Schützenfest kommt ganz teuer

Symbolbild

ALTENA ▪ Richter Dirk Reckschmidt freute sich: „Das ist das einzige Verfahren, das nach dem Schützenfest auf meinen Tisch gekommen ist.“ Angeklagt war ein 23-Jähriger, der sich am 10. Juni ohne Zahlung von 25 Euro Eintrittsgeld in das Festzelt der Friedrich Wilhelms Gesellschaft geschlichen hatte. Zudem sollte er bei seiner Entdeckung viele Stunden später eine Mitarbeiterin, der vor Ort tätigen Sicherheitsfirma übelst beleidigt haben.

„Bis 4 Uhr stimmt das so“, gestand der Angeklagte das „Erschleichen einer Leistung“. Er sei in der Deckung einer größeren Gruppe von Schützen tatsächlich ohne zu zahlen ins Schützenzelt gelangt. Der Angeklagte rechtfertigte dies mit dem drohenden Ausschluss vom Fest. „Die wollten mich nicht reinlassen. Ich durfte das Geld nicht bezahlen.“

Die Ereignisse, in deren Verlauf er die Mitarbeiterin einer Sicherheitsfirma übel beleidigt haben sollte, stellte der 23-Jährige allerdings ganz anders dar, als es in der Anklageschrift festgehalten worden war: „Warum nicht?“, wollte der junge Mann ganz brav geantwortet haben auf die Aufforderung, das Gelände zu verlassen. Dann aber sei ihm jemand in den Rücken gesprungen, und er habe sich beim Sturz Knie und Kopf aufgeschlagen. „Wenn von mir keine Gewalt ausging, muss man mich nicht so züchtigen“, klagte der 23-Jährige. Anschließend sei er gezwungen worden, 20 Minuten auf dem kalten Boden liegenzubleiben. Die Sicherheitsleute hätten ihm zudem gedroht: „Wir können der Polizei auch sagen, dass du einen von uns geschlagen hast.“ Der Angeklagte stellte nach den Ereignissen des 10. Juni seinerseits Strafantrag gegen die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma. Im Hinblick auf diese Ermittlungen stellte Richter Dirk Reckschmidt das Verfahren vorläufig ein.

Übrig blieb der Vorwurf der Leistungserschleichung beim Eintritt in das Schützenzelt. 1600 Euro Geldbuße beantragte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. „Das ist ja ein ganzer Monatslohn“, jammerte der Angeklagte und bot 500 Euro an. Richter Reckschmidt hielt sich schließlich einigermaßen in der Mitte dieser beiden Strafanträge, die durch die Vorstrafen des 23-Jährigen erheblich in die Höhe getrieben wurden.

1000 Euro Geldbuße muss der nichtzahlende Schützenfestgast berappen. „Das ist ein Abend, der so teuer gewesen ist, dass Sie sich überlegen müssen, dass sich so etwas nicht lohnt“, gab der Richter dem jungen Angeklagten mit auf den Weg. Und als besonderen Service rechnete er ihm vor, dass er davon etwa 40 Jahre Mitglied in der Schützengesellschaft hätte sein können. ▪ Thomas Krumm

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare