Brücke vom Markaner zum "Lennepark"

50-Tonnen-Koloss bei bitterster Kälte in Altena montiert

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Präzisionsarbeit bei eisiger Kälte.

Altena - Der erste Teil der Fußgängerbrücke zwischen Markaner und Bahnhofsgelände steht: Mitarbeiter der Firma Rohlfing aus Ostwestfalen montierten in der Nacht zu Donnerstag die aus acht Segmenten bestehende Rampe, die auf den schon vor zwei Jahren auf der Markanerseite errichteten Stützen aufliegt. Dabei mussten sie sich an einen engen Zeitplan halten.

Begonnen wurde um 22 Uhr, spätestens um 4 Uhr musste alles fertig sein - dieses Zeitfenster wurde gewählt, weil die Lenneuferstraße während der Montage gesperrt werden musste und die Erreichbarkeit des Busbahnhofes stark eingeschränkt war. 

Durch die Nachtschicht wurde vermieden, dass der Busverkehr umgeleitet werden musste, was stets mit hohem Aufwand und Kosten verbunden ist. 

Um 3.30 Uhr war das Stahlskelett montiert

Der Auftakt war ein wenig hakelig: Drei LKW transportierten die Brückenteile von der im Kreis Minden-Lübbecke ansässigen Firma Rohlfing nach Altena, als erster fuhr ausgerechnet der vor, der die zuletzt zu montierenden Teile an Bord hatte.

Stadtplaner Roland Balkenhol (links) legte eine Nachtschicht ein.

Um Zeit zu gewinnen, wurde er abgeladen, die Rohlfing-Mitarbeiter lagerten die Teile zunächst einmal auf der Lennepromenade zwischen. Das war Millimeterarbeit, weil Bäume, Papierkörbe und Verkehrschilder im Weg waren. LKW zwei brachte die Teile, mit denen es dann wirklich losging: Begonnen wurde mit der Montage am höchsten Pfeiler. 

Das erste Element musste mit besonders großer Sorgfalt ausgerichtet werden. Dazu kletterten die Arbeiter auch auf die Stahlkonstruktion, was bei Eiseskälte kein ganz einfaches Unterfangen war: Die Träger mussten zunächst mit einem Gasbrenner von Rauhreif befreit werden. Trotzdem wurden die Männer, die auf die Brücke mussten, angeseilt. 

Nach der Montage des ersten Elementes ging es dann schneller: Man hatte jetzt Fixpunkte, das erleichterte das Ausrichten der Elemente. Imposant sind die Dimensionen der Schrauben, mit der die Stahlbauer die einzelnen Brückenelemente verbanden: Es handelt sich um M 30-Schrauben, von denen jede fast ein Kilo wiegt und für die Werkzeug der Schlüsselweite 46 benötigt werden.

Die Lenneuferstraße war während der Montagearbeiten bis gegen 3.30 Uhr Donnerstagnacht gesperrt.

Dutzende davon wurden verbaut. Um Mitternacht zeigte das Thermometer minus sieben Grad an, es wurde noch kälter. Trotz oder vielleicht auch wegen der eisigen Temperaturen gingen die Arbeiten zügig voran. Mehrfach musste der Autokran der Firma Bracht umgestellt werden, um den anliefernden Lastwagen Platz zu machen und um in der richtigen Position zu stehen. 

Um 3.30 Uhr war dann alles erledigt, der Kran konnte abgebaut und der (Bus)Verkehr wieder fließen. Abgeschlossen sind die Arbeiten an der Rampe aber noch nicht: Es fehlen noch die Rollen, auf denen die Metallkonstruktion wie jede andere Brücke auch beweglich gelagert werden muss. Um sie anzubringen, wird die Konstruktion mit Hydraulikhebern noch einmal angehoben. 

Außerdem fehlen noch Teile des Geländers und eine Treppe, die den Weg in Richtung Sparkasse abkürzt. Außerdem muss der Belag noch aufgebracht werden.

Brückenteile schwebten über die Drahtbäume.

Dabei handelt es sich um großformatige Betonplatten ähnlich denen, die auf der Lennepromenade verbaut worden sind. Die Montage der Rampe war nur das Vorgeplänkel. Richtig spekatakulär wird die Montage der eigentlichen Brücke über die Lenne. Geplant ist, dafür einen 250 Tonnen-Kran am Markaner in Stellung zu bringen - das sind die größten Autokrane, die es gibt. 

Die Firma Rohlfing ist auf groß dimensionierte Stahlbauten spezialisiert und auch über die Grenzen Deutschlans hinweg im Einsatz. In Lahr im Schwarzwald baute sie zuletzte eine 115 Meter Schrägseilbrücke auf dem Gelände der Landesgartenschau, auf einem Platz der schwedischen Hauptstadt Stockholm installierte sie eine Stahlkonstruktion zur großflächigen Überdachung der dortigen Außengastronomie. Im heimischen Raum war sie zuletzt in Lüdenscheid im Einsatz. Dort war sie am Bau der Brücke zwischen Bahnhof und Phänomenta beteiligt.

Zahlen, Daten, Fakten:

Der Bau der Brücke vom Markaner zum „Lennepark“ am anderen Lenneufer drohte zur unendlichen Geschichte zu werden. Der erste Auftrag dafür wurde schon 2014 vergeben - damals gewannen die Münchener Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Lohrer und Hochrein mit ihrem Entwurf den Architektenwettbewerb für die Fußgängerbrücke. 

2016 wurde dann mit dem Bau der am Stützpfeiler und Widerlager begonnen, diese Arbeiten wurden 2017 angeschlossen. Dass es dauern würde, bis der Stahlbau abgeschlossen sein würde, das war von vorneherein klar: De Firma Rohlfing aus Stemwede bei Minden gab das mit Abstand günstigste Angebot ab, erklärte aber gleichzeitig, dass die Fertigstellung wegen noch abzuarbeitender Aufträge nicht zu dem von der Stadt gewünschten Termin erfolgen könne.

Das montierte Stahl-Skelett gleicht der Spur einer Achterbahn.

Trotzdem erhielt sie den Zustand - das zweitgünstigste Angebot war immerhin 400000 Euro teurer. Die in der Nacht zu Donnerstag montierte Rampe hat eine Länge von etwas über 70 Metern und besteht aus acht vergleichsweise kompakten Elementen, die mühelos von einem Kran der 60 Tonnen-Klasse bewegt werden konnten. 

Weitaus schwereres Gerät wird benötigt, wenn der  Überwurf über die Lenne montiert wird. Er hat eine Länge von geschätzt 50 bis 55 Metern und wiegt ebenfalls mehr als 50 Tonnen. Für seine Montage muss ein Spezialfahrzeug anrollen – das sollte mindestens 250 Tonnen-Lasten bewegen können.

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