Alte KAE-Triebwagen bei Harzer Schmalspurbahn

Daran können sich nur noch Altenaer im Rentenalter erinnern: VT 1 und VT 2 gehörten einst der KAE. Jetzt gehören sie der Harzer Schmalspurbahn, die sie generalüberholen ließ.

Altena - 60 Jahre sind ein stolzes Alter – auch für einen Zug. VT 1 und VT 2 allerdings sehen aus wie neu: 60 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme durch die Kreis Altenaer Eisenbahn (KAE) hat die Harzer Schmalspurbahn als jetziger Eigentümer ihnen eine Frischzellenkur gegönnt.

Die beiden Triebwagen waren die letzte größere Anschaffung der KAE. Sie wurden 1955 bei Talbot in Aachen gebaut und fuhren bis 1961 zwischen Altena und Lüdenscheid. Dann stellte die KAE den Personenverkehr auf der Schiene ein, die beiden Triebwagen wurden verkauft. Die eine ging nach Langeoog, die andere wurde zunächst von der Inselbahn Juist erworben, wechselte dann aber später auch nach Langeoog.

Das dürfte wohl der Grund dafür sein, dass die beiden rot-gelben Triebwagen im Harz auch als „Fischstäbchen“ bekannt sind. Dorthin kamen sie im Jahr 1995, weil die Harzer Schmalspurbahn (HSB) sie zusammen mit einem dritten Triebwagen der Inselbahn erworben hatte.

Die HSB war da gerade mal zwei Jahre alt. Sie wurde 1993 von Städten und Kreisen im Harz gegründet, um das recht weit verzweigte Schmalspurnetz der ehemaligen (DDR)-Reichsbahn zu übernehmen und den Betrieb darauf aufrecht zu erhalten. Zunächst war geplant, dafür auch eine Reihe neuer Fahrzeuge anzuschaffen, einige wurden tatsächlich auch gekauft. Nach und nach stellte sich dann aber heraus, dass die bei der HSB vorhandenen historischen Fahrzeuge ein Pfund sind, mit dem das Unternehmen wuchern kann.

„Wir sind keine Museumsbahn.“ Das stellt Dirk Bahnsen, Leiter der Unternehmenskommunikation, klar. Tatsächlich hat die HSB zwei wichtige Aufgaben: Im thüringischen Teil des Streckennetzes übernimmt sie (wie in Altena der Abellio) den schienengebundenen Personennahverkehr und erhält dafür entsprechende Landeszuschüsse. In Sachsen-Anhalt fährt sie im „touristischen Nahverkehr“. Dabei anfallende Verluste übernimmt das Land.

Bekannteste Touristik-Linie der HSB ist die Brockenbahn, auf der sich mehrmals täglich von Dampfloks gezogene Züge fast bis auf den Gipfel des höchsten Berges im Harz quälen.

260 Menschen arbeiten bei der HSB, sie befördert pro Jahr rund 1,2 Mio. Fahrgäste. Gut die Hälfte davon nutzt die Brockenbahn, die damit einen ordentlichen Ertrag abwirft: Der Normaltarif beträgt dort 35 Euro – man kann aber auch für 3500 Euro einen Sonderzug buchen.

Der Nostalgie-Flair sei eine wichtige Säule des Geschäftsmodells der HSB, erklärt Bahnsen. Deshalb werden die beiden Fahrzeuge der KAE, die zunächst eher als Übergangslösung gedacht waren, jetzt auf Dauer auf dem gut 140 Kilometer langen Streckennetz im Harz eingesetzt. Ein zweiter Grund: Züge für die so genannte „Meterspur“ werden so gut wie gar nicht mehr gebaut. „Neue Fahrzeuge sind deshalb viel zu teuer“, heißt es seitens des Unternehmens.

Es gab also gute Gründe dafür, dass VT1 und VT2 zwei Jahre lang aufgearbeitet wurden. „Generalreparatur“ nennt das die HSB in einer Pressemitteilung, aber das ist tiefgestapelt: Die beiden Triebwagen kehrten sozusagen runderneuert in den Harz zurück.

Bei den Fahrzeugwerken Miraustraße GmbH (FWM) in Hennigsdorf bei Berlin erhielten beide Triebwagen vollständig neue Antriebsanlagen. Dabei wurde der bisherige Deutz- gegen einen neuen MAN-Motor ausgetauscht sowie ein hydraulisches Voith-Getriebe eingebaut, das das verschlissene Originalgetriebe der Triebwagen ersetzt. Die Optik der fast 60 Jahre alten Triebwagen blieb erhalten, auch im Innenraum präsentieren sich beide Fahrzeuge nach wie vor im historischen, aber aufgearbeiteten Zustand mit den originalen Holzschalensitzen.

Von Thomas Bender

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