9,50 Meter Ferien im Wirtschaftswunder-Bus

+
Theo Bol am Steuer. Holzverkleidungen in den Türen, Griffe und Armaturen aus Aluminium. Der Bus verströmt das Flair der 50er Jahre. ▪

ALTENA ▪ Wenn Familie Bol auf Reisen geht, dann mit einem rollenden Erinnerungsstück an das Wirtschaftswunder. 9,50 Meter Nostalgie am Stück. Aufmerksame Blicke sind den Niederländern sicher, denn sie sind mit einem Mercedes O321H unterwegs. Der Reisebus, Baujahr 1959, dient der Familie aus Roodeschool als geräumiges Feriendomizil. Von Thomas Keim

Und Platz brauchen die Bols. Sieben eigene und drei angenommene Kinder sorgen für eine gute Auslastung des Oldtimers. So gab es auch große Augen als der Bus jetzt am Wohnmobilstellplatz am Pragpaul auftauchte. Theo Bol, Eigner des seltenen Gefährtes, kennt das seit langem. „Auf Campingplätze gehen wir möglichst nicht, da kommen immer zu viele Menschen“, sagt er mit einem Lächeln. Die Familie ist auf Rundreise im Sauerland. Vater Theo Bol versteht die Neugierigen gut, möchte aber nicht alle Fragen zehn Mal beantworten. Ganz pragmatisch hat er deshalb ein laminiertes DIN-A-4-Blatt in eine Seitenscheibe der Fahrgastkabine gehängt. Da steht alles drauf, vom Baujahr über den Fahrzeugtyp und die Leistung, was andere Oldtimerfreunde interessieren dürfte. Ins Innere des Klassikers können nur wenige einen Blick werfen: „Tür nicht öffnen, bevor der Wagen hält“ steht auf einem schmalen Schild, das seit 52 Jahren über dem Ausstieg hängt. Hölzerne Türverkleidungen, Griffe und Armaturen aus Aluminium und ein Lenkrad, das noch den Namen Volant verdient.

Theo Bol ist Oldtimerfreund. So ein modernes Wohnmobil könnte doch viel pflegeleichter sein. „Das ist nichts“, winkt der Niederländer ab. Er ist als gelernter Kfz-Meister vom Fach, hat viel Zeit in die Aufarbeitung der Karosserie und des Motors gesteckt. Seither arbeitet die Fünf-Liter-Maschine im Heck weitgehend klaglos, und bringt das Gefährt mit 110 PS auf gemächliche Fahrt. Der Aufbau stammt von der Firma Drögmöller aus Heilbronn. Als „Rolls Royce unter den Reisebussen“ wurden die Fahrzeuge vom Neckar einst beschrieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare