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50 Aufsteller für die Bücherei: Besonderes Azubi-Projekt

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Von: Michael Koll

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Auf einer Maschine des Drahtunternehmens Hohage wurden die Aufsteller hergestellt.
Auf einer Maschine des Drahtunternehmens Hohage wurden die Aufsteller hergestellt. © Koll, Michael

Die Stimme schwankt schon ein wenig, fast scheinen ihr die Tränen der Rührung zu kommen, als Selin Aydin sagt: „Ich bin echt schon stolz auf mich.“

Schließlich war die 19-Jährige ins sprichwörtlich kalte Wasser gesprungen ist – und kann jetzt einen Erfolg verbuchen, der sich wirklich sehen lassen kann.

Im August erst hat die angehenden Industriekauffrau beim Drahtunternehmen Hohage ihre Ausbildung begonnen. Eine ihrer ersten Aufgaben war es, einen Werbeaufsteller, ein sogenanntes Roll-up-Banner, in die Stadtbücherei zu bringen, denn ihr Arbeitgeber unterstützte die Sommeraktion „Manege frei – Stadtbücherei“, welche Teile der Innenstadt in eine Zirkuswelt verwandelte.

Aus kleinem Botengang wird ein großer Auftrag

Bei diesem kleinen Botengang zog die junge Frau einen dienstlichen Auftrag an Land, der sie einerseits forderte, ihr andererseits aber auch die Gewissheit einbrachte, sich für den richtigen Weg entschieden zu haben. „Definitiv war meine Berufswahl richtig“, sagt sie und strahlt. „Das Betriebsklima hier ist aber auch wirklich toll. Ich bekomme jegliche Unterstützung, das macht die Arbeit echt einfacher.“ Ihr Ausbildungsleiter Jonas Frebel gibt das Kompliment umgehend zurück: „Du hast Dich gut ins Team hier eingebracht.“

Der Reihe nach: Als Aydin also das Banner in die Bibliothek brachte, wurde sie von der stellvertretenden Büchereileiterin Stefanie Ingenpaß auf die alten Buchaufsteller angesprochen, die dazu dienen, Romane oder Sachbücher in den Regalen zu präsentieren. Die ummantelten Drahtgitter versprühten einen Charme der 1970er-Jahre. Es war also höchste Zeit für neue Exemplare. Ingenpaß fragte die 19-Jährige, ob sie für zeitgemäßeren Ersatz sorgen könnte?

50 neue Buchaufsteller übergeben

Und schon hatte die Auszubildende im ersten Lehrmonat ein Projekt. „Das war am Anfang erst einmal sehr aufregend für mich“, gibt Aydin zu. „Doch am Ende lief alles wirklich sehr entspannt ab.“ Vor wenigen Tagen nun übergab die künftige Industriekauffrau 50 Buchaufsteller an die Altenaer Bücherei.

Stolz auf das fertig Produkt: Selin Aydin präsentiert einen der 50 neuen Buchaufsteller für die Stadtbücherei Altena.
Stolz auf das fertig Produkt: Selin Aydin präsentiert einen der 50 neuen Buchaufsteller für die Stadtbücherei Altena. © Koll, Michael

„Ich bekam von meinem Ausbildungsunternehmen völlig freie Hand bei der Ausführung. Und ich habe viel gelernt dabei – von der Kalkulation über das Programmieren der CNC-Maschine, bis hin zur tatsächlichen Herstellung der Produkte, die Prospekthaltern ähnlich sind. Das alles hat sehr viel Spaß gemacht.“

Engagement nicht ausgebremst

Ausbildungsleiter Frebel lobt seinen Schützling: „Du hast von der Kalkulation über die Angebotsaufstellung bis hin zu Fertigung alles selbst gemacht.“ Er verdeutlicht: „Wir freuen uns sehr, wenn eine Auszubildende solch eine Initiative zeigt. Da bremsen wir ein derartiges Engagement nicht aus.“

Aydin und Bücherei-Co-Leiterin Ingenpaß erstellten gemeinsam einen Entwurf für die Buchaufsteller. Dann wurde ein Muster aus vier Millimeter dickem Draht hergestellt. „Alles ist nur gebogen, nichts daran wurde geschweißt.“ Die Enden des Gestells wurden mit weißen Kunststoffkappen verschlossen. Die Auszubildende ging damit wieder in die Bücherei und erhielt das „Go“, um mit dem Prototypen quasi in Serie zu gehen. Für die Halter wurde übrigens kein gewöhnlicher Draht gewählt, sondern die beständigere, verzinkte Variante.

Eineinhalb Wochen an der Konzeption gearbeitet

Eineinhalb Wochen arbeitete Aydin an der Konzeption der Präsentations-Aufsteller. „Die eigentliche Produktion war hinterher in zwei Stunden erledigt“, verrät sie. „Ich habe es sehr genossen, einmal den gesamten Ablauf eines Auftrages kennenzulernen“, unterstreicht sie, räumt aber auch ein: „Ich wusste ja, es kommt sehr viel auf mich zu. Doch ich hätte vorher dann doch nicht gedacht, wie kleinteilig das alles ist und wie viele Schritte letztlich dafür notwendig sind.“

Für die Auszubildende eine wertvolle Erfahrung: „Man lernt in solch kurzer Zeit viel intensiver.“ Sie schaut sich den fertigen Aufsteller, der vor ihr auf dem Tisch steht, ein weiteres Mal an und sagt: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das ist schon ein cooles Gefühl, das hier vor mir zu sehen.“

Kosten nicht in Rechnung gestellt

Die Firma Hohage berechnete die Materialkosten für die 50 Buchaufsteller übrigens nicht. „Wir haben die Produktion für die Bücherei gesponsert“, sagt Ausbildungsleiter Jonas Frebel abschließend.

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