3000 Münzen erwachen aus Dornröschenschlaf

Malte Rosenbaum, angehender Numismatiker, bei der Arbeit.

ALTENA ▪ Seit mehr als 35 Jahren ist die Münzsammlung der Museen der Burg Altena nicht mehr benutzt worden. Die etwa 3000 Münzen schlummerten in mit weichem Samt oder Filz ausgelegten Laden. Jetzt hat Malte Rosenbaum sie ans Tageslicht geholt – er ordnet die komplette Sammlung neu.

Malte Rosenbaum ist Student der Numismatik (Münzkunde, die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geld und seiner Geschichte) in Wien. Zum vierten Mal ist er bereits in der Burgstadt, um an der Sammlung zu arbeiten. Der Kontakt zu Holger Lüders, dem Restaurator der Museen, kam über die Denkmalpflege Jugendbauhütte Duisburg zustande.

„Ich habe mir zunächst einen Überblick verschafft und die Münzen nach Sachgebieten vorsortiert“, erklärt Rosenbaum. Der 25-Jährige arbeitet in einem rund zwölf Quadratmeter großen Raum im obersten Stock des Drahtmuseums. Der Tisch ist übersät mit den verschiedensten Münzen. „Das ist eine Goldmünze aus dem 18. Jahrhundert – jedoch nichts von besonders großem Wert“, Rosenbaum hält ein blinkendes Geldstück, so groß wie ein Euro, behutsam zwischen Daumen und Zeigefinger. In einem seiner vielen Fachbücher sucht er nach einer Beschreibung genau dieser Münze. Mit der Schieblehre nimmt er Maß, dann wiegt er sie und betrachtet sie immer wieder von vorne und von hinten. Hat er alle Informationen, die zu kriegen sind, zusammen getragen, füllt er den fünf mal fünf Zentimeter großen Begleitzettel aus. Er muss sich bemühen, klein zu schreiben. Eingetragen werden: Nennwert, Münzstätte, Beschreibung der Vorder- und Rückseite, Inventarnummer, Gewicht, Material, Literaturzitat und Stempelstellung. „Die ist sehr wichtig, denn die macht das Einzelstück identifizierbar“, verdeutlicht der angehende Numismatiker. Die Stellung der Stempel zueinander war bis zum 18. Jahrhundert nämlich nicht festgelegt, und somit von Staat zu Staat unterschiedlich.

„Zu fast jeder Münze gibt es Fachliteratur“, sagt Rosenbaum. Jedes Stück werde in Wort und Bild ausgewiesen – auch heute. Wird er in seinen eigenen Büchern nicht fündig, wendet er sich an seine Kollegen. Wenn auch das nicht weiterhilft, gibt es immer noch das Internet. „Wenn man weiß, wonach man suchen muss.“ Rosenbaum arbeitet mit seinen Sinnesorganen, aber er macht nicht den Bisstest, den man beispielsweise aus alten Piratenfilmen kennt. „Das ist keine wissenschaftliche Methode. Früher wurde das gemacht, weil Gold sehr weich ist. Die Münze war also echt, wenn die Zähne einen Abdruck hinterließen“, so der Fachmann.

Rund 3000 Münzen – kleine, große, dicke, dünne, welche aus Gold, aus Silber, aus Kupfer, aber auch aus Porzellan oder Papier – muss er unter die Lupe nehmen und inventarisieren. Kommt da keine Langeweile auf? „Eigentlich nicht“, sagt der 25-Jährige, „das ist extrem vielseitig. Schließlich geht es um zweieinhalb tausend Jahre Geschichte und ... die Welt ist groß.“

Holger Lüders ist froh, dass Malte Rosenbaum die Münzsammlung neu ordnet. Jetzt könnten gezielt Münzen gesucht werden, die thematisch zur Ausstellung passen. Der Museumsbesucher soll demnächst besondere Münzen, wie die Silbermünzen zum Westfälischen Frieden von 1648, als „Objekt des Monats“ in den Vitrinen betrachten können. Und auch Lüders hat vom Wissen des 25-Jährigen profitiert: „Ich weiß jetzt, das eine oder andere Stück ganz anders zu schätzen.“

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