19-Jähriger baut für den Eigenbedarf an

Cannabis-Zucht im Schrank zu Hause

Cannabis wird immer wieder zu Hause angebaut. Diese Plantage hob die Polizei kürzlich in Iserlohn aus.

Altena - Wer Pflanzen in den eigenen vier Wänden ziehen will, kann auf das gute alte Fensterbrett oder einen professionellen Wachstumsschrank zurückgreifen. Solche „Growschränke“ oder „Growboxes“, auch „Indoor-Gewächshaus“ genannt, gibt es zum Selberbauen oder als Komplettset, mit Natriumdampflampe und Belüftung, denn das Pflanzgut braucht ja Licht und Luft.

 Ein 19-jähriger Altenaer testete Mitte 2015 in seiner Wohnung, ob die Leistungsfähigkeit eines solchen Gerätes ausreicht, um Cannabis-Pflanzen zu ziehen. Das Ergebnis war vergleichsweise gut, wie Polizeibeamte am 12. Oktober feststellten, die das sichergestellte Pflanzenmaterial von einem Labor auf den Wirkstoffgehalt untersuchen ließen.

Untersuchen lassen

Aufgrund ihrer Anzeige musste sich der junge Mann für seine Bemühungen vor dem Schöffengericht verantworten. „Ich wollte dafür nicht zuviel Geld ausgeben und habe eine Weile gespart“, erklärte er dem Gericht. Den Lieferanten des Schrankes habe er über das Internet kennengelernt. Eines Tages sei der dann mit einem Bulli aus Dortmund vorgefahren, habe Schrank und zwei Pflanzen dagelassen und sei wieder verschwunden. „Wenn das nicht legal wäre, hätte ich die Sachen ja gar nicht“, argumentierte der Angeklagte und vergaß dabei zumindestens die beiden Pflänzchen. Als Grund für die gärtnerischen Bemühungen nannte er die hohen Ankaufspreise für Cannabis-Produkte: „Weil das auf der Straße so teuer ist, dachte ich: Dann habe ich etwas für längere Zeit.“ Rechtsanwalt Thomas Steinigeweg fasste noch einmal zusammen: „Sie haben das gemacht, um zu sparen?!“ Der 19-Jährige beteuerte, dass er niemals vorgehabt habe, die Ernte zu verkaufen. Es blieb deshalb beim Vorwurf des Anbaus und der Herstellung von Betäubungsmitteln. Der Wirkstoffgehalt des sichergestellten Pflanzenmaterials überstieg die nicht geringe Menge um das Doppelte – ein erwachsener Angeklagter hätte deshalb mit einer Mindeststrafe von einem Jahr rechnen müssen.

Nicht vorbestraft

Doch der junge Mann war in keiner Weise vorbestraft, und das Schöffengericht sah im Einklang mit den anderen Prozessbeteiligten Anlass, Reifeverzögerungen festzustellen und ihn deshalb noch nach Jugendrecht zu verurteilen. 180 Sozialstunden bekam er schließlich aufgebrummt – für eine Jugendstrafe sah das Gericht keinen Anlass. Möglicherweise hatte der 19-Jährige auch einen großen Schreck bekommen, als Polizeibeamte ihn besuchten: „Ich habe damit komplett aufgehört“, versicherte er dem Gericht.

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