114 Absolventen des Burggymnasiums erhalten ihre Zeugnisse

Kein „Corona-Mitleidsabitur“

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Erinnerungsfoto an einen Abiturjahrgang, der Vorbereitung und Prüfungen unter ganz speziellen Umständen absolvierte.

Altena – Aus einer Notlösung unter den Auflagen zum Corona-Schutz könnte etwas Dauerhaftes werden: 114 Schülerinnen und Schüler des Burggymnasiums haben am Freitag ihre Abiturzeugnisse bekommen – auf dem Bungernplatz hinter dem Haus der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft. Gut zwei Stunden dauerte die Zeremonie der Zeugnisübergabe. Am Ende startete Schulleiter Hans Ulrich Holtkemper eine Publikumsbefragung. „Wenn es Ihnen hier gefallen hat, dann bitte ich um einen kräftigen Applaus. Dann überlegen wir uns, ob wir das nicht häufiger hier machen sollen.“

Der Applaus kam - kräftig. Das konnte man als Zeichen werten. Holtkemper fragte Schützenchef Klaus Hesse, der als Vater eines Abiturienten im Publikum saß, ob man denn wiederkommen dürfe. Mit „Daumen hoch“ signalisierte Hesse seine Zustimmung. Da könnte sich also das Ende eines lang geübten Brauchs andeuten, die Reifezeugnisse in der Zentralen Raumgruppe an der Bismarckstraße zu übergeben.

Diese Episode passt zum Inhalt der Rede des Schulleiters. „Für Sie ist das einer der glücklichsten Momente, aber er findet statt in einer Krise, wie ich sie in 60 Jahren noch nicht erlebt habe.“ Holtkemper erinnerte an verschiedene Krisen der jüngeren Geschichte und zitierte die Fernsehjournalisten Nina Ruge, die in Krisen einst eine „Chance für Veränderungen“ gesehen hatte. Viele wünschten sich zwar eine Rückkehr zu den Umständen vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, doch Holtkemper sah das kritisch: „Die romantische Sehnsucht nach alten Zuständen ist fatal“, sagte er, und griff ein Zitat von Konrad Adenauer auf: „Das Wichtigste ist der Mut.“

 Den Schülern zollte Hans Ulrich Holtkemper zum einen Respekt dafür, wie sie mit der schwierigen Situation vor dem Abitur umgegangen waren, zum anderen für ihre persönliche Entwicklung: „Aus teils schüchternen Persönchen sind selbstbewusste Menschen geworden.“ Als Stufenleiter setzten Angela Brunscheid-Haferberger und Stefan Detering auf Optimismus und Humor: „Lache unkontrolliert und bereue nichts, was Dich zum Lachen bringt.“ Dennoch hätten die Umstände für das vielleicht verrückteste Abitur aller Zeiten gesorgt. Gemeinsam erinnerten die Stufenleiter an Landes-Überlegungen, den Schülern das Abitur auf Basis der Vornoten zuzusprechen. Das sei glücklicherweise nicht so gekommen. „Ihr habt kein Corona-Mitleidsabitur.“

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