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55-Jähriger erneut mit Kinderpornografie erwischt: Diesmal keine Bewährung mehr

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Von: Thomas Krumm

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2654 verbotene Bilder und 168 Videodateien hatte der 55-Jährige auf seinem Handy gespeichert. Ermittler hatten das Material gefunden.
2654 verbotene Bilder und 168 Videodateien hatte der 55-Jährige auf seinem Handy gespeichert. Ermittler hatten das Material gefunden. © dpa

Wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder verurteilte das Amtsgericht Altena einen 50-jährigen Angeklagten bereits im August 2017 zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Nun wurde der Mann erneut auffällig.

Damals hatte der 50-Jährige eine stattliche Geldbuße von 6000 Euro an eine Kinderschutzorganisation zahlen und Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnehmen, um an seinem Problem zu arbeiten. Fünf Jahre später stand der 55-Jährige nun wegen des gleichen Delikts erneut vor Gericht.

Nach einem Umzug von Altena nach Hemer war nun das Amtsgericht Iserlohn zuständig, wo ihm der Besitz von 2654 verbotenen Bildern und 168 Videodateien vorgeworfen wurde. Die Ermittler hatten offenbar mitbekommen, dass er im Februar 2020 ein kinderpornografisches Bild weitergegeben hatte. Bei einer Durchsuchung seines Hauses am 22. März 2020 wurde dann ein Smartphone mit dem verbotenen Bildmaterial sichergestellt.

Umfassendes Geständnis

Verteidiger Andreas Trode gab im Namen seines Mandanten eine Erklärung ab, die ein umfassendes Geständnis beinhaltete. Den Angeklagten stellte er als Opfer einer nicht beherrschbaren Suchterkrankung dar: „Es passiert etwas mit den Menschen, gegen das sie sich nicht so richtig wehren können.“ Der 55-Jährige habe ihm geschildert, wie er selber von seinem Vater massiv sexuell missbraucht worden sei. Es ist bekannt, dass solche Erfahrungen ein hohes Risiko in sich tragen, dass die Opfer irgendwann selber zu Tätern werden. Nun hatte der Angeklagte nicht etwa selber Kinder missbraucht, aber er hatte sich in einem Internet-Fundus bedient, der durch die weltweite sexuelle Ausbeutung von Kindern immer mehr anzuwachsen scheint.

Hätte der Angeklagte zum ersten Mal vor Gericht gestanden, wäre er vermutlich mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Doch das Urteil aus dem Amtsgericht Altena war eine schwere Last. Denn die Entwicklung zeigte, dass der 55-Jährige trotz der immensen Geldstrafe von 6000 Euro und der therapeutischen Begleitung noch nicht die Kraft gefunden hatte, seine inakzeptablen Neigungen zu beherrschen. Außerdem kommt es vor Gericht gar nicht gut an, wenn solche Rückfälle noch in der Bewährungszeit passieren. Immerhin konnte der Angeklagte noch von fortgesetzten Kontakten zur Beratungsstelle „Die Brücke“ in Dortmund berichten. Sein Anwalt ergänzte, dass der 55-Jährige in seinen Mitteilungen mittlerweile bei jenen bösen Erinnerungen angekommen war, die offenbar im Kern seiner Persönlichkeitsstörung wüten.

Zweite Chance vor der Berufungskammer

Das Schöffengericht sah letztlich noch keinen Grund, die zu verhängende Strafe zur Bewährung auszusetzen: „Wir können heute nicht wissen, ob die Therapie zum Erfolg führen wird“, begründete der Vorsitzende Richter die Haftstrafe von zwei Jahren „ohne“. Das heißt aber noch nicht, dass der 55-Jährige ins Gefängnis muss. Bis zu einer zweiten Chance vor einer Berufungskammer des Landgerichts kann er seine Therapie fortsetzen. Vielleicht kommt er so den fatalen Kräften in den Tiefen seiner Psyche auf die Spur, die ihn zum indirekten Mittäter gegenüber unschuldigen Kindern machen.

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