Ein Abschied auf Zeit und doch für immer

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Mit vereinten Kräften wird die 600 Kilo schwere Kutsche auf den Transportanhänger gewuchtet. ▪

ALTENA ▪ 57 Jahre ist es her, seit die Kutschen im Bestand des Burgmuseums die letzte größere Reise angetreten haben. Die führte nach Neuenrade, zur 600-Jahr-Feier. Am Dienstag ging es wieder auf „große Fahrt“ – Ziel war Iserlohn. Und es war ein Abschied für immer.

Die Burg, das scheint sicher, werden die beiden Gefährte wohl nicht wiedersehen. Altena aber schon, das hofft zumindest Museumsleiter Stefan Sensen.

Weil die Remise auf dem Burghof wegen der Vorarbeiten für den Burgaufzug ausgeräumt wird, musste für die beiden Gala-Coupés, wie sie der Fachmann nennt, eine neue Bleibe auf Zeit gefunden werden. Die MVG konnte aushelfen und bot eine Halle in ihrer Betriebsstätte in Iserlohn-Calle an. Der Märkische Kreis nahm dankend an.

Beide Kutschen kommen aus dem frühen 19. Jahrhundert und gehörten einst der Familie zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Der vermutlich ältere der beiden Reisewagen – der blaue – dürfte um das Jahr 1800 angefertigt sein und stand bis ins Jahr 1865 im Inventar der fürstlichen Familie. Das Burgmuseum bekam diese Kutsche im Jahr 1950 durch Franz Stromberg aus Elverlingsen geschenkt. Die Kutsche mit dem braunen Aufbau stammt aus der Zeit zwischen 1820 und 1830. Durch den Kreis (Altena) wurde sie 1953 angekauft. Beide Gefährte wiegen um die 600 Kilogramm.

Für den Umzug der beiden Kutschen sicherte sich der Märkische Kreis die Dienste einer auf Museumstransporte spezialisierten Abteilung der Spedition Schenker. Beide Gefährte mussten zunächst zeitaufwendig gegen Beschädigungen beim Transport gesichert werden. Kleine Holzkeile schützen die empfindlichen Glasscheiben in den Türen vor Vibrationen, an vielen Stellen kamen außerdem Schaumstoffmatten und -schienen zum Einsatz. So vergingen zwei Stunden, bis die erste Kutsche nach einigem Rangieren in der engen Remise mit vereinten Kräften auf einen Anhänger geschoben werden konnte, der vor der Remise bereit stand.

Dann ging es in langsamster Fahrt talwärts, ausnahmsweise direkt die Thomeestraße herunter – mit Ordnungsamt und Polizei war das so abgesprochen. Auf dem Parkplatz am Langen Kamp stand ein LKW bereit, der die kostbare Fracht schließlich in Empfang nahm. Die Kutschen sind immerhin mit je 50 000 Euro versichert.

Und sie reisen nicht allein: Mit zum Transport zählt ein Jagdschlitten aus dem Barock, über den aber momentan nicht viel mehr bekannt ist, als dass er aus Süddeutschland stammt. Auf der Rückseite weist der Schlitten jedenfalls ein Wappen auf und wird vorn von einem Schwanenkopf geziert. „Das deutet ebenfalls auf eine adelige Herkunft her“, meint Burgrestaurator Wolfgang Lüders.

Wo und wann man die Kutschen – und den Schlitten – in der Burgstadt wiedersehen wird, ist noch nicht entschieden. Als „erste Option“ sieht der Museumsleiter aber ein leer stehendes Ladenlokal im Bereich der Lennestraße. „Das würde sich zusammen mit dem Eingangsgebäude zum Burgaufzug doch gut machen“, meint Stefan Sensen. Erst wenn das nicht möglich sei, komme eine Weitergabe als Dauerleihgabe an ein „großes Museum“ in Betracht. ▪ Von Thomas Keim

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