Alten-a, der Platz am alten Gewässer

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Prof. Jürgen Udolph im Festsaal der Burg.

ALTENA - Es ist nichts mit „all zu nah“: Der bekannteste Namensforscher Deutschlands hat die Altena-Frage zur Chefsache gemacht und sich gut ein Jahr lang intensiv mit Herkunft und Bedeutung des Namens der Burgstadt befasst. Von Thomas Keim

Systematisch wie wahrscheinlich noch nie zuvor hat sich der Onomastiker, bis zu seinem Ruhestand einziger Inhaber eines deutschen Lehrstuhls für Namensforschung, mit den Altenas im Lande befasst. Mehr als 80 Beispiele hatte Udolph zusammengetragen. Etliche davon präsentierte und analysierte er am Mittwochabend bei einem Vortrag vor den Freunden der Burg im Festsaal auf der Wulfsegge. Bisher war man in der heimatkundlichen Literatur davon ausgegangen, dass Altena rund 30 Namensvettern hat. „Die Vorkommen in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland wurden aber vernachlässigt“, so Udolph. Wenn ein Namensforscher bei einer Ortsbezeichnung vor der Frage stehe, ob er einer Erklärung folgt, die auf der jetzt oder in jüngerer Zeit gesprochenen Sprache fußt, oder einer anderen Erklärung, die eben „nicht auf Anhieb erkennbar“ sei, „dann lehrt die Erfahrung in fast 100 Prozent der Fälle, dass der Ortsname aus der nicht auf Anhieb erkennbaren Grundform erklärt werden muss.“ Genau das sei auch bei Altena der Fall. Die populäre Deutung aus „all zu nah“ mit Bezug auf die Lage der Festung an der Grenze der Arnsberger oder Werler Grafen halte einer genauen Analyse nicht stand. Die Burg scheide also als Namensgeber aus. „Entschuldigung, liebe Burg“, sagte Udolph. Niederländische Einflüsse seien ebenfalls zu vernachlässigen, ebenso wie die Vermutung, dass ein Familienname zugrunde liege. „Familiennamen sind Ableitungen von Ortsnamen, nicht umgekehrt“, sagte Udolph. „Auch Erklärungsversuche aus vorgermanischen Relikten scheitern“, sagte Udolph mit Blick auf Streuung der Namen. Auffällig sei weiter, dass Orts- und Gewässernamen aus einer Verbindung mit alt/ald und dem germanischen „aha“ für Wasser oder Fluss genau dort fehlen, wo Altena und Altona vorherrschen.

Belege wie „to der Altena“ wiesen dagegen den richtigen Weg, sagte Udolph. „Sie können am sinnvollsten aus der Wendung ‚to der alten A‘ erklärt werden“. Das bedeute nichts anderes als „am alten Fluss oder am alten Bach.“ Damit werde auch klar, dass die Altena/Altona-Namen keine Gewässernamen seien. „Aber sie verlangen nach einem Gewässer.“ Dabei müsse man wissen, dass „a(a)“ ebenso ein feuchtes Land oder Sumpfland bezeichnen könne. Der Name Altena beschreibe also einen „Platz am alten Gewässer“. Ob hier die Lenne Pate stand oder aber die Nette, sei eine Frage, die künftige Heimatforschung beantworten müsse.

In den anderen Interpretationen begegne man einer „volksetymologischen Umdeutung“. „Die hochdeutschen Sprecher glaubten nur, dass ein niederdeutsches ‚al to na‘ vorliege. Das sei in etwa so, als wolle man in Berlin einen Bären als Namensgeber erkennen.

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