Akrobat unter dem Himmelszelt

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Detail aus der Werkstatt. Petrausch mit einer amerikanischen AT6, die einen 90-Kubik-Motor bekommt. ▪

ALTENA ▪ In Ralf Petrauschs Leben dreht sich alles im die Fliegerei. Große Flugzeuge, kleine Flugzeuge, Gemälde und Drucke von Flugzeugen. Seinen schwarzen Riesenschnauzer hat er nach einem der bekanntesten Jagdflieger des Zweiten Weltkrieges „Mölders“ gennannt. Und „Mölders“ reagiert erkennbar aufgeregt, wenn er ein Motorflugzeug oder einen Helikopter am Himmel hört. „Dann freut er sich und will am liebsten raus und gucken“, berichtet Ralf Petrausch und lacht. Von Thomas Keim

Die Freude an der Fliegerei scheint also ansteckend zu sein. Das wollen auch Petrauschs Vereinskameraden vom LSV Hegenscheid am 9. und 10. Juli unter Beweis stellen. Dann nämlich feiert der Verein seinen 60. Geburtstag und hat aus diesem diesem Anlass ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt: Es gibt zwei Flug-Aktionstage, bei dem Groß und Klein auf ihre Kosten kommen. Und mittendrin Ralf Petrasch, als einer von vier Piloten, die an diesen Tagen den Himmel über dem Sportflugplatz in einen Kunstflug-Parcours verwandeln werden.

Dann steigt der 52-Jährige in seine rot-weiße „Extra 300L“, eine für Kunstflug optimierte Maschine aus Dinslakener Produktion. Die 300 im Namen der aerodynamischen Schönheit steht für Leistung von 300 PS. Das Flugzeug hat eine Spannweite von 7,70 Metern und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 420 Stundenkilometern. Petrausch wird sie am Himmel über Altena in Rollen und Loopings treiben, in die „Kubanische Acht“ oder das bekannt „Immelmann“-Manöver zeigen, das für einen schnellen Richtungswechsel erdacht wurde. Wahrscheinlich selten ist die Art, wie Petrausch in die „große“ Fliegerei eingestiegen ist. Er hat zuerst ein Flugzeug gekauft, dann hat er sich den Privatpilotenlizenz gemacht. „Da hab ich mich ganz schön unter Zugzwang gesetzt“, meint der Pilot im Rückblick. Nach 50 Flugstunden begann er gleich mit dem Erwerb der Kunstfluglizenz. Denn eines war ihm schon vor dem ersten Alleinflug klar: „Ich wollte von Anfang an Turnen.“

In anderer Hinsicht hat Petrausch seine Leidenschaft für die Fliegerei längst zum Beruf gemacht. Seit 1990 betreibt er in Iserlohn ein Ladenlokal für Modellbau. Das ist auch so etwas wie seine eigene Flugzeugwerft geworden, denn große Teile wie Rümpfe und Tragflächen fertigt er selbst aus Kohle- und Glasfaserkunststoff. Aktuel baut er an einer Messerschmitt 110, die es auf stolze 3,30 Spannweite bringen wird. Das größte seiner Modelle maß sogar 3,85 Meter.

Dem Ladengeschäft ist eine Galerie für Luftfahrtkunst angeschlossen – in der Szene „Aviation Art“ genannt. Hier sind Bilder und Kunstdrucke von Nicolas Trudgian, Leomar oder Robert Taylor zu sehen. Vom Letzteren allerdings keine Original. „Die sind unbezahlbar“, weiß Petrausch.

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