Ägyptische Grabkunst selbstgemacht

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Die linke obere Ecke fehlt: So, wie die Original-Darstellung Sethos und Nofretete zeigt, hat Bernd Erbschloe den Pharao und die Königin in den Gips geritzt und vergoldet.

ALTENA - Bernd Erbschloe drückte als Neunjähriger noch die Schulbank neben Johannes Rau in Wuppertal, als er zum ersten Mal nach Jerusalem flog. Für den Chef seines Vaters lieferte er ein Köfferchen bei einem befreundeten Geschäftsmann ab. Bernd Erbschloes Tante Marion nahm ihn in Empfang und zeigte ihm anschließend Ägypten.

Das dort erweckte Interesse für die Pyramiden und Pharaonen ist bis ins hohe Rentenalter bei dem Altenaer haften geblieben.

Als kleiner Junge ahnte er nichts von der Gefahr, die es barg, in den 30er Jahren eine solche Schmuggelreise anzutreten. „Ich weiß bis heute nicht, was sich in dem Koffer befunden hat“, erklärt der 83-Jährige lachend. Geblieben sind ihm von seiner ersten Ägypten-Reise nur die schönen Erinnerungen. „Meine Tante arbeitete gerade als Diakonisse dort und konnte mir viel zeigen. Ich wollte unbedingt noch einmal wieder kommen.“

Tante Marion war längst nicht mehr im Dienst, als Bernd Erbschloe Ende der 70er und Ende der 80er Jahre noch mal zurückkehrte ins Tal der Könige. Die Pyramiden und die Sphinx sah er sich aus der Ferne an und schoss beeindruckende Fotos. Führungen in die mittlerweile schwer geplünderten Grabkammern konnte er nicht wahrnehmen: „Sie ließen nie zu viele Touristen auf einmal rein, weil allein der menschliche Atem schädlich für die Kunstwerke ist“, schildert der Altenaer. Für ihn als Ingenieur ist der technische Vorsprung der alten Ägypter bis heute ein Phänomen: „Die haben vor 10 000 Jahren Farben hergestellt, die bis heute halten. Wir bekommen keinen Autolack hin, der länger als zehn Jahre hält...“, merkt der Senior schmunzelnd an.

Er selbst hat sich aber Erinnerungen an Ägypten geschaffen, die zumindest sein Leben lang halten werden: Weil er nicht selbst zum Grabräuber werden wollte, fertigte Bernd Erbschloe Gipskopien der Grabkunstwerke von Pharao Sethos und Königin Nofretete. Als Vorlage dienten Hochglanzfotografien aus dem Museumskatalog. Die Konturen ritzte Bernd Erbschloe mit einem Skalpell in den Untergrund. Zum Schluss hat er sein Kunstwerk vergoldet.

Neben Vasen, einer Urne, einer zertifizierten Papyrus-Zeichnung von Nofretete, eigenen Fotografien und kleinen Souveniers bilden diese Bilder einen Teil einer umfangreichen Ägyptensammlung, die sich Bernd Erbschloe im Laufe der Jahre angeeignet hat. Zu Weihnachten hat er die auch mal in den Vitrinen im Generationentreff Knerling gezeigt.

Für das komplexe und umfangreiche Thema Ägypten sind andere Leute aber schwer „mal eben so“ zu begeistern. Bürger, die sich mit ihm austauschen möchten, empfängt der Senior gern zu einem ägyptischen Plausch. Einsteigern empfiehlt er wärmstens einen Besuch im Ägyptischen Museum Berlin, wo die Nofretete ausgestellt ist. Um die Besitzrechte des bedeutenden Kunstwerks der Menschheitsgeschichte streiten sich die Staaten bis heute. Die angespannte Lage bedauert Bernd Erbschloe sehr. „Wir können nämlich noch sehr viel von den alten Ägyptern lernen.“

Von Ina Hornemann

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