Alles andere alsein Einzelfall

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Das einstmals schmucke Gebäude der Commerzbank an der Lüdenscheider Straße. ▪

ALTENA ▪ Der Schwarzenstein-Komplex und die Hochhäuser auf dem Nettenscheid – das fällt dem Altenaer als erstes ein, wenn es um das Thema Schrott-immobilien geht. Nur: Das sind keine Einzelfälle, das Problem nimmt an Dramatik spürbar zu.

Beispiel Sirius: Dieser Verein nutzte bis 2006 die ehemalige Jugendherberge am Linscheider Bach als Therapiezentrum, dann ging er pleite. Seitdem steht die Immobilie leer, der Verfall ist deutlich sichtbar – inzwischen fehlen sämtliche Wasserleitungen und Heizungen, weil Metalldiebe zugeschlagen haben.

„Wir haben für diese Immobilie keinen Ansprechpartner“, berichtet Uwe Krischer. Aufs Grundbuch sei in diesem Fall kein Verlass, dort werde noch der längst abgewickelte Verein als Eigentümer geführt. So etwas sei gar nicht so selten, berichtet der zuständige Bereichsleiter des Bauamtes: „Wir finden auch schon mal Einträge, wonach ein Haus jemandem gehören soll, der 1870 oder so geboren ist“.

Eine tragische Geschichte erzählt ein kleines, abbruchreifes Haus an der Bachstraße – „nach Hinweisen von Nachbarn haben wir dort die Leiche des letzten Bewohners gefunden“, erinnert sich Klaus Peter Trappe. Der Leiter des Ordnungsamtes bestätigt, dass solche Fälle zunehmen – allein 2012 habe es fünf Fälle gegeben.

„Es gibt immer mehr Alleinstehende, die keine Erben haben“, berichtet er. In solchen Fällen ist die Sache klar: Es erbt das Land, die Bezirksregierung muss sich um diese Häuser kümmern. Ausschlagen kann sie dieses Erbe nicht.

Wieder anders sieht es aus, wenn Gebäude plötzlich „herrenlos“ werden. Als er vor 30 Jahren die Amtsgeschäfte seines Vorgängers übernommen habe, sei das theoretisch zwar möglich, praktisch aber nie der Fall gewesen, erinnert sich Uwe Krischer: „Es verzichtet doch keiner auf ein Grundstück, hat es damals geheißen“. Seit etwa fünf Jahren nähme die Zahl solcher Fälle aber deutlich zu. Auch dabei wird die Bezirksregierung tätig: Das Land kann diese Immobilien übernehmen, muss das aber nicht tun. In letzter Zeit werde die Bezirksregierung immer wählerischer, beobachtet der Bereichsleiter der Stadt. Ergebnis: Es gibt inzwischen im Stadtgebiet eine nennenswerte Anzahl von Häusern, die tatsächlich keinen Besitzer haben. Hier hat die Stadt den Schwarzen Peter, sie muss dafür sorgen, dass von diesen Gebäuden keine Gefahr ausgeht.

Praktisch umsetzen müssen das Roland Balkenhol und die anderen Mitarbeiter der Bauaufsicht – sie haben ein Auge auf alle fragwürdigen Immobilien. Auf Schönheit kommt es dabei nicht an, nur auf die Sicherheit. Für den Sirius-Komplex gelten deshalb ganz andere Maßstäbe als für eine alte, abbruchreife Fabrik am Breitenhagener Weg. Die steht direkt an der Straße, herabfallende Steine würden Fußgänger und Autofahrer gefährden. Deshalb wird die Stadt in solchen Fällen notfalls auch per „Ersatzvornahme“ tätig. Das bedeutet: Wenn es noch einen Eigentümer gibt, der aber der Aufforderung zur Schadensabwehr nicht nachkommt, dann lässt die Stadt das erledigen. Vor Jahren hat sie an der Grabenstraße aus genau diesem Grund ein Haus sogar komplett abreißen lassen. ▪ ben.-

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