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82-Jähriger verschenkt sein Auto: Jetzt gibt es Gerede in der Stadt

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Nilüfer Seker und Heidi Rütting am „neuen“ Auto. Peter Rütting hat es dem Ehemann der Gastronomin geschenkt.
Nilüfer Seker und Heidi Rütting am „neuen“ Auto. Peter Rütting hat es dem Ehemann der Gastronomin geschenkt. © Fischer-Bolz, Susanne

Autofahren bedeutet Mobilität. Ein großes Stück Freiheit, Selbstständigkeit. Natürlich auch im hohen Alter. Wer gibt sein Auto schon freiwillig ab? Peter Rütting hat es getan. Mehr noch: Er hat seinen Mercedes gleich verschenkt.

Altena/Nachrodt – Für den 82-jährigen Nachrodter war es eine Herzensentscheidung. „Du bekommst mal mein Auto“, hatte Peter Rütting schon vor vielen Jahren seinem Freund Hüseyin Seker gesagt. Die Entscheidung, das Versprechen tatsächlich in die Tat umzusetzen, fiel plötzlich und unerwartet. „Mein Mann fuhr nicht mehr oft. Zum Arzt, zum Friseur. Und meinte, dass er es dann auch ganz lassen kann, das Auto würde ja nur da ‘rumstehen und Geld kosten“, erzählt Heidi Rütting schmunzelnd und findet die Entscheidung ihres Mannes richtig gut. „Natürlich fehlt es ihm jetzt ein bisschen, nicht mehr selbst zu fahren“, sagt die 68-Jährige. Jetzt ist sie die Chauffeurin und macht das auch gern. Ihr Auto fährt ihr Mann nicht.

Befreundet sind Peter und Heidi Rütting mit Nili und Hüseyin Seker schon seit Ewigkeiten. Einmal in der Woche kommen die Nachrodter auch ins Café Nostalgie, Hüseyin nennt Peter Rütting freundschaftlich Onkel, obwohl die Familien nicht verwandt sind. Man schätzt sich, man mag sich.

Gerede in der Stadt: Freund schenkt Familie Auto

Und doch hat das Geschenk auch seine Tücken. Nicht das Auto selbst, das 14 Jahre alt ist und wie am Schnürchen läuft, sondern das Gerede in der Stadt. „Um Gottes Willen nicht, dass jemand etwas Falsches denkt“, sagt Nilüfer Seker. Nach der Flutkatastrophe stand sie vor einem riesigen Scherbenhaufen ihres Lebenswerkes und hatte deshalb auch Spenden bekommen. Sie hat sich nicht bereichert, das Auto natürlich nicht von Spendengeldern gekauft. Dass es Menschen gibt, die das glauben, oder sagen „Wieso kriegt die schon wieder was?“ macht die Café-Betreiberin traurig. „Ich bin eigentlich sehr enttäuscht, dass bei Menschen, die mich von klein an kennen, Fragezeichen im Kopf sind, woher das Auto wohl kommt. Über Dritte wurde das angesprochen“, sagt Nilüfer Seker.

Es ist ein Geschenk von Freunden, die auch mal ein Geschäft in Altena hatten: die Schatztruhe. Obwohl schon 20 Jahre her, kann sich Heidi Rütting noch gut daran erinnern, dass es schon damals für Geschäftsleute in der Burgstadt schwierig war. „Ich habe manchmal schon aufgeschrieen, wenn sich die Ladentür öffnete, weil ich mich so erschrocken hatte“, erzählt Heidi Rütting. Eigentlich, so sagt sie, müsst es laufen in Altena. Der Burgaufzug ziehe viele Leute. „Aber ich glaube auch, dass die zwei Stunden Mittagspause nicht richtig sind“, so Heidi Rütting.

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