Scherzhaft heißt es "Bügeleisen"

ABC-Zug der Wehr übt für Strahleneinsätze - mit Gerät, das Kontamination nachweist

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Sebastian Buchen (l.) und Patrick Brachthäuser mit dem Dosiswarner und dem Kontaminationsnachweisgerät.

Altena – Scherzhaft nennen sie es Bügeleisen, das gelbe Kontaminationsnachweisgerät, mit dem sich neben Alpha- auch Beta- und Gammastrahlung nachweisen lässt. Der ABC-Zug übt den richtigen Umgang damit für den Ernstfall.

Es kommt äußerst selten zum Einsatz beim ABC-Zug der Altenaer Feuerwehr, doch grundsätzlich sind Strahlenschutzeinsätze auch in unserer Region nicht auszuschließen. „Es müsste nur mal was in einer Arztpraxis mit einem Röntgengerät was passieren - dann haben wir einen Ernstfall“, erklärt ABC-Zugleiter Franco Cali. 

Auch Firma Graetz ist daran interessiert, dass die Feuerwehr für Strahleneinsätze gerüstet ist. Sie ist eine von bundesweit insgesamt nur drei Anbietern, die die Messgeräte herstellt, mit denen die Feuerwehr arbeitet. 

Neben dem „Bügeleisen“ gibt es einen Teletektor, der auf bis zu vier Meter Länge auszufahren ist und Beta-Strahlung feststellen kann, ohne dass die Einsatzkraft mit der Nase über den möglicherweise kontaminierten Stoffen in Berührung kommen muss. 

Kameraden mit den Messgeräten vertraut machen

Alle Einsatzkräfte, die in einen Strahleneinsatz hineingehen, tragen einen Dosiswarner am Körper. Ein anderes Gerät, der Dosisleistungswarner, definiert den Absperrbereich eines Gefahrengebiets. Ein nummerierter Dosimeter wird darüber hinaus mitgegeben und nach dem Einsatz zum Auslesen geschickt. 

„Sollte sich dabei herausstellen, dass eine Einsatzkraft Strahlung von 250 Mikrosievert ausgesetzt war, kommt sie nie wieder in einen Strahleneinsatz hinein“, erklären Patrick Brachthäuser und Sebastian Buchen, die ihre Kameraden mit den besonderen Messgeräten vertraut machen. „Das ist die Höchstdosis, die ein Mensch weitgehend schadensfrei überstehen kann. Wir würden sie einem Kollegen auch nur zur Rettung eines Menschenlebens zumuten.“ 

Neue Schutzanzüge sind in Bestellung

Neue Schutzanzüge für Strahleneinsätze sind aktuell in Bestellung. Sollten sie auf dem Dekontaminationsplatz als strahlenbefallen identifiziert werden, gibt es einen Abschirmungsplan. Auch Gegenstände können bis zu einer bestimmten Größe verplombt werden, für Flächen gibt es Folien. 

„Dass wir mal in einen solchen Einsatz geraten, ist recht unwahrscheinlich. Außer Firma Graetz verfügt hier kaum ein Unternehmen über ein großes Vorkommen von Radionuklioiden, und die sind streng geschützt. Aber wir könnten mal in die Situation kommen, einer anderen Feuerwehr Amtshilfe leisten zu müssen. Vielleicht verunfallt auch mal ein Zug oder ein Lkw mit gefährlicher Ladung. Dafür müssen wir gewappnet sein“, erklärt Franco Cali. 

Wunsch, dass es bei der Übung bleibt

Sebastian Buchen und Patrick Brachthäuser erklären die Benutzung der Geräte deshalb sehr gründlich. Sogar Messergebnisse gibt es, da die Wehr über einen kleinen Strahler mit geringer Dosis verfügt. Der kommt nach der Übung sicher wieder unter Verschluss. „Überhaupt wünschen wir uns, dass wir mit all diesen Sachen nur üben und sie nie einsetzen müssen“, erklären Sebastian Buchen und Patrick Brachthäuser. 

Denn Strahlenkatastrophen, das lehrten Reaktorunglücke wie Tschernobyl und Fukushima, haben bitterste Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Umwelt.

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