(Ab)Wasser in Altena exorbitant teuer

Ralf Berlet in der Staumauer der Fuelbecke: Seit der Sanierung ist sie doppelschalig. Das hat zehn Millionen Euro gekostet und drückt den Wasserpreis gewaltig in die Höhe.

ALTENA -  Schlimmer geht fast immer – eine gestern veröffentlichte Statistik zeigt, dass Wasser und Abwasser in mancher Stadt im Lande noch teurer sind als in Altena. 5,63 Euro pro Kubikmeter zahlen Bürger des Eifelstädtchens Monschau fürs Abwasser, in Solingen wird der Kubikmeter Trinkwasser mit 2,68 Euro berechnet. In Altena kostet das teure Nass 2,35 Euro (Frischwasser) und 4,43 Euro (Kanal) pro Kubikmeter.

Das schlägt ins Geld. Eine „Normalfamilie“ mit eigenem Häuschen mit 130 Quadratmeter versiegelter Grundfläche und 150 Kubikmeter Trinkwasserverbrauch zahlt in diesem Jahr gut 1200 Euro für Wasser und Kanalbenutzung, die Burgstadt liegt damit unter den „Top Ten“ in NRW.

Sicher liegt das auch am demografischen Wandel – Trinkwasser- und Kanalnetz sind für rund 30000 Einwohner konzipiert, heute teilen sich noch knapp 18000 Menschen die Zeche. Billiger wird’s kaum, wenn weniger (Ab)Wasser durch die Leitungen fließt, eher im Gegenteil: Die überdimensionierten Abwasserrohre müssen öfter gespült werden.

Mindestens ebenso gravierend sind aber andere Belastungen – zum Beispiel die Fuelbecker Talsperre. Die wurde vor rund 20 Jahren aufwändig saniert. Zehn Millionen Mark wurden damals ausgegeben, um die Standfestigkeit der Mauer zu verbessern – eine Investition, die über Kredite finanziert werden musste. Gleiches galt für die etwa zeitgleich erfolgte Optimierung des Filterwerkes, die fünf Millionen Euro kostete. Erst in etwa 20 Jahren seien diese Kredite getilgt, sagte Stadtwerke-Chef Marc Bunse gestern auf Anfrage.

Dass die Abwassergebühr so hoch ist, hat auch mit der Finanzlage der Stadt zu tun. Als in den 90er Jahren das Abwasserwerk gegründet wurde, gab’s als Mitgift Schulden in Millionenhöhe – der Eigenbetrieb musste als Ausgleich dafür, dass er das Kanalnetz bekam, Kredite der Stadt übernehmen, Bis einschließlich 2012 verzichtete die im Gegenzug auf eine Verzinsung ihres Eigenkapitals in Höhe von gut 14 Mio. Euro. Nach deutlichen Hinweisen der Kommunalaufsicht ließ sich diese Marschrichtung nicht mehr halten: 430 000 Euro muss das Abwasserwerk seit diesem Jahr an die Stadt zahlen, das führte zu einem starken Anstieg der Kanalgebühr. 2016 soll die Verzinsung sogar von jetzt drei auf sechs Prozent steigen. Marc Bunse hofft, durch Einsparungen nicht die gesamte Mehrbelastung auf die Abwassergebühr umlegen zu müssen. - von Thomas Bender

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