Kein Platz für teure Uhren und Bargeld

Justitia muss noch warten.

ALTENA ▪ Am 5. August 2011 meldete ein heute 45-Jähriger einen Diebstahl in einem Haus in Evingsen. Am 20. Januar 2012 bestätigte er seine Vorwürfe noch einmal bei einer polizeilichen Vernehmung. Am Dienstag saßen aber nicht etwa Einbrecher im Amtsgericht. Wegen Vortäuschens einer Straftat sollte sich der Anzeigen-Erstatter selbst verantworten. Was hatte bei den Ermittlern solchen Argwohn erweckt?

Das Haus hatte bis zu seiner Zwangsversteigerung offenbar dem Angeklagten gehört. Im August 2011 habe er noch einige Habseligkeiten aus dem Haus holen wollen und festgestellt, dass „die Türen aufgebrochen und alles verwüstet war“, erklärte der Angeklagte. An der Tür habe ein Zettel gehangen und auf diesem habe er gelesen: „Wenn Sie aus diesem Haus noch Inventar entnehmen möchten, dann wenden Sie sich bitte an uns.“ „Wir“ – das waren die neuen Besitzer, die der Angeklagte später wegen Diebstahls anzeigte. Denn er vermisste beim Besuch in seinem alten Haus Kleinigkeiten: mehrere Bentley-, Breitling- und Rolex-Uhren im Wert von etwa 24000 Euro. „Ich wusste nicht, wohin mit den Sachen“, erklärte der Angeklagte dem staunenden Staatsanwalt, der dieser Befindlichkeit auch Ausdruck verlieh: „Das sind doch Dinge von gewissem Wert – auch für Sie!“ Neben den Uhren seien auch Geld-Säckchen aus jener Zeit, als die ersten Euros unters Volk gebracht wurden, verschwunden, erklärte der Angeklagte. Die zu Sammlerzwecken gehorteten „Starterkits“ sollten einen Wert von 4000 Euro gehabt haben. Die passten nicht mehr in den vom Staatsanwalt ins Spiel gebrachten „Karton“. Nun ist die Absicht eines Versicherungsbetruges der häufigste Grund für das Vortäuschen eines Diebstahls bei der Polizei. Es war aber vor Gericht unstrittig, dass die angegebenen Dinge gar nicht versichert waren und niemand für den Schaden aufkommen musste. Dieses mögliche Motiv für eine vorgetäuschte Straftat fiel aus. Ein anderes Motiv war nicht in Sicht.

So begann also ein großes Rätselraten um die Hintergründe der Ereignisse, die der Angeklagte noch mit Berichten aus seiner unter hohen finanziellen Verlusten gescheiterten Ehe befeuerte. Klarheit brachte das nicht. Einstellen wollten Staatsanwalt und Richter das Verfahren auch nicht. So vertagte Richter Dirk Reckschmidt die Verhandlung und brachte mögliche Zeugen ins Spiel, die Licht ins angebliche Verschwinden der Luxusuhren bringen sollen.

Der Angeklagte ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt. Im Zusammenhang mit dem Haus in Evingsen stand er schon einmal als Angeklagter vor Gericht. Damals wurde ihm ein tätlicher Angriff auf einen Gerichtsvollzieher vorgeworfen. ▪ thk

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