„Lieb Vaterland magst ruhig sein“ / Ausstellung „1. Weltkrieg“ eröffnet

Nägel für den 1. Weltkrieg

Der Zeppelin (links) beim tödlichen Abwurf von Bomben. Verniedlicht in Verse gefasst.Foto: Krumm

Altena -  Einerseits vollzog sich vor 100 Jahren Weltgeschichte: „Am 1. August 1914 um 17 Uhr verfügte der deutsche Kaiser Wilhelm II. die Generalmobilmachung im Deutschen Reich, und damit begann für Deutschland der 1. Weltkrieg“, trug Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper auf die Stunde 100 Jahre nach diesem Ereignis im Kreishaus I in Altena vor.

Mehr als vier Jahre lang tobte ein mörderischer Krieg, der Millionen von Menschen das Leben kostete oder sie für immer zu Krüppeln machte. Der heutige Märkische Kreis war kein Schauplatz von Kriegshandlungen, und doch war der Krieg im Alltag der Menschen allgegenwärtig: Die Menschen an der Heimatfront hungerten, produzierten kriegswichtige Güter, schufteten 60 Stunden pro Woche und schlugen auf dem Hof der Burg Nägel in „Altenas Kriegswahrzeichen“, den eysernen Töeger – gegen Bezahlung versteht sich, die laut Tarifliste zwischen 50 Pfennig und stattlichen 100 Mark lag. Der Krieg wollte bezahlt sein. Doch er fraß nicht nur die materiellen Ressourcen an der Heimatfront: Kreisarchivar Ulrich Biroth, der die Ausstellung „Lieb Vaterland magst ruhig sein – Der erste Weltkrieg im heutigen Märkischen Kreis“ gemeinsam mit Gabriele Aschöwer und Dr. Christiane Todrowski konzipierte “, trug zur Eröffnung den Inhalt einer „kleinen, unscheinbaren Postkarte“ vor.

Schütze Fritz Menke wollte sie im April 1916 von der Front nach Hause schicken. Sie beginnt mit den Worten: „Liebe Mutter. Ich bin glücklich angekommen.“ Kurz darauf kam die Karte tatsächlich bei Frau Anna Menke in Eiringhausen an. Ein Begleitschreiben verkündete die „kleine“ Katastrophe in der großen: „Anbei die noch bei der Kompagnie vorgefundenen Nachlaßsachen Ihres Sohnes“, erklärte ein Begleitschreiben. „Die Karte ist ebenso wie das Notizbuch von Granatsplittern durchlöchert worden“, ergänzte Ulrich Biroth und berichtete von den Dimensionen des Schlachtens.

Wer Pech hatte, schrieb im Burggymnasium 1915 seine Abiturarbeit zum Thema „Wie bin ich zum Dienst für’s Vaterland vorbereitet“ und starb kurz darauf an der Front. Eine Gedenktafel erinnert an die 80 Schüler und Lehrer des Burggymnasiums, die an der Front fielen – „30 bis 40 von ihnen direkt nach dem Abitur“.

von Thomas Krumm

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