Adolf von Altena spielte im Mittelalter eine undurchsichtige Rolle

Wer war der legitime König?

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Sebastian Hirs erwies sich als brillanter Kenner der Materie und gut vorbereiteter Referent.

Altena - Wäre Adolf von Altena (um 1157 bis 1220) eine Figur für eine filmische Dokumentation nach dem Muster der verdienstvollen Reihe „Die Deutschen“? Diese Frage tauchte am Ende der Begegnung mit dem Grafensohn aus Altena auf, der es bis zum Erzbischof von Köln brachte.

Sebastian Hirs, Mittelalterhistoriker und Spezialist für die Geschichte des Thronstreits zwischen Staufern und Welfen, stellte den illustren Sohn des Grafen Eberhard von Berg-Altena vor, der in dramatischen Zeiten eine bedeutende Rolle für die Reichspolitik spielte. Seine Ausbildung genoss der Grafensohn vermutlich in der Kölner Domschule, 1177 wurde er Domherr, 1183 Domdechant, 1191 Dompropst. 1193 wählte ihn das Domkapitel zum Erzbischof von Köln, 1194 empfing Adolf von Altena die erzbischöfliche Weihe.

Seine Rolle in der Reichspolitik hing entscheidend von den hochmittelalterlichen Herrschaftsverhältnissen ab, die Sebastian Hirs detailliert erläuterte. „Hut ab, dass Sie sich in das Thema eingearbeitet haben“, würdigte Dr. Christiane Todrowski im Namen der „Freunde der Burg“ die differenzierte Darstellung „schwieriger Zusammenhänge“, die auch den zahlreichen Zuhörern im Festsaal der Burg einiges abverlangte.

Zahlreiche Exkurse zur dynastischen Situation des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation um 1200 sollten die Rolle des Erzbischofs aus Altena beleuchten. Wie andere Dynastien auch, pflegten die Stauferkönige den Wunsch nach einer Nachfolgeregelung aus dem eigenen Hause. 1189 hatte Kaiser Friedrich Barbarossa seinen Sohn Heinrich VI. zum Mitkönig wählen lassen. 1195 wollte Heinrich der VI. es ähnlich machen und seinen damals erst einjährigen Sohn Friedrich zum Mitkönig wählen lassen. Dazu kam es aber nicht – wohl auch, weil einigen Reichsfürsten das Herrschergeschlecht der Staufer zu mächtig wurde.

Mittendrin in den Querelen befand sich Adolf von Altena, der maßgeblich für das Scheitern des sogenannten Erbreichsplans verantwortlich war. Der kleine Friedrich wurde zunächst nicht zum Mitkönig gewählt. 1198 ergriff Adolf von Altena erneut Partei in dem Thronstreit zwischen Welfen und Staufern: Am 12. Juni krönte er den Welfen Otto von Braunschweig zum deutschen König – „als rechtmäßiger Koronator am richtigen Ort“, nämlich in Aachen, aber nur mit nachgebildeten Reichsinsignien. Nach einem Seitenwechsel zu den Staufern, der dem Erzbischof von Köln auch durch Geldzahlungen erleichtert worden sein soll, krönte Adolf von Altena 1205 auch Philipp von Schwaben zum deutschen König – diesmal mit den richtigen Reichsinsignien, aber „nur“ in Mainz.

Im Reich stellte sich nach der zweiten Krönung eine zentrale Frage: „Wer war nun der legitime König?“ Die Frage wurde in mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen nicht endgültig beantwortet. Erst 1212, mit dem Einzug Friedrichs II., des Königs aus Sizilien in Konstanz, fiel die Macht im Reich wieder endgültig an die Staufer.

Das Schicksal Adolfs von Altena entschied sich aber vor allem in Rom: Papst Innozenz III. kämpfte im Zangengriff des Königreichs Sizilien und des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation um die Unabhängigkeit des Kirchenstaats und suchte entsprechende Allianzen. Den politischen Kurs des Kölner Erzbischofs missbilligte er in scharfen Worten: Bestechlich und von brennender Geldgier getrieben sei Adolf von Altena – „ein Mann der Bosheit und ein Verderber der Kölner und der ganzen Kirche“. Am 19. Juni 1205 setzte er den missliebigen Erzbischof ab und belegte ihn mit dem Bann. Nach einem kleinen „Comeback“ als eine Art provisorischer Erzbischof von Köln im Jahr 1212 verlor Adolf von Altena 1216 endgültig sein Amt. Er bekam aber eine Rente und starb 1220 in Neuss.

von Thomas Krumm

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