Ärger mit Mietern: „Wenn der Letzte raus ist, ist Schluss“

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Was Angela Faroß schildert, ist kein Einzelfall: Dieses Foto entstand 2007 nach dem Auszug von Mietnomaden aus einer Wohnung in der Altenaer Innenstadt.

Altena -   Ein Bündnis für Wohnraum will Bundesumwelt- und Bauministerin Barbara Hendricks schmieden und daran auch private Investoren beteiligen. Angela Faroß kann da nur mit dem Kopf schütteln: „Welcher Idiot stellt denn heute noch Mietwohnungen zur Verfügung oder investiert in die Errichtung neuer Wohnungen?“, fragt die Altenaerin nach eigenen, bitteren Erfahrungen.

Nach der Wende kümmerte sich Faroß’ Mutter um die Rückübertragung alten Familienbesitzes im sachsen-anhaltinischen Dörfchen Globig. 1995 war es endlich soweit, Faroß konnte über zwei Häuser mit insgesamt fünf Wohnungen verfügen. Dächer, Fenster, Heizung – die Altenaerin nahm anschließend viel Geld in die Hand, um die Wohnungen aufzuwerten. Mehr als vier Euro Kaltmiete pro Quadratmeter waren wegen der Landflucht in der Region rund um die Lutherstadt Wittenberg trotzdem nicht drin.

Reich werden kann man damit nicht, wohl aber arm – dann nämlich, wenn die Mieter nicht zahlen. „In den ersten Jahren ging noch alles einigermaßen gut“, erinnert sich die Vermieterin. Vor etwa zehn Jahren hätten dann die Probleme begonnen – Mieten blieben aus, Nebenkosten wurden nicht bezahlt, Wohnungen verdreckten. „Inzwischen sitze ich auf offenen Forderungen von über 30000 Euro“, berichtet Faroß und ärgert sich über das private Insolvenzrecht. „Damit sorgt der Staat dafür, dass die Vermieter ihr Geld nie wiedersehen“.

Unglaublich klingen sie, die vielen Geschichten, die Faroß erzählt – aber Fachleute der Wohnungswirtschaft bestätigen, dass das keine Einzelfälle sind. Stichwort Kündigung: Selbst wenn ein Mieter nicht zahlt, kann es teuer sein, ihn loszuwerden: Kündigungsklage und gebenenfalls die Zwangsräumung kosten auf jeden Fall einen vierstelligen Betrag. „Einer meiner Mieter hat mich gefragt, was es mir wert wäre, wenn er auf das Räumungsklageverfahren verzichtet“, schildert Faroß empört. Kein Einzelfall, wie Gerhold Happ vom Bundesverband „Haus und Grund“ weiß: Es komme öfter vor, das Vermieter säumige Mieter noch am wirtschaftlichsten loswürden, indem sie ihnen Geld in die Hand drücken.

Auf der sicheren Seite wähnte sich Angela Faroß, als sie ihre Wohnungen für Hartz IV-Empfänger zur Verfügung stellte. Sie verlangte eine Abtretungserklärung, also den Nachweis, dass die Arge die Miete direkt an den Vermieter überweist. Die bekam sie auch, aber nach zwei Monaten (ab dann genießen Mieter verbesserten Kündigungsschutz) wurden diese Erklärungen klammheimlich widerrufen. Jetzt steckten die Mieter das Geld ein und Faroß wartete vergeblich auf ihre Miete. „Und in deren Wohnungen ist es immer am wärmsten“, schildert sie und präsentiert eine Heizkostenabrechnung. Danach hat einer der Arge-Mieter in vier Monaten so viel Heizöl verbraucht wie der Mieter der vergleichbaren Nachbarwohnung im ganzen Jahr. „Nicht angemessen“ sind dann für die Arge die Nebenkosten, sie zahlt nur einen Teil davon – auf dem Rest bleibt dann wieder der Vermieter sitzen.

Systematisch habe der Staat die Position der Grundstückseigentümer geschwächt, meint Faroß. Auch von der Justiz fühlt sie sich allein gelassen, nachdem mehrere von ihr angestrengte Verfahren gar nicht erst zugelassen wurden. „Ein Witz“ ist in ihren Augen die Mietpreisbremse, die jetzt für einige Großstädte verhängt wird. Wieder zieht sie einen jener Zettel hervor, auf denen sie die Ausgaben für ihre Wohnungen in Globig fein säuberlich dokumentiert hat. 279 DM Grundsteuer zahlte sie 1995, heute sind es 570 Euro, also etwa das Vierfache. Die Ausgaben fürs Abwasser sind im gleichen Zeitraum von 172,23 DM auf fast 900 Euro gestiegen. Das ist ein Plus von über 900 Prozent. „Und da reden die von Mietpreisbremse, das ist doch wohl ein Witz“.

Extrem verärgert ist die Altenaerin auch über die Art und Weise, wie mit ihrem Eigentum umgegangen wird: Eine ganzen Berg gebrauchter Kinderwindeln habe sie gefunden, nachdem letztens eine alleinerziehende Mutter sang- und klanglos aus der Wohnung verschwunden sei. Ein anderer Mieter habe „mindestens zehn Welpen“ stundenlang in der Wohnung allein gelassen – „überall war Hundekot“, ekelt sie sich sich noch heute. Auch das seien leider keine Einzelfälle mehr, bestätigt Gerhold Happ (Haus und Grund): Immer wieder müssten Vermieter hohe fünfstellige Beträge in die Hand nehmen, um die Wohnung nach dem Auszug solcher Bewohner wieder in einen vermietbaren Zustand zu versetzen.

Zumindest das wird Angela Faroß jetzt nicht mehr tun: „Wenn der Letzte ‘raus ist, ist endgültig Schluss“, sagt sie. Der Ärger mit den Mietern zehre nicht nur an ihren Nerven, sondern mache sie auch körperlich krank. Deshalb zieht sie jetzt die Notbremse und wird die fünf Wohnungen in dem denkmalgeschützten Gehöft nicht mehr vermieten. „Dann soll die Bude halt zusammenbrechen“, sagt sie resignierend

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