Gewalt gegen Frauen ist Alltag - auch in Altena

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– Alltag auch in Altena. - Foto: dpa

Altena - Von wegen, in Altena ist die Welt noch in Ordnung! 23 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt, 36 Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt und sieben Wohnungsverweise hatte die Polizei im vergangenen Jahr zu bearbeiten. Da ist es eher ein geringer Trost, dass die Zahlen des Vorjahres mit 43 Anzeigen, 57 Straftaten und 13 Hausverweisen noch deutlich höher lagen.

Hier finden Betroffene Hilfe:

Die sogenannte bundesweite BIG-Hotline ist täglich rund um die Uhr erreichbar. Tel.: 0306110300 oder www.big-hotline.de

Betroffene Frauen können sich vor Ort auch an den Caritas-Verband wenden. Soforthilfe unter Tel.: 02352/919320 mit Vermittlung in die Frauenhäuser nach Hagen oder Iserlohn.Freie Platzabfrage von Frauenhausplätzen gibt es unter: www.frauen-info-netz.de/

Andreas Schober, Chef der Wache, erläutert: Von Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt spreche man schon dann, wenn es zu Sachbeschädigungen komme. Etwa durch das Werfen von Gegenständen. Dahinter müsse aber die Absicht stehen, eine Person zu treffen und damit verletzten zu wollen.

Sehr genau nehme es die Polizei, wenn ein „Rückkehrverbot“, also ein Wohnungsverweis, ausgesprochen werde. „Dann muss der Wohnungsschlüssel abgegeben werden.“ Der Mann dürfe sich der Frau auf bis zu zehn Tage nicht nähern.

Gewalt gegen Frauen oder in der Familie: Leider ist das auch für das Amtsgericht oft „Tagesgeschäft“. Wie der Fall eines 43-Jährigen belegt, der jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt wurde. Der Vorwurf: Gewalt gegen Frau und Kind. Am 1. September schlug ein 43-Jähriger in Altena seiner Ehefrau mit der Faust ins Gesicht und würgte sie am Hals – schmerzhafte Kratzer und Rötungen waren die Folge. Als eine der Töchter der Mutter zu Hilfe eilte, schlug der 43-Jährige auch sie. Nachdem der Angeklagte im bisherigen Ermittlungsverfahren wenig Neigung gezeigt hatte, diese Übergriffe zu gestehen, bestätigte er seine Schläge nun: „Ich habe mir das überlegt. Wie das war, will ich das akzeptieren.“

Dass der Angeklagte Nasenbluten hatte, als die Polizei in der Wohnung auftauchte, deutete darauf hin, dass das Kampfgetümmel nicht ganz einseitig war. „Einen Teil der Strafe hat er vor Ort gekriegt, weil sich seine Frau und seine Tochter vehement zur Wehr gesetzt haben“, stellte Staatsanwalt Nils Warmbold fest. Seinem Antrag folgend verurteilte Richter Dirk Reckschmidt den Angeklagten zu 30 Tagessätzen zu je 20 Euro, was der 43-Jährige sofort akzeptierte. Mittlerweile wohnt er nicht mehr bei seiner Familie.

Immer wieder werden Anzeigen zurückgezogen

Immer wieder erleben Polizei und Gerichte, dass von Gewalt Betroffene ihre Anzeige zurückziehen oder dem Schläger verzeihen. Das war jetzt auch Thema einer weiteren Verhandlung vor dem Amtsgericht, als sich ein 31-jähriger Altenaer wegen einer Attacke gegen seine Freundin verantworten musste: „Ich habe ihr keine geklatscht“, versicherte der Angeklagte. Dafür habe er sogar einen Zeugen. Die Geschädigte erinnerte sich an das Geschehen ganz anders: „Ich habe plötzlich einen Schlag von ihm gekriegt.“

Die Folgen hielten sich mit einer geröteten Wange allerdings in Grenzen, was auch die Zeugin so sah: „Er ist kein schlechter Mensch. Er hat eine Chance verdient“, sagte sie und zeigte kein Interesse an einer weiteren Strafverfolgung des 31-Jährigen. Die Anzeige habe sie aus einem eher spontanen Impuls heraus gestellt - aus ihrer Sicht war das nur konsequent: In ihrer ersten Beziehung habe sie schon unter der Gewalt ihres Partners gelitten. Deshalb sei sie nicht geneigt gewesen, gewalttätige Übergriffe des 31-Jährigen in irgendeiner Weise zu akzeptieren. Die Trennung war dem aktenkundig gewordenen Schlag allerdings schon vorangegangen. Richter Dirk Reckschmidt stellte das Strafverfahren ein, und Staatsanwalt Nils Warmbold stimmte zu. Betroffenen sei geraten, Hilfe anzunehmen und immer die Polizei einzuschalten.

- von Kristina Koller und Thomas Krumm

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