Hat die Fastenzeit noch eine Bedeutung?

„Abnehmen durch Fasten ist Unsinn“

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Dr. Frank Leienbach in seiner Praxis. Er sagt, Fasten kann sinnvoll sein, wenn man es richtig angeht.

Altena - Fasten ist längst nicht mehr ein rein religiöses Thema. Die Fastenzeit wird als Anlass genommen, mit dem Rauchen aufzuhören, gesünder zu essen oder die Weihnachts-Kilos loszuwerden. Doch ist das immer sinnvoll? Der Altenaer Allgemeinmediziner Dr. Frank Leienbach findet: Grundsätzlich ja – wenn man einiges beachtet.

So sollten Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herzkrankheiten oder neurologischen Krankheiten vom Fasten eher Abstand nehmen. „Bei gesunden Menschen bestehen keine medizinischen Bedenken, wenn man es nicht übertreibt“, sagt Leienbach. Nichts essen und dazu viel Sport treiben sei gefährlich, gemütliche Spaziergänge an der frischen Luft jedoch zu empfehlen. „Eine vernünftige Flüssigkeitszufuhr steht an erster Stelle“, betont der Arzt.

Gemüsebrühen

Gemüsebrühen und Obstsäfte versorgen zudem mit Vitaminen, auch Tee ist eine gesunde Alternative zu Wasser. Die Reduzierung von Nahrung sieht Leienbach nicht besonders kritisch: „Der Mensch kann durchaus mal eine gewisse Zeit auf feste Nahrung verzichten.“ In den ersten zwei Tagen seien Kopfschmerzen und Unwohlsein durchaus normal, danach soll sich laut dem Mediziner jedoch ein Wohlgefühl einstellen. Wenn das Unwohlsein nicht verschwinde, solle man das Fasten abbrechen oder mit seinem Arzt darüber sprechen, warum man es nicht verträgt. Auch länger als eine Woche sollte man laut Leienbach nicht unbedingt fasten. Im Anschluss sei es besonders wichtig, leicht verdauliche Kost zu sich zu nehmen. Wer die Fastenzeit allerdings nutzen möchte, um sein Gewicht zu reduzieren, der sollte einiges bedenken.

Unsinn

 „Abnehmen indem man eine Woche nur Ananas oder Salat isst, funktioniert vielleicht kurzfristig, ist aber Unsinn“, stellt Leienbach klar. Auf Dauer könne man damit das Körpergewicht nur reduzieren, wenn die Ernährung anschließend ebenfalls umgestellt würde. „Das halten allerdings die wenigsten durch.“ Ist die Fastenzeit vorbei, würden viele ihre alten Gewohnheiten wieder aufnehmen. Auch wer fastet um seinen Körper zu entgiften oder zu entschlacken, tut dies laut Leienbach vergeblich. „Wir sammeln nicht Tausende Giftstoffe an, der menschliche Körper ist keine wandelnde Müllkippe“, sagt er. Was der Körper dennoch entgiften müsse, könne er auch „zwischendurch“ machen.

Übersättigt

Besonders nach den Feiertagen sei der Körper jedoch oft übersättigt und es könne gut tun, alles auf ein normales Maß runter zu regeln. „Man bekommt einen völlig neuen Geschmack für die Dinge und merkt, dass man nicht immer extrem essen muss, um sich wohl zu fühlen, eher im Gegenteil“, sagt Leienbach. Auch wer in der Fastenzeit auf das Rauchen verzichtet, könne laut Leienbach davon profitieren: „Manchen hilft diese Pause vielleicht, um das Laster aufzugeben. Dafür kann es sicherlich sinnvoll sein“, sagt er.

Eine komplette Themenseite zum Thema Fasten mit vielen Meinungen und Statements finden Sie in der Printausgabe des AK vom 22. Februar.

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