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Abschied nach 41 Jahren: Kreisblatt-Lokalchef Thomas Bender hat seinen letzten Arbeitstag

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Auf dem Weg in den Ruhestand: AK-Journalist Thomas Bender, hier bei einem Termin zu einer Oldtimer-Rallye, beendet seine Tätigkeit für das Kreisblatt am 23. Dezember nach mehr als 40 Jahren.
Auf dem Weg in den Ruhestand: AK-Journalist Thomas Bender, hier bei einem Termin zu einer Oldtimer-Rallye, beendet seine Tätigkeit für das Kreisblatt am 23. Dezember nach mehr als 40 Jahren. © Kreisblatt

„Hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Ertragslage bei manchen Firmen: Die Zukunft für die Schulabgänger in der Burgstadt sieht nicht gerade rosig aus.“ Das war der Einstieg der ersten Geschichte, die Thomas Bender für das Altenaer Kreisblatt geschrieben hat.

Das war am 4. März 1982. Ach du meine Güte: Das ist fast 41 Jahre her. Die Anzahl der Berichte seitdem könnte selbst der, der wollte, nie zählen. Schätzen können wir aber, wie oft er wohl sein „Kreisblatt Bendaaa“ ins Telefon gerufen hat. Bei 230 Arbeitstagen im Jahr plus mindestens einem Sonntagsdienst im Monat und im Durchschnitt zwölf Anrufen am Tag sind es 116 160 Mal.

Heute sagen wir „Tschüss“ zum Leiter der Lokalredaktion, der das Kreisblatt mit einem Lächeln verlässt, weil er mit bald 63 Jahren in den vorgezogenen Ruhestand geht. Er möchte nun den Bürgerbus in Altena fahren. Und er wird jetzt endlich ohne Stress durch die Baumärkte laufen können, nach Lust und Laune zum Paddeln oder Skifahren in den Urlaub fahren, seinen Wohnwagen anspannen, sich um Haus und Hof und Küche und Enkel kümmern – alles ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, welche Termine anstehen, welche Serien vorbereitet werden müssen oder wem er denn im Verlag Altena näherbringen sollte. Denn: Thomas Bender und Altena, das ist eine enge Verbundenheit. Mit allen Volontären oder Redakteuren, die neu in die Redaktion kamen, hat er erst einmal einen Rundreise-Tag gemacht. Jeder hat es geliebt. Und jedem hat es weitergeholfen.

Das „gute Gefühl“ wird fehlen

Was er wohl vermissen wird? „Vielleicht dieses gute Gefühl, wenn nach Großkampftagen wie zum Beispiel Kommunalwahlsonntagen alles genau so funktioniert hat, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt er – und blickt zurück auf einen langen beruflichen Werdegang.

Mitte der 1970er-Jahre war Thomas Bender Schülersprecher des Walramgymnasiums in seiner damaligen Heimatstadt Menden. „Wir protestierten gegen eine damals beabsichtigte Stilllegung der Eisenbahnlinie Neuenrade-Menden-Fröndenberg und wandten uns deshalb auch an die Lokalpresse, die Mendener Zeitung. Der damalige Lokalchef Harald Polenz machte es sich einfach und bat mich, doch eben selber was zu schreiben. Schien ihm dann gefallen zu haben, er bot mir einen Job als ,Freier’ an. Also fuhr ich in den nächsten zwei, drei Jahren mit dem Bus, Führerschein und Auto hatte ich noch nicht, zu Jahreshauptversammlungen, Kaninchenausstellungen und derlei mehr“, erinnert er sich.

Volontariat bei der Mendener Zeitung

Thomas Bender entschied sich, nach dem Abitur Journalist zu werden und so bewarb er sich bei den Zeitungen im Märkischen Kreis. Beim Altenaer Kreisblatt, das damals noch nicht zum Märkischen Zeitungsverlag gehörte, wurde er erst einmal abgelehnt und bekam eine Stelle als Volontär bei der Mendener Zeitung. Chefin war dort inzwischen Susanne Schäfer-Dieterle, die heute eine Kommunikationsagentur betreibt, und die eine großartige Lehrmeisterin für den jungen Journalisten war. Schon nach etwas mehr als einem Jahr gab es doch ein Angebot aus Altena – und er wechselte zum 1. März 1982 nach stark verkürztem Volontariat als Jungredakteur zum Altenaer Kreisblatt, das damals noch im Stapelcenter zuhause war.

Das Radfahren gehört zu den großen Hobbys des Bald-Rentners. Hier bei einer Tour über den Kohlberg für eine Rad-Serie im Kreisblatt.
Das Radfahren gehört zu den großen Hobbys des Bald-Rentners. Hier bei einer Tour über den Kohlberg für eine Rad-Serie im Kreisblatt. © Kreisblatt

Geschrieben wurde anfangs noch auf der Schreibmaschine, gelernte Setzer gaben die Texte anschließend in eine Fotosatzmaschine ein. Man sah auf deren Bildschirm immer nur die eine Zeile, die man gerade schrieb. Undenkbar für heutige Zeiten. Fotografiert wurde komplett in schwarz-weiß und analog. Einer seiner Lieblingssätze: „Ich gehöre zum Inventar. Ich war schon hier, als es die Sütterlinschrift noch gab“, stimmt dann aber doch nicht.

Der Jungredakteur steigt schnell auf

Schnell wurde aus dem Jungredakteur die rechte Hand des damaligen AK-Redaktionsleiters Werner Gerdes, Thomas Bender wurde mit der Berichterstattung über die Altenaer Kommunalpolitik betraut. Als Werner Gerdes 1988 aus gesundheitlichen Gründen ausschied, wurde Thomas Bender sein Nachfolger. Die damalige Verlagsgeschäftsleitung tat sich ein wenig schwer mit dieser Entscheidung: Kein Wunder, denn da war Thomas Bender noch keine 30 Jahre alt.

Heute kann man mit Fug und Recht sagen, dass er ein Glücksfall für das AK und die Burgstadt war. Als Lokalchef war er immer nah an den Menschen, aber nicht zu nah. So konnte auch seine Berichterstattung über die Stadtverwaltung und Kommunalpolitik immer ehrlich, kritisch und ohne einen Hauch von Theken-Freundschaft sein. Mit Herzblut hat er seinen Job immer gemacht und das Lokale als Qualitätsressort gesehen. Er kann sich freuen über gute Geschichten, halbe Sachen mag er nicht. Für die Kollegen war er stets authentisch, geradeheraus, nie hinten herum. So konnte er auch ordentlich „bollern“, allerdings ohne nachtragend zu sein.

Mehr als 30 Jahre Lokalchef

Mehr als 30 Jahre Lokalchef: Wer kann sich da an die besten Geschichten erinnern? Auch Thomas Bender hat sie nicht irgendwo abgeheftet. Die besten Geschichten, so sagt er, „waren in all den Jahren natürlich die, die wir exklusiv hatten und über die die ganze Stadt sprach. Zum Beispiel der Millionenscheck, der beim Finanzamt verschwand und bei der Sparkasse eingelöst wurde – eine Räuberpistole allererste Güte, bei der sogar der Superagent Mauss seine Finger im Spiel gehabt haben soll.“

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