollstein.

Kober vermittelt nicht den Eindruck, im Schatten seines Vorgängers zu stehen. „Natürlich ist Andreas Hollstein hier noch in vielen Köpfen präsent“, weiß er. Das sei auch völlig normal, immerhin sei Hollstein 21 Jahre lang im Amt gewesen. „Alles, was hier ist, trägt seine Handschrift. Das wird auch immer so bleiben.“ Demnächst bekommt Hollstein auch wieder ein Plätzchen im Rathaus. Im Flur vor dem Bürgermeisterzimmer hängen Portraits sämtlicher Bürgermeister der Nachkriegsjahre. Hollstein wird neben Güner Topmann hängen. Kober: „Das Bild ist schon da, die Suche nach dem Rahmen läuft.“

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