„Als Bufdi bin ich ein Alien“

+
Franziska Goseberg beim Dienst in der Bücherei. Umgeben von vielen Büchern fühlt sich die 19-Jährige besonders wohl.

Altena -  Das wird ein ganz entscheidendes, ein prägendes Jahr für mich“, sagt Franziska Goseberg. Die 19-Jährige aus Dahle leistet für ein Jahr Bundesfreiwilligendienst – in einem Bereich, wo die „Bufdis“ sicherlich nicht überrepräsentiert sind.

Franziska Goseberg stellt ihre Arbeitskraft der Stadtbücherei an der Marktstraße zur Verfügung, greift dem Team von Antonius Gusik unter die Arme: Dazu zählt beispielsweise, neue Bücher mit einer Signatur zu versehen und in den Bestand einzuordnen – „das ist zum Beispiel in der Sachbuchabteilung richtig kompliziert“ oder auch mal den Thekendienst zu versehen. „Wenn hier Not am Mann ist, mache ich das auch“, sagt die 19-Jährige.

Seit Anfang September gehört die Dahlerin zum Bücherei-Team. Was auch immer zu den Tätigkeiten an der Marktstraße gehört, eines ist es nicht: Lesen. Jedenfalls nicht im Sinne von Konsum oder Genuss von Literatur, obwohl das ganze Haus davon voll steht. „Manche Bekannte oder Freunde meinen, dass ich hier jetzt den ganzen Tag lesen würde – das ist natürlich total falsch“, merkt die Freiwillige mit einem Lächeln an. Nein, sie wollte mal „etwas anderes als Schule“ machen, als mit dem Abitur für sie noch nicht ganz klar war, wohin der künftige Weg gehen sollte – „einen Vollzeitjob“. 39 Stunden in der Woche arbeitet die 19-Jährige seit September – eine selbst gewählte Verpflichtung gegen ein Taschengeld.

Um die 80 junge Frauen und Männer haben mit ihr 2014 an der Bismarckstraße die Hochschulreife erworben. „Vielleicht fünf“, schätzt sie, haben sich danach für den Bundesfreiwilligendienst, umgangssprachlich „Bufdi“, entschieden. Für die Bufdis gibt es regelmäßige tätigkeitsbegleitende Seminare zu Themen wie Politik oder Sozialkompetenz, die in Wetzlar stattfinden. Beim Zusammentreffen mit den Gleichgesinnten sieht die junge Frau dann, dass die meisten Bundesfreiwilligen in ganz anderen Fachrichtungen tätig sind. „Da bin ich der Alien.“

Franzisa Goseberg hatte ihre Bewerbung für das Freiwilligenjahr schon im November 2013 vorausschauend bei der Stadtverwaltung eingereicht.

Für die junge Dahlerin lag das letzlich nahe, denn seit der Grundschulklasse 2 ist sie „Stammkundin“ in der Stadtbücherei. Entsprechend entwickelten sich ihre leserischen Präferenzen von Kinderbüchern über Fantasyromane hin zu Krimis. Ihr Lieblingsautor heißt Terry Hatchet. Seine Bücher liest die Dahlerin auch gerne mal im englischen Original.

Von Thomas Keim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare