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Als nur eine von 18 Frauen in der Katholischen Kirche: Sandra Schnell darf das Sakrament der Taufe spenden

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Von: Fabienne Schwarzer

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Premiere in der Katholischen Pfarrei St. Matthäus in Altena: Mit Sandra Schnell führte erstmals eine Frau die Taufe durch. Die heimische Pfarrbeauftragte hat seit Mitte März die Befähigung dazu.
Premiere in der Katholischen Pfarrei St. Matthäus in Altena: Mit Sandra Schnell führte erstmals eine Frau die Taufe durch. Die heimische Pfarrbeauftragte hat seit Mitte März die Befähigung dazu. © Schwarzer, Fabienne

Für Sandra Schnell war am Samstag ein ganz besonderer Tag. Die Pfarrbeauftragte der Pfarrei St. Matthäus ist nämlich eine von derzeit nur 17 Frauen in Deutschland, der es in der Katholischen Kirche erlaubt ist, Taufen durchzuführen. Ihr erstes Mal hatte Schnell nun am Wochenende.

Dass sie als eine von wenigen Frauen in der Katholischen Kirche eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen bekommt, war jedoch bekanntlich keine Premiere. Schließlich ist Schnell auch die erste Frau in der Pfarrleitung des Bistums Essen.

Von Nervosität oder Aufregung war deshalb bei Sandra Schnell auch keine Spur. An dem stetigen Lächeln in ihrem Gesicht war aber zu erkennen, dass diese Taufe ein bedeutsamer Moment für sie war. Denn bis vor Kurzem durften in der Katholischen Kirche nur Priester und Diakone taufen. Doch im Bistum Essen, zu dem auch die Pfarrei St. Matthäus gehört, gibt es – wie in vielen anderen Bistümern auch – ein Problem: Es fehlen schlicht Priester und Diakone, um den Bedarf an Taufen und anderen kirchlichen Aufgaben decken zu können. So wird die Pfarrei von Schnell als der Pfarrbeauftragten geleitet, dabei erhält sie Unterstützung von Johannes Broxtermann als moderierendem Priester.

Viertägige Fortbildung besucht

Deshalb beauftragte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck Mitte März in einem feierlichen Gottesdienst im Essener Dom neben Schnell noch 17 weitere Pastoral- und Gemeindereferenten, die wichtige Aufgabe der Taufe in ihren Pfarreien zu übernehmen. In einer eigens konzipierten viertägigen Fortbildung hatten sich die 18 Seelsorge-Profis zuvor noch einmal speziell mit Theorie und Praxis der Taufe beschäftigt. Für die neuen Taufspender ist ihr Amt zunächst zeitlich befristet auf drei Jahre. Das heimische Bistum Essen ist in Deutschland momentan noch das einzige, in dem nun auch nicht geweihte Personen das Sakrament der Taufe spenden können.

Am Samstag nun war es so weit. Sandra Schnell führte ihre erste Taufe in der Altenaer Kirche St. Matthäus durch. „Für mich ist das natürlich toll. Ich habe mich total gefreut, dass das jetzt möglich ist”, sagte Schnell freudestrahlend. Noch vor einem Jahr sei daran nicht zu denken gewesen, da das Taufen ein rein priesterlicher Dienst gewesen ist. Und bekanntlich sperrt sich die Katholische Kirche weiterhin gegen Frauen im Priesteramt.

Kinder mit in die Prozedur

Valentin Alexander Neufeld war das einjährige Kind, das Schnell am Samstag taufte. Die Freude darüber, dass sie dazu nun befugt ist, stand ihr ins Gesicht geschrieben. Auch die als Taufgäste anwesenden weiteren Kinder hatten Spaß an dem Ereignis, denn die Pfarrbeauftragte band die Kinder stets mit in die Prozedur ein. Sie stellte zu Beginn eine kleine Jesusfigur auf und gab jedem Kind eine Kinderfigur, die sie dann nach und nach zu der Jesusfigur stellte. „Seht ihr? So nah seid ihr Jesus”, sagte sie zu den Kleinen.

Während der Taufe kam mit Christiane Frebel auch ein Mitglied des Pfarrgemeinderates in die St.-Matthäus-Kirche. Frebel hatte ein Geschenk für Valentin Alexander dabei. Bei dem kleinen Jungen sorgte das Kuscheltier für große Freude.

Weitere Termine nach den Sommerferien

Nach ihrer Premieren-Taufe am Wochenende resümierte Sandra Schnell: „Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Die nächsten Taufen können kommen.” Und diese sind auch schon fest für die Zeit nach den Sommerferien terminiert.

In St. Matthäus wurde Anfang April 2021 Geschichte geschrieben

Die Pfarrei St. Matthäus hat im Frühjahr 2021 Geschichte geschrieben: Mit Sandra Schnell steht seit dem 6. April erstmals seit Gründung des Bistums Essen nach dem Ausscheiden von Pfarrer Ulrich Schmalenbach eine Frau an der Spitze einer katholischen Kirchengemeinde. Schnell ist seitdem für die Katholiken in Altena und Nachrodt zuständig. Zuvor war sie als Gemeindereferentin in Hagen tätig. Unterstützt wird sie vom Lüdenscheider Pastor Johannes Broxtermann, der ihr als „moderierender Priester“ zur Seite steht. Broxtermann genießt in Altena einen guten Ruf: Bis 1989 war er Pfarrer in der damaligen Gemeinde St. Thomas Morus. Dann wechselte er nach Lüdenscheid, wo er bis heute wohnt.

Pfarrbeauftragte hatte es zuvor im Bistum Essen noch nicht gegeben – und schon gar keine Frau an der Spitze einer Gemeinde. Mit Leitungsfunktionen in der katholischen Kirche hat Schnell aber durchaus Erfahrung: In mehr als 16 Jahren in der Pfarrei Christus-König im Großraum Halver hat sie auch seelsorgerisch gearbeitet, und zwar in der Gemeinde Herz-Jesu in Hagen-Dahl.

„Alternatives Leitungsmodell“ nennt sich das, was Schnell und Broxtermann in St. Matthäus seit Anfang April praktizieren. Als Pfarrbeauftragte hat Schnell die Verantwortung für die Organisation der Kirchengemeinde. Ihr obliegt auch die Finanz- und Personalverantwortung. Als Gemeindereferentin hat Sandra Schnell aber auch eine theologische Ausbildung und darf mit der Gemeinde Wortgottesdienste feiern oder Beerdigungsfeiern leiten – und seit einigen Wochen nun auch das Sakrament der Taufe spenden. Pastor Johannes Broxtermann als „moderierender Priester“ unterstützt die Pfarrbeauftragte und übernimmt die kirchenrechtlich notwendigen Aufgaben. Darüber hinaus feiern Broxtermann und weitere Priester aus dem Kreisdekanat und dem Ruhrbistum die Eucharistiefeiern und die weiteren Sakramente. Das bleibt bei den Katholiken – mit Ausnahme der Taufe – auch weiterhin Männern vorbehalten.

Die Entscheidung, mit Schnell eine Frau an die Spitze der Pfarrei zu berufen, geht auf das neue Pfarreileitungskonzept des Bistums Essen zurück, das für das Ruhrbistum und 42 Pfarreien angesichts des herrschenden Priestermangels Alternativen zum bisherigen Vorgehen beschreibt. Die Gesamtleitung einer Pfarrei muss danach nicht mehr zwingend durch einen Pfarrer erfolgen.

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