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Lebensgefährlich und illegal: Bahn und Polizei warnen eindringlich vor „Abkürzung“

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Von: Jona Wiechowski

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Mit diesen Schildern warnt die Deutsche Bahn vor dem Betreten der Gleise. Regelmäßig lassen sich Menschen davon allerdings nicht abhalten, gehen durch die Notfalltür an der Lärmschutzwand (hinten im Bild) und schließlich über das Gleis zum Bahnsteig. „Lebensgefährlich“, warnen Bahn und Polizei.
Mit diesen Schildern warnt die Deutsche Bahn vor dem Betreten der Gleise. Regelmäßig lassen sich Menschen davon allerdings nicht abhalten, gehen durch die Notfalltür an der Lärmschutzwand (hinten im Bild) und schließlich über das Gleis zum Bahnsteig. „Lebensgefährlich“, warnen Bahn und Polizei. © Wiechowski

Immer wieder können Menschen dabei beobachtet werden, wie sie eine Abkürzung über die Gleise nehmen: Der Weg führt sie vom Markaner kommend über die neue Fußgängerbrücke in Richtung Lennepark, entlang der Lärmschutzwand, durch die Notfalltür und schließlich über die Schienen zum Bahnhof. Das ist tatsächlich deutlich kürzer, als der „richtige“ Weg über die Fritz-Berg-Brücke. Die Bahn warnt eindringlich: „Das Betreten von Bahnanlagen ist verboten und lebensgefährlich!“

Altena – Auf Nachfrage erklärt ein Pressesprecher der Deutschen Bahn: „Uns ist das Thema bekannt.“ Inwiefern die Notfalltür versetzt oder verschlossen werde könne, war zunächst unklar. Grundsätzlich erfülle die Tür eine wichtige Funktion, in dem sie Einsatzkräften im Notfall einen weiteren Weg bietet. Der Pressesprecher appelliert, auf jeden Fall den vorgesehenen, wenn auch längeren Weg zu nehmen. Denn: „Diese vermeintliche Abkürzung kann auch schnell die letzte sein“, mahnt er mit Blick auf moderne Züge, die heute kaum mehr zu hören sind.

Bahn: „Haben das im Auge“

Die Bahn ruft mit Schildern zum richtigen Verhalten auf, auf ihrer Webseite hat sie Tipps aufbereitet. Und: Wenn die Bahn feststelle, dass immer wieder Schülerinnen und Schüler über die Gleise gehen, gehe sie auch in den Unterricht in den Schulen und kläre über richtiges Verhalten auf. In Altena sei noch nicht klar, wer die Abkürzung vorwiegend nutze. Der Sprecher versichert: „Wir haben das auf jeden Fall im Auge.“ Wenn Mitarbeiter der Bahnsicherheit oder der Bundespolizei Menschen bei einem Übertritt sehen, „wird das zur Anzeige gebracht.“

Strafen fangen bei 25 Euro an

Wenn es um die Bahn geht, ist von Polizei-Seite die Bundespolizei zuständig. Auf Nachfrage erklärte Hendric Bagert als örtlich zuständiger Sachbearbeiter der Bundespolizeiinspektion Dortmund: „Das Überschreiten der Gleise stellt grundsätzlich eine Ordnungswidrigkeit nach der Eisenbahnbetriebsordnung (EBO) dar.“ Das Verwarngeld ist mit 25 Euro auf den ersten Blick recht überschaubar – das gilt allerdings auch nur für den Fall, sollten durch das Überqueren der Bahngleise keine Betriebsstörungen eintreten.

Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren

„Sollte es jedoch durch das Überschreiten der Gleise zu betrieblichen Störungen gekommen sein, stellt das keine geringfügige Ordnungswidrigkeit mehr dar und wird je nach Umfang der Störung individuell geahndet“, so Bagert, der von einem Bußgeld in Höhe von mehreren hundert Euro spricht. Weiteres Beispiel: „Sollte beispielsweise ein Zug hierdurch eine Notbremsung/Schnellbremsung einleiten müssen, kann dies gegebenenfalls auch strafrechtliche Ermittlungen wegen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr nach sich ziehen.“ Das Strafmaß hierzu könne eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, oder sogar im Extremfall bis zu zehn Jahre betragen.

Kontrollen auch in Altena

Die Bundespolizei überwacht in unregelmäßigen Abständen und je nach Bewertung der Lage das entsprechende Bahnstreckennetz des Bundes. „Dies machen die Einsatzkräfte manchmal zu Fuß, teils auch motorisiert oder sogar aus der Luft“, erklärt Bagert. Bei mehr als 2300 Kilometern Bahnstreckennetz alleine im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Dortmund, „ist dies sicherlich eine anspruchsvolle Aufgabe“.

In entsprechend unregelmäßigen Abständen bestreifen die Einsatzkräfte trotz alledem auch den Bahnhof Altena und das Umfeld, beziehungsweise die Bahnstrecken um den Bahnhof in der Burgstadt. Bilanz: „Zu nennenswerten Einsätzen beziehungsweise Straftaten in Altena im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei kam es in der jüngsten Vergangenheit nicht“, so Bagert.

Grundsätzlich komme es bei Kontrollen allerdings regelmäßig vor, dass Personen Gleise „unbedacht überschreiten“. Jedes Mal wiesen die Kollegen der Bundespolizei diese Personen auf die Gefahren hin, die sich aus solchen Aktionen ergeben können. „Moderne Züge sind heutzutage kaum noch aus der Ferne zu hören. Wenn sie dann bemerkt werden, ist es meist zu spät“, mahnt auch Bagert.

Polizei im MK: „Werden einschreiten“

Auch vor Ort haben die Beamten ein Auge auf die Problematik: „Wenn wir jemanden sehen, der die Gleise überquert, werden wir einschreiten“, versichert Lorenz Schlotmann, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde im Märkischen Kreis. Dies würde dann entsprechend an die Bundespolizei weitergeleitet.

Bekanntlich soll die Altenaer Polizeiwache in den kommenden Monaten ins Bahnhofsgebäude umziehen.

Thema in sozialem Netzwerk

Zuletzt war die Thematik auch auf Facebook in der örtlichen Gruppe „Du kommst aus Altena, wenn“ mit immerhin etwas über 10 000 Mitgliedern aufgetaucht. „Gerade eben musste ein Zug [ei]ne Gruppe Jugendlicher von den Gleisen hupen“, hatte ein Nutzer gepostet. Darunter sammelten sich schnell mehrere Kommentare von Personen, die Ähnliches gesehen haben wollen. Demnach werde die verbotene Abkürzung nicht nur von Jugendlichen, sondern auch von Erwachsenen genutzt.

Unfallprävention

Auf ihrer Internetseite deutschebahn.com macht die Deutsche Bahn unter dem Reiter „Unfallprävention“ auf Gefahren aufmerksam und gibt Tipps zum richtigen Verhalten.

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