Auf „Zeitfresser“ verzichten

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Die Dahlerin Alexandra Kaemper verzichtete freiwillig in der Fastenzeit auf Facebook. ▪

ALTENA ▪ Jederzeit, immer und überall erreichbar sein, Handy, Facebook, Twitter – die heutige Generation kann sich ein Leben ohne ständige Verbindung mit den sozialen Netzwerken nicht mehr vorstellen. Falsch! Es gibt durchaus junge Menschen, die bewusst auf diese „Zeitfresser“ verzichten.

Alexandra Kaemper aus Dahle gehört dazu. Die Schülerin des BGA, die zur Zeit ihr Abitur macht, hat sich entschlossen, während der Fastenzeit komplett auf Facebook zu verzichten. Von Aschermittwoch bis Ostermontag ist sie nicht über ihr Profil zu erreichen, sondern nur über Handy oder „konventionelle“ E-Mails.

Was bewegt einen jungen Menschen zu diesem Verzicht? „Der Gedanke des Fastens ist ja, etwas aufzugeben, was einem wichtig ist. Deshalb verzichte ich auf Facebook. Ich möchte die gewonnene Zeit im Zustand bewusster Abwesenheit anders, sinnvoller nutzen“, erklärt die engagierte Christin. „Ich kann mich viel bewusster wieder auf Gott und meinen Glauben konzentrieren, finde wieder Zeit für die Bibellese.“ Ein Verzicht auf Schokolade oder andere Lebensmittel kam für sie nicht in Frage. „Da wird das Fasten ja nur vorgeschoben, eigentlich handelt sich ja um eine Diät.“

Die Zeit optimal nutzen, das bedeutet für Alexandra auch, sich möglichst intensiv auf die bevorstehenden Abiturprüfungen vorzubereiten. „Der Nachteil des Facebook-Fastens ist, dass ich in der stressigen Zeit der Vorabi-Klausuren einige Informationen nicht mitbekommen habe. Es wird ja eine Menge auf Facebook gepostet von unserer Stufe. Ich musste sehen, dass ich alle Handouts bekomme, über alle Termine informiert werde. Dabei konnte ich aber selektieren, was wirklich wichtig ist. Andrerseits ist aber auch die ganze Panik vor den Klausuren an mir vorbei gegangen, das war ein positiver Nebeneffekt“ berichtet die junge Frau.

Bereits vor zwei Jahren hat Alexandra in der Fastenzeit auf Schminke verzichtet: „Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich so viel Zeit mit unwichtigen Dingen vertan habe. Ich habe mich ungeschminkt nicht mehr aus dem Haus getraut. Dann ist mir klar geworden, wie dumm das ist. Man sollte viel mehr auf das Wesentliche achten, seine innere Balance finden. Und eigentlich ist jeder Mensch auch ohne Make-up schön.“

Nach dem Abitur wird Alexandra kurze Zeit in Frankreich arbeiten, dem Land, aus dem ihre Mutter stammt. Danach geht es sehr wahrscheinlich nach Israel, wo sie im Versöhnungsdienst zwischen Juden und Deutschen in einer Behinderten-Pflegeeinrichtung mitarbeiten wird. „Das wird echter Dienst am Nächsten, dort werde ich an meine Grenzen kommen“, ist sie sich sicher. Aber dann steht ihr auch das weltweite Netz und damit der Kontakt zu Familie und Freunden in der Heimat wieder zur Verfügung – in dem Fall dann ein Segen und kein Fluch. ▪ Silvia Sauser

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