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50 Räume für 99 Euro: Schrottimmobilie an Lüdenscheider Straße wird zur Miete angeboten

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Von: Thomas Krumm

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Das ehemalige Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße wurde erst kürzlich für gut 185 000 Euro versteigert. Jetzt wird es zur Miete angeboten – für 99 Euro.
Das ehemalige Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße wurde erst kürzlich für gut 185 000 Euro versteigert. Jetzt wird es zur Miete angeboten – für 99 Euro. © Krumm, Thomas

Nur kurze Zeit nach seiner scheinbar lukrativen Versteigerung für 185 001 Euro hat sich das ehemalige Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße 32 auf dem Immobilienmarkt zurückgemeldet – in unverändert schlechtem Zustand.

Altena – „Diese ehemalige Bank bietet unendlich viele Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen“, wirbt eine „Vaduz Lichtenstein Immobilien Holding GmbH“ um Mieter für das Gebäude. Für 99 Euro Kaltmiete und 50 Euro Nebenkosten – ohne Heizkosten – erwarten den Mieter 1000 Quadratmeter Wohn- oder Nutzfläche – verteilt auf sage und schreibe 50 Räume, die „ab sofort bezugsfrei“ seien.

Einige ergänzende Hinweise erscheinen in der Online-Anzeige sehr viel weiter unten. Sie betreffen zunächst die Miete, die einer extrem dynamischen Fortentwicklung unterliegt. Dass im ersten Monat plötzlich 100 und nicht mehr nur 99 Euro zu zahlen sind, kann ein möglicher Mieter sicherlich verschmerzen. Doch dann entwickelt sich die Staffelmiete Monat für Monat in 100er-Schritten weiter: Also 200 Euro im zweiten, 500 Euro im fünften und 1000 Euro im zehnten Mietmonat. „Dann bleibt die Miete gleich“ – und liegt also bei 12 000 Euro jährlich. Dazu kommen die verbrauchsabhängigen Rechnungen für geschätzte 120 000 Kilowattstunden Gas, Strom, Wasser und sonstiges.

Die Vermieter sind offenbar entschlossen, ihre Immobilie in keiner Weise instand zu setzen oder zu renovieren: „Sämtliche Sanierungsarbeiten müssen auf eigene Kosten vom Mieter übernommen werden!!!“ Immerhin wird das mit drei Ausrufezeichen bekannt gegeben. Wer sich dieser immensen Herausforderung stellen möchte, dem „kann ein Vorkaufsrecht in Höhe von 333 333 Euro eingeräumt werden!“

Wer ist der Vermieter? Wer bei der „Vaduz Lichtenstein Immobilien Holding GmbH“ an ein kleines Land zwischen Österreich und der Schweiz denkt, ist völlig auf dem Holzweg. Liechtenstein heißt das Land, dessen Banken dafür bekannt sind, sich aufopferungsvoll um eine finanzstarke und von Steuern geplagte internationale Kundschaft zu kümmern. Seine Hauptstadt Vaduz hat aber nichts mit Lichtenstein in Sachsen zu tun, wo sich angeblich der Sitz der Immobilien Holding befindet. Die Nennung von Vaduz im Firmennamen ist durchaus fantasievoll, entbehrt aber offenbar jeglicher Grundlage.

Geschäftsführerin der Vaduz Lichtenstein Immobilien Holding GmbH ist eine gewisse Loreen Peters. Sie ist Geschäftsführerin von mindestens sieben weiteren Immobiliengesellschaften mit ähnlichen Phantasienamen: „Royal Lichtenstein Immobilien“, „Real Lichtenstein Immobilien“ oder „Immo Elisabethstraße Geldern UG“. Die Spur nach Geldern ist besonders interessant. Denn Geldern ist auch der angebliche Sitz jener „GB Royal Fun & Investment UG“, in deren Auftrag ein Bieter im Amtsgericht Altena das alte Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße ersteigert hat.

Viele Fragen wirft auch eine Online-Anzeige der Vaduz Lichtenstein Immobilien Holding GmbH unter der Schlagzeile „Viel Arbeit für wenig Geld“ auf, die die ebenfalls von der GB Royal Fun & Investment UG erworbene Schrottimmobilie Springer Straße 42 angeblich vermieten will. Unbeeindruckt vom Zustand des durch einen Wasserschaden schwer geschädigten und verschimmelten Hauses, das nach einer Ordnungsverfügung der Stadt Altena nicht bewohnt werden darf, wirbt die Vaduz Lichtenstein Immobilien Holding um Mieter: „Bezugsfrei ab sofort.“

Dabei soll ebenfalls eine Staffelmiete angewendet werden, die bei 300 Euro beginnt. Auf Genauigkeit kommt es den Anbietern offenbar nicht an. Denn wer weiter liest, stößt auf einen Betrag von 500 Euro im ersten Monat – als Einstieg in eine Staffelmiete. Monatlich soll sich der Betrag um 100 Euro bis zu 1500 Euro erhöhen. Dafür gibt es laut Online-Anzeige 50 Quadratmeter Wohnfläche, 459 Quadratmeter Nutzfläche, zwei Zimmer, acht Schlafzimmer und acht Badezimmer. „Alle Angaben ohne Gewähr.“

Ein möglicher Mieter einer Wohnung in diesem Haus dürfte nicht einziehen. Selbst wenn ihm das – wie auch immer – gelänge, stünde er vor einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Der entsprechende Hinweis befindet sich weit unten auf dem Dokument der Anbieter: „Zur Selbstsanierung bieten wir verschiedene Wohnungen in diesem Mehrfamilienhaus an.“ Selbstsanierung und verschiedene Wohnungen?

Weiter oben ist von 50 Quadratmetern Wohnfläche und 459 Quadratmetern Nutzfläche die Rede. Wo sollen dann mögliche weitere Mieter untergebracht werden? Und wenn es gelänge, in einer Schrottimmobilie in Altena nach kurzer Zeit 1500 Euro monatlich von einem der Mieter für 50 Quadratmeter zu bekommen: Wie sähe das aus, wenn tatsächlich mehrere Wohneinheiten, möglicherweise alle acht, für diesen Kurs vermietet würden? Bei einem Monatsertrag von 12 000 Euro würde das absurd hohe Versteigerungs-Höchstgebot von 275 001 Euro in gut zwei Jahren wieder hereingeholt werden. Das kann kein ernsthaftes Geschäftsmodell sein.

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