Nach Kundenwunsch hergestellt

Für 450.000 Euro: Der neue Spülwagen des Abwasserwerkes ist da

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Kay Wisgalle und Ralf Berger mit dem neuen Fahrzeug.

Altena - Wenn das Abwasserwerk investiert, dann sieht man meistens nichts davon, weil das Vermögen dieses Unternehmens als Kanalrohr in der Erde liegt. Seit ein paar Tagen kann der kommunale Eigenbetrieb endlich auch mal etwas herzeigen: Er hat 450.000 Euro für einen neuen Kanalspülwagen ausgegeben.

Die Entscheidung fiel schon 2016 – von der Stange kann man solche Fahrzeuge allerdings nicht kaufen, sie werden ganz nach Kundenwunsch konfiguriert und hergestellt. Deshalb hat es zwei Jahre gedauert, bis Ralf Berger und Kay Wisgalle zur Firma Müller in Schieder-Schwalenberg fahren konnten, um das gute Stück abzuholen.

Im Prinzip ähnelt der Canalmaster seinem Vorgänger, mit dem die beiden Bauhofmitarbeiter jahrelang unterwegs waren. Trotzdem gibt es eine Reihe neuer Features, an die sie sich erst gewöhnen müssen. Deshalb wurden sie beim Hersteller einen Tag lang in die Feinheiten des Fahrzeugs eingewiesen.

 Vor allem die Tatsache, dass alle wesentlichen Funktionen ferngesteuert werden können, gefällt Kay Wisgalle. Im Betrieb steht der Spülwagen nämlich immer direkt über dem Kanalschacht, in dem das Saugrohr verschwindet – und da riecht es alles andere als gut. Früher stand Wisgalle direkt daneben, weil er den Spülvorgang mit am Fahrzeug angebrachten Schaltern steuern musste. Jetzt kann er sich seine Fernbedienung schnappen und Abstand nehmen vom Mief.

500 Liter Frischwassertank

Apropos Mief: Auch den eingebauten Kleiderschrank wissen Berger und Wisgalle zu schätzen. Es bleibt nämlich nicht aus, dass Wathosen und andere Kleidungsstücke Kontakt zum Abwasser bekommen. Im alten Fahrzeug roch es dann im Führerhaus, im neuen können diese Sachen außerhalb untergebracht werden.

Was aussieht wie ein großer Tank, ist in Wirklichkeit eine Wasseraufbereitung. Kanäle werden mit Hochdruck gespült, das dafür verwendete Wasser und auch der Inhalt der Kanäle werden dann mit einem Saugrüssel abgesaugt und in den Aufbau geleitet. Dort werden Schlamm und Feststoffe separiert, damit das Wasser wiederverwendet werden kann.

Natürlich kann man Abwasser verwenden, um Kanäle zu spülen. Der Spülwagen dient gelegentlich aber auch als mobiler Hochdruckreiniger zum Beispiel für die Bahnhofsunterführung. Da ist es von Vorteil, dass das neue Fahrzeug für solche Einsätze einen 500 Liter fassenden Frischwassertank hat.

 Es ist übrigens der erste Kanalspülwagen, den das Abwasserwerk erworben hat. Der Vorgänger gehörte dem Bauhof – „der tut es sich aber nicht leicht mit Investitionen in dieser Größenordnung“, weiß Marc Bunse, der nicht nur Stadtwerkegeschäftsführer, sondern auch Chef des Abwasserwerkes ist. Dort ist man hohe Investitionen gewohnt, deshalb prüfte Bunse, ob er die Anschaffung übernehmen konnte und kam zu einem positiven Ergebnis.

Vorgänger war 24 Jahre alt

 Die Alternative wäre gewesen, einen Drittanbieter - also ein gewerbliches Unternehmen – zu verpflichten. „Das hätte aber keinen Kostenvorteil gebracht“, sagte Bunse. Mit eigenem Gerät sei man zudem flexibler. „Wir halten außerdem Arbeitsplätze in der Stadt. Auch das ist mir wichtig, sagte der Geschäftsführer.

 Als der Spülwagen noch dem Bauhof gehörte, schickte der dem Abwasserwerk für jeden Einsatz eine Rechnung über zwei Arbeitskräfte und „Maschinenstunden“ für das Fahrzeug. Die fallen jetzt weg, nur für die Bauhofmitarbeiter muss Bunse noch den üblichen Stundensatz bezahlen. Ist das Fahrzeug in Nachrodt oder in anderen Nachbarkommunen im Einsatz, dann bekommen die anschließend zwei Rechnungen: Der Bauhof kassiert fürs Personal, das Abwasserwerk für das Fahrzeug.

Der Vorgänger hatte übrigens 24 Jahre auf dem Buckel und trotz des niedrigen Tachostandes von 143000 Kilometern unzählige Betriebsstunden hinter sich. Er wird auf der Internetplattform Zoll-Auktion.de versteigert. Gestern kam der Gutachter, um den Wert des Fahrzeugs zu ermitteln. Er bescheinigte ihm einen außergewöhnlich guten Zustand.

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