1950 gab‘s zur Konfirmation oft Mehl statt Geld

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Sammeltassen, Spitzentüchlein und Gesangbücher – das schenkte man in den 50er Jahren zur Konfirmation

ALTENA Am morgigen Sonntag wird in Dahle Konfirmation gefeiert. Minirock, Jeans und Turnschuhe sind mittlerweile als Bekleidung für Konfirmanden „gesellschaftsfähig“, gefeiert wird überwiegend im Restaurant und die meisten Jugendlichen rechnen fest mit Geldgeschenken.

Wie es zu Zeiten ihrer eigenen Konfirmation zuging, daran erinnerten sich jetzt die Mitglieder der Dahler Frauenhilfe. Das Mitarbeiterteam Helga Bastian, Birgit Pircher und Eva Pungel hatte zu einem Konfirmations-Erinnerungsnachmittag eingeladen. An festlich gedeckten Tischen gab es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch eine Dia-Show alter Konfirmationsbilder und sogar eine „Konfi-Prüfung“.

Einen Tisch voller Erinnerungen hatte zu diesem Anlass Gerlinde Grefe zusammen gestellt. Sie besitzt noch ihr Konfirmationskleid aus dem Jahr 1954. „Zu den Geschenken für uns Mädchen gehörten damals Sammeltassen, eine bunte Plastiktasche mit Innenfächern für die teuren Nylonstrumpfhosen, meistens die erste eigene Uhr und eine Hortensie als Topfblume“, erinnert sich die Dahlerin. „Zum Mittagessen und Kaffeetrinken kam die Familie, mit den Großeltern und Paten, zu Hause zusammen.“ Eine Rindfleischsuppe und ein Braten konnte zu der Zeit schon serviert werden. „Sechs Jahre zuvor, also kurz nach dem Krieg, als mein späterer Mann konfirmiert wurde, gehörte eine Tüte Mehl für den Kuchen zu den spärlichen Geschenken.“

Das Gesangbuch, ebenfalls ein beliebtes Geschenk, wurde in ein Spitzentaschentuch gelegt. Auch das hat Gerlinde Grefe aufbewahrt, ebenso Konfirmationskarten, Bilder mit Konfirmationssprüchen, „Pucki“-Bücher und das Holzkreuz, das es zum Eintritt in den Mädchenkreis gab. Konfirmiert wurde sie von Pastor Ritz, dem Vater von Eva Pungel.

„Zweimal im Leben haben mir die Knie gezittert, bei der Konfirmation und später bei der Hochzeit“, erinnert sich Eva Pungel. „Das war für uns ein einschneidendes Erlebnis, wir haben das sehr ernst genommen.“ Konfirmiert wurden 1954 in Dahle zwei Jahrgänge, denn durch die Kriegszeit fiel von 1944/45 die Schule aus. Eingeschult wurden so 1946 gleich zwei Jahrgänge, entsprechend groß war acht Jahre später die Zahl der Konfirmanden. Später wuchs die Anzahl der Konfirmanden auf bis zu 40 Jugendliche an, heute sind es selten mehr als 20.

„Das Gemeindeleben in Dahle war immer schon sehr rege“, waren sich die Damen einig. Die Jungen gingen zum CVJM, der damals noch ein christlicher Verein junger Männer war, die Mädchen zur Mädchenjungschar. Nach der Konfirmation wechselten sie in den Mädchenkreis. Dort wurde oft gehandarbeitet, während eine Mitarbeiterin Geschichten vorlas. „Wir hatten sogar eine Fahne mit der Aufschrift Jungfrauenverein Dahle. Die haben wir immer mitgenommen, auch wenn wir auf Fahrten gingen. Peinlich war das nicht, mit zunehmendem Alter fanden wir das eher lustig“, blickt Eva Pungel auf die Jugendzeit zurück.

Abzüge der Konfirmationsbilder, die damals von Foto Pelz aus Dahle aufgenommen wurden, sowie kleine, gefaltete Papiertäschchen mit einer Kopie eines Liedtextes konnten die Frauen anschließend mit nach Hause nehmen – und viele Erinnerungen...

von Silvia Sauser

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