Prozess dreht sich um die Psyche

Altena - Muss ein ehemaliger Bewohner der Pflegeeinrichtung Kohlberghaus dauerhaft in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht werden? Zum Auftakt des Prozesses im Landgericht Hagen, wo die 4. große Strafkammer über diese Frage zu entscheiden hat, bestritt der Angeklagte die Anklagepunkte, die Übergriffe und Bedrohungen im Kohlberghaus betreffen. „Das stimmt auf keinen Fall“, gab er zu Protokoll. Eine Körperverletzung und eine versuchte Körperverletzung in einem Seniorenzentrum in Gevelsberg gab der 45-Jährige hingegen zu.

Laut Anklage soll der Mann am 30. Mai 2015 mehrere Zeugen in Altena verletzt haben: So soll er seinen Kopf „mit voller Wucht“ gegen den Kopf eines anderen Patienten geschlagen haben. Auf weitere Patienten soll er mit der Faust und einem „Würgegriff“ losgegangen sein. Anschließend – so die Anklage – habe der 45-Jährige gedroht: „Ich mache euch alle kalt.“ Um diese Botschaft zu unterstreichen, habe er sich als ein Mitglied der Rockerbande „Bandidos“ ausgegeben und den Angegriffenen versichert, sie befänden sich fortan „auf der Todesliste“.

Mit einem mehrfachen „Nein!“, wies er diese Vorwürfe zurück und schilderte die Situation in der Einrichtung aus seiner Sicht: „Das sind alles kranke Menschen – von Demenz bis Körperbehinderung.“ Einer der angeblichen Angegriffenen sei ein „Kinderschänder“, dem er jedoch geholfen habe, wo er nur konnte. „Ich kann das gar nicht beschreiben – ich musste da weg.“

Der Mann gilt als hochgradig heroin- und alkoholabhängig und verbüßte mehrere Haftstrafen wegen Beschaffungskriminalität. Er soll psychisch schwer krank sein, weshalb er die ihm vorgeworfenen Taten vermutlich im Zustand stark verminderter oder sogar aufgehobener Schuldfähigkeit begangen habe. Die nicht zu bändigende Alkoholsucht gab der Angeklagte zu: „Mit 12/13 Jahren habe ich angefangen zu trinken. Schnaps mit 15/16. Vater trank auch immer.“ Das bittere Fazit lautete: „Ich habe ja früher alles vernichtet – traurig, aber wahr.“

Für das Verfahren sind insgesamt neun Verhandlungstage vorgesehen. Die ersten Zeugen sollen am Freitag ab 9.30 Uhr im Landgericht vernommen werden.

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