1971 startete das Jahrhundert-Werbekonzept der Werbegemeinschaft Altenaer Einzelhandel

Altenaer Werbewoche: Als der Handel noch mit dem Tanzbären lockte

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Das war ein Knaller: Einmal hatten die Einzelhändler einen Elefanten als Attraktion gebucht. Sogar Kamele und ein Tanzbär sorgten für Aufsehen in der Innenstadt.

Altena - An eine AlWeWo-Begebenheit erinnert sich Bruno Hüttemeister noch genau: Die Einzelhändler hatten sich als besondere Publikumsattraktion einen Tanzbären einfallen lassen. Und als der abgerichtete zahme Braunbär mit seinem Dompteur ein Päuschen machen wollte, spazierte das Duo ins Büro des Schuhgeschäfts Hüttemeister hinein. „Damals lebte meine erste Frau noch. Und die ging vor Schreck durch die Decke!“

Tierschützer würden heute Sturm laufen, doch in den 70er und 80er Jahren war an solch tierische Publikumsmagneten noch problemlos dranzukommen. „Wir hatten auch mal Kamele da und auch einen Elefanten!“ erinnert sich Hüttemeister noch ganz genau. 1971 hatte sich die Werbegemeinschaft Altenaer Einzelhandel entschlossen, Neues zu wagen. „Die Väter der alteingesessenen Einzelhändler hatten sich vor der Gründung der Gemeinschaft in einem Rabattsparverein organisiert. Der ließ in der Weihnachtszeit immer Rot-Kreuz-Lose in der Stadt verteilen. Den Tombola-Gedanken fanden wir Jüngeren auch noch ganz gut. Aber wir wollten gerne was drumherum machen“, erinnert sich der ehemalige Werbegemeinschafts-Vorsitzende.

Das war die Geburtsstunde der AlWeWo und der Beginn einer Zeit, zu der die Innenstadt schwarz vor Besuchermassen war im September. Angefangen hatte alles mit einer hochwertig aufgezogenen Verbrauchermesse im Lennestein, wo sich etwa 15 bis 20 Innenstadt-Ladenlokale mit ihren Waren präsentierten. Anschließend zog die Altenaer Werbewoche, wie die AlWeWo in Gänze hieß, mit großflächigem Programm in die Innenstadt.

Hollandfest, Bayernwoche, Mittelaltermarkt - an Themen hat es nie gemangelt. Als sich Frau Antje in der Innenstadt als lebendiges Suchspiel versteckte, machten sich holländische Käsehändler den Spaß, Bürgermeister Günter Topmanns Gewicht in Käse aufzuwiegen. Dazu gab’s Livemusik. Ob Schlager oder riesige Marsch-Kapellen - es war immer für beste Unterhaltung gesorgt. „Ein ganz toller Partner war das Kaufhaus Böhrer.

Die AlWeWo erwuchs aus der Werbegemeinschaft.

Auch später unter der Leitung von Dr. Störmer“, erinnert sich Bruno Hüttemeister. Es gab kaum ein inhabergeführtes Geschäft, das nicht mitmachte. Begehrt waren immer die Lose, die während der Werbewoche an die Kunden verteilt wurden. Es gab Sofortgewinne, die direkt ausgegeben wurden. Und eine fette Hauptverlosung, in der auch die Nummern der Nieten noch viel wert sein konnten. Reisen oder Hubschrauber-Rundflüge konnten hier abgesahnt werden mit etwas Glück - „alles heute nicht mehr finanzierbar in Anbetracht des stark dezimierten Innenstadt-Einzelhandels“, schildert Bruno Hüttemeister.

Liebling der Kinder: Die Bimmelbahn. Für 50 Pfennig ging es einmal durch die Innenstadt.

Die AlWeWo wurde zwar bis in die 2000er Jahre weitergeführt, doch sie endete schließlich als Werbe-Wochenende mit stark verkleinertem Programm unter Leitung des Stadtmarketingvereins. Er ist heute Nachfolge-Organisation der Werbegemeinschaft und ging aus der Organisation „Wir für Altena“ hervor, wo längst nicht mehr nur Einzelhändler mitmachen konnten, sondern alle Bürger, die sich mit Ideen für ihre Stadt einbringen wollten.

Bruno Hüttemeister ist weiterhin Mitglied. „Was da ist, muss man unterstützen“, findet er. Dass viele Mitstreiter gegangen sind, gehen mussten - das hat ihm natürlich wehgetan im Herzen. „Wir waren eine große Händlerfamilie. Und diese AlWeWo, die war das Beste, was uns passieren konnte. Es gab keine bessere Gelegenheit, auf die Einkaufsstadt Altena aufmerksam zu machen. Die Leute kamen und kamen hinterher wieder. Eine solche Chance zur Stammkundenbindung gibt es nirgendwo mehr. Das ist natürlich auch dem veränderten Einkaufsverhalten geschuldet. Schade finde ich das schon.“

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