Im alten Blau-Kreuz-Haus werden Fallschirme genäht

Bald werden in Altena Rettungsfallschirme genäht. Blick in die Fertigungshalle in Balve.

ALTENA - „Mein Beruf ist Schutzengel“, sagt Heinrich Mertens und lächelt. Und Unrecht hat der 55-Jährige damit nicht. Der neue Eigentümer des Hauses ,Am Roten Berge 8‘, früher Blaues Kreuz, stellt nämlich in seinem Unternehmen Luftfahrtgeräte her. Noch ist er damit im benachbarten Balve ansässig, doch nach dem Erwerb der Alt-Immobilie wird er schon bald in die Burgstadt umziehen.

Bis 1988 war der gebürtige Lendringser als Betriebsleiter bei einer Luftfahrtgeräte-Hersteller-Firma in Herdecke tätig. Als die Firma in Konkurs ging, hatte er zwar das Angebot, als Betriebsleiter in die Drahtindustrie zu gehen, entschied sich aber, beruflich auf eigenen Beinen zu stehen. „Ich habe den Bereich Fallschirmfertigung meiner alten Firma übernommen.“ Heute gibt sein Familienunternehmen etwa 15 Fachkräften Lohn und Brot und fertigt schwerpunktmäßig Rettungsgeräte und Zubehör für die Luftfahrt in Deutschland. „Wir liefern und entwickeln für unsere Kunden jede Art von Rettungs- und Sonderfallschirmen für zivile und militärische Einsatzzwecke.“ Dazu gehören Bojenabwurfschirme, Wettersonden und Modellrettungsgeräte. Hinzu kommen Außenlastträger (Spanngurte) für Hubschrauber, die bis zu 40 Tonnen Tragkraft haben. Mertens: „Wir bieten unserer Kundschaft auch eine Auswahl von Zubehör für den sicheren Betrieb eines Flugfeldes aus eigener Produktion. Dazu gehören Windsäcke und Seilfallschirme.“ Mit Ausnahme einiger weniger Ultraleichtrettungsgeräte bietet Heinrich Mertens heute die Wartung aller gängigen Rettungsfallschirme an.

Der gelernte Werkstoffprüfer, der bei R & G Schmöle in Menden in die Lehre ging, suchte schon lange Räume für die Produktion, die vor allen Dingen geräumig und sauber sein mussten. So kam er über Umwege nach Altena und wurde sich mit den Verantwortlichen vom Blauen Kreuz einig. Am Roten Berge muss der Unternehmer zwar noch das eine oder andere am Haus ausbessern, aber er ist sich sicher, dass seine Fachkräfte gut zurecht kommen.

Einher geht mit seinem Umzug die Schaffung von drei bis vier neuen Arbeitsplätzen für Frauen. „Auf Interessierte wartet alles, was mit Nähmaschinen möglich ist“, sagt Mertens und ermuntert ausdrücklich auch Ungelernte, sich zu bewerben und den Kontakt zu suchen. „Wir reparieren heute zum Beispiel Zelte, Sonnensegel, bauen Fockaufbauten für Segler und könnten auch Kleidung für das Mittelalter schneidern“, hat der 55-Jährige ganz konkrete Ideen im Kopf.

Die Rettungsfallschirme, die zum Beispiel jeder Segelflieger oder Ultraleichtflieger mitführen muss, bestehen aus Kunstfaser-Nylon und haben einen Durchmesser von sechs bis acht Metern. Bei nur sieben bis acht Kilogramm Gewicht haben sie ausgepackt eine Spannweite von etwa 45 bis 55 Quadratmetern.

„Wenn mal etwas passiert, muss unser Rettungsfallschirm noch funktionieren“, nennt Mertens das Credo seines Jobs. Und stolz fügt er an: „Bisher gab es noch kein Versagen unserer Geräte, was uns auch das Bundesamt für Flugunfalluntersuchung bestätigt.“

Nach Altena wird das Unternehmen im Herbst umziehen. „Dann können wir die Fertigung sofort anlaufen lassen“, blickt Mertens optimistisch nach vorn.

von Johannes Bonnekoh

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