Im 301. Jahr ein Werk „voll mit neuen Aufträgen“

Die Wareneingangshalle der Firma Nedschroef war festlich geschmückt und nicht wieder zu erkennen.

ALTENA - Aus der Wareneingangshalle war über Nacht ein schmucker Festsaal geworden: Vierflammige Kerzenleuchter auf gedeckten Tischen, gedämpftes Licht und an den Metallprofil-Wänden meterhohe Banner mit Motiven aus der Firmengeschichte. So kann ein Firmengeburtstag aussehen, mit dem eine selten lange Tradition gefeiert wird. „300 Plus“ war gestern das Motto beim Nedschroef-Jubiläum an der Westiger Straße, mit dem die niederländische Gruppe eine 301 Jahre lange Tradition der Drahtverarbeitung an dieser Stelle in der Nette feierte. Von Thomas Keim

Angefangen hatte alles im Jahr 1709, als der aus Neuenrade stammende Johannes Quincke vom Rat der Freiheit Altena das „Reidungsrecht“ bekam. Seither, so Geschäftsführer Karlheinz Munz gestern in seiner Ansprache vor 350 geladenen Gästen, herrsche Erfindungsreichtum und Unternehmergeist an dieser Stätte. Es war der erste Tag des zweitägigen Firmenjubiläums. „Wir haben auf dem Erbe der vorigen Generationen aufgesetzt“, so Munz weiter, „und wir arbeiten mit Freude an der Zukunft“. Der Geschäftsführer skizzierte die Entwicklung hin zu einem Hochleistungsunternehmen, „zu einer der modernsten Produktionsstätten Europas.“

Chris Mezger, Vorstandsvorsitzender der Nedschroef-Holding, erinnerte kurz an die wirtschaftliche Krise des Jahres 2009, wegen der die Feier zum 300-jährigen Bestehen verschoben worden war. Dieser Einbruch könne heute zumindest für Nedschroef als überwunden angesehen werden: „Das Werk ist voll mit neuen Aufträgen.“

Mezger bekannte sich deutlich zum Standort Altena. Die Produktion etwa in ein Wachstumsland wie China zu verlagern, sei „kein Thema“. Dort etwas aufzubauen, sei dagegen etwas anderes „aber nicht als Ersatz.“ Neben der wichtigen Rolle des deutschen Marktes und dem technischen Know-how am Standort verriet Mezger mit einem Augenzwinkern noch einen dritten Grund, warum sich die Niederländer 1990 im Nettetal engagiert hatten. Er liege in der Topografie des Firmengeländes begründet: „Wir haben uns auch die Berge gekauft“, sagte Mezger mit einem Schuss Selbstironie. Für Deutschland gab es allerdings auch einen kleinen Nadelstich. Die hiesigen Nedschroef-Mitarbeiter seien Weltmeister, lobte Mezger – „aber wohl die einzigen deutschen Weltmeister in diesem Jahr.

Mit Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen war ein Kenner der Automobilbranche als Festredner eingeladen worden. Dudenhöffer bot seine Prognosen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte im Automobilbau.

Kommen in den Ländern der drei großen Wirtschaftskomplexe USA, Europa und Japan („Triade“) derzeit 577 Autos auf 1 000 Einwohner, so sind es in China 21 – und in Indien elf. Kräfiges Wachstum sei also nur auf solchen Märkten zu erwarten, wo die Abdeckung der Bevölkerung mit Automobilen gering ist. Hier würden besonders preisgünstige Autos („low cost cars“) eine Rolle spielen. Als Beispiel nannte Dudenhöffer den indischen Tata, aber auch Dacia und den Logan. Der sei – obwohl von Insidern anfangs belächelt – nichts anderes als „der größte Erfolg in der Automobilgeschichte.“

Aber auch bei teureren Autos sieht Dudenhöffer interessantes Potential. So werde Daimler-Benz in zwei Jahren eine Hybridversion der bekannten S-Klasse auf den Markt bringen – mit einem Verbrauch von 3,2 Litern auf 100 Kilometern.

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