19-Jähriger gesteht drei Raubüberfälle

ALTENA Verkleidet mit einer schwarzen Sturmmaske und mit einer Pistole in der Hand forderte ein Räuber am 16. Juni 2012 einen Auszubildenden im Netto-Markt an der Rahmedestraße auf, die Kasse zu öffnen und ihm das Bargeld auszuhändigen.

Weil er dazu nicht befugt war, rief der junge Mann die Filialleiterin zu Hilfe, die dem Räuber rund 751 Euro aushändigte. Der Täter flüchtete und überfiel in den folgenden Tagen noch die Bäckerei Beul in Tiergarten und einen Kiosk in Hemer. Gestern legte der 19-Jährige vor der 2. Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen ein umfassendes Geständnis für alle drei Taten ab. Dabei bezichtigte er auch seinen 21-jährigen Mitangeklagten, ihn zu den Tatorten gefahren zu haben und hinterher als Fluchtfahrer fungiert zu haben. Nach den Überfällen sei die Beute dann geteilt worden.

Der mutmaßliche Komplize wies diese Vorwürfe zurück: Ja, er habe seinen Freund immer mal wieder zu gewünschten Zielen mitgenommen, bestätigte der 21-Jährige. „Ich habe gerne geholfen und viele Leute chauffiert.“ Nie aber habe er den 19-Jährigen zu einem der Tatorte gefahren und dort nach dem Überfall wieder abgeholt. Allerdings stellte die Polizei in dem Fahrzeug, das er benutzt hatte, die Sturmmaske und die Luftdruckpistole des Haupttäters sicher. Von diesen in eine Damenjacke eingewickelten Gegenständen habe er nichts gewusst, versicherte der 21-Jährige: Im Nettomarkt hatte der 19-jährige Haupttäter eine Dose Katzenfutter mit jn den Kassenbereich gebracht, auf der später seine Fingerabdrücke gefunden wurden. Die Beweislage war damit schon vor dem Geständnis relativ gut. „Das war ein zweifelfreier Nachweis, dass er der Täter gewesen war“; sagte ein Ermittler vor Gericht. Der zweite Überfall hätte auch den Getränkemarkt „Dursty“ treffen können, doch „dort waren zu viele Leute – deshalb haben wir uns für die Bäckerei entschieden“ erklärte der junge Altenaer die relative Beliebigkeit der Ziele der Überfälle. Bei Beul erbeutete der 19-Jährige rund 944 Euro. Am 7. Juli wurde er wieder tätig: In einem Kiosk in Hemer nahm er etwa 400 Euro und eine Schachtel Zigaretten mit, wie er schließlich den Ermittlern gestand. Die waren dankbar für die Klärung, wie gestern der maßgebliche Raubsachbearbeiter berichtete: „Wir hatten damals zehn Raubüberfälle in sechs Wochen. Es brannte an allen Ecken und Enden - in Werdohl, Altena und Lüdenscheid.“ Hinweise, dass der 19-Jährige die Waffe bei den Überfällen jeweils „durchgeladen“ habe, wies der Angeklagte zurück: „Die Waffe war ungeladen.“

Geld hätten beide Angeklagte brauchen können: Der 19-Jährige gab den kostspieligen Konsum von Marihuana und Amphetaminen zu. Das Gericht gab deshalb ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag. Der 21-Jährige hat es nach eigenen Angaben finanziell erheblich leichter. Er nannte gleich drei Quellen, aus denen er seinen Lebensunterhalt bestritt: „Der Mama sitzt das Geld locker, das Handy bezahlt die Oma, und das Auto der Freund meiner Mutter.“

Der Prozess wird am Freitag, 11. Januar ab neun Uhr fortgesetzt.

Thomas Krumm

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