Nach Hochwasser

Akten im Gefrierschrank: Kreisarchiv und Museum beklagen enorme Schäden

Eine Spur der Verwüstung hat der Schlamm im Lager des Kreisarchivs in der Rahmede in Altena hinterlassen.
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Eine Spur der Verwüstung hat der Schlamm im Lager des Kreisarchivs in der Rahmede in Altena hinterlassen.

Das Hochwasser hat das Kreisarchiv-Lager und das Museumsdepot im MK schwer getroffen. Tausende Dokumente, einige Musikinstrumente und Museumsobjekte von großem Wert sind zerstört.

Altena – Das Hochwasser hat auch vor dem Lager des Kreisarchivs in der Rahmede und vor dem Museumsdepot in der Nette nicht haltgemacht. Das Museumsdepot nutzt Räume der Drahtwerke Wilhelm vom Hofe, um historische Baustoffe, kleine Werkzeuge und archäologische Objekte zu lagern.

Unwetter „Bernd“ hinterließ hier wie auch im Lager des Kreisarchivs in der Rahmede eine Spur von Schlamm und Verwüstung. „Alle Objekte, die auf dem Boden, auf Paletten oder auf den unteren Böden der Schwerlast-Regale lagerten, wurden von einer Schlammschicht überzogen“, sagt Kreis-Pressesprecherin Ursula Erkens. „Viele blanke Metallobjekte weisen bereits Flugrost auf. Bei Holzoberflächen und organischen Überzügen droht Schimmel.“

Historische Kutschen ohne Schäden

In der Nette gab es aufgrund der Aufräumarbeiten zusätzlich das Problem, dass viele Objekte nicht zeitnah aus dem Depot in ein anderes Zwischenlager geschafft werden konnten. Museumsrestaurator Holger Lüders hat daher nun Fachkollegen herangezogen, um die Schäden zu begutachten und einzuschätzen, welche Objekte noch gerettet werden können.

Über das genaue Ausmaß der Schäden ist noch nichts bekannt. Einziger Lichtblick: Die zwei Kutschen aus dem 18. Jahrhundert, die das Burgmuseum als Blickfang im Obst-Büro in der Lennestraße und im Museumsdepot in der Nette untergebracht hat, „haben das Hochwasser unbeschadet überstanden“, sagt Erkens.

80 Paletten Dokumente durchnässt und entsorgt

Auch „das Kreisarchiv ist mit einem blauen Auge davongekommen“, meint Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski. Bedingt durch den Bau des neuen Kreisarchivs an der Bismarckstraße sind umfangreiche Archiv- und Bibliotheksbestände in einer Lagerhalle an der Rahmedestraße eingelagert.

Nach den ersten Aufräumarbeiten wurden etwa 80 Europaletten nasses und vollständig zerstörtes Papier gleich in Containern entsorgt. 240 Europaletten sind noch vorhanden. „In den nächsten Tagen und Wochen wird sich herausstellen, welche Archivmaterialien wiederaufbereitet werden können“, sagt Erkens.

Beschädigte Akten: Rettung im Gefrierschrank

Fakt ist: Etwa zehn Prozent der Katasteramtsakten, darunter historische Unterlagen ab 1830, sind unwiederbringlich verloren. „90 Prozent des Bestands kann restauriert werden“, sagt Archivar Ulrich Biroth. Rund 700 Katasterbücher wurden nach Abstimmung mit dem LWL-Archivamt für Westfalen von der Spezialfirma Polygonvatro aus Olpe abgeholt.

Zig Paletten archivierte Katasterunterlagen wurden beim Hochwasser in Altena im Kreisarchiv-Lager schwer beschädigt.

Diese hat den Schlamm von den Büchern abgespült, nun werden sie vakuumgefriergetrocknet. Ein besonders schonendes Verfahren für sensible Dokumente. Denn der Märkische Kreis ist gesetzlich verpflichtet, Katasterunterlagen zu archivieren.

Hoffnung ruht auf Duplikaten

Ein Schlag für die Landeskundliche Bibliothek ist der Verlust zahlreicher regionaler Zeitungen und Zeitschriften. Einige Zeitungen, darunter auch das Altenaer Kreisblatt, sind digitalisiert. Ein herber Verlust, so Todrowski, sind die historischen Schulbücher aus den Jahren ab 1830, die zum Teil nicht mehr zu gebrauchen sind. „Aber bei Büchern, Zeitungen, Amtsblättern oder Zeitschriften besteht immerhin die Hoffnung, dass es in anderen Bibliotheken noch Duplikate gibt“, sagt sie.

Schwer getroffen hat das Hochwasser auch das Märkische Jugendsinfonieorchester (MJO): Die Musikinstrumente, die der Förderverein „Pro MJO“ für die jungen Musikerinnen und Musiker beschafft hat, lagerten ebenfalls in der Rahmede. „Für die Versicherung müssen wir nun jedes Instrument von Instrumentenbauern begutachten lassen, ob sie noch reparabel und spielbar sind“, erläutert Detlef Krüger, Fachdienstleiter für Kultur und Tourismus.

Nachwuchs-Musikorchester: Instrumente beschädigt

Mitglieder des Fördervereins und Mitarbeiterinnen des Kreises brachten die Instrumente erstmal in Sicherheit und reinigten sie. Die Instrumente aus Holz zeigen zum Teil schon Risse; die Felle der Pauken und Trommeln haben Dellen. Bei Metallgegenständen droht Rost. Der größte Teil der technischen Bühnenausstattung wie Verstärker, Lautsprecher, Mikrofone oder Beleuchtung musste sofort entsorgt werden.

„Dass wir doch noch viele Schätze bewahren konnten, ist vor allem dem Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Teams Museum, Kreisarchiv und Veranstaltung/MJO sowie unseren Helfern des Vereins Pro MJO zu verdanken, die auch am Wochenende selbstlos mitangepackt und wadentief im Schlamm geschuftet haben“, bedankt sich Detlef Krüger. Auch wenn er die Schadenshöhe wegen vieler Unwägbarkeiten noch nicht genau beziffern kann, geht er von einer Summe im sechsstelligen Bereich aus.

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